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Medien: Viacom will Viva übernehmen

Der US-Mutterkonzern von MTV hat schon mit verschiedenen Großaktionären des Kölner Musiksenders eine Vereinbarung zum Kauf von 75,8 Prozent der Aktien getroffen. Der Medienriese wäre im deutschen Musik-TV-Markt konkurrenzlos.

Der US-Medienriese Viacom mit dem Musiksender MTV übernimmt den Kölner Konkurrenten Viva. "Deutschland ist der größte Kabel- und Satellitenmarkt der Welt außerhalb den USA", sagte der Präsident von MTV Networks International, Bill Rhoedy, am Donnerstag in Frankfurt. "Wir sehen in diesem Markt enormes Wachstumspotenzial. Viva wird uns in Deutschland und Europa voranbringen." Ziel sei es, dem deutschen Publikum künftig ein breiteres Programm anzubieten. Dazu gehöre ein Angebot aus Kabelfernsehen, Internet und anderen Media-Plattformen, die künftig miteinander kombiniert würden.

Angebot von 12,65 Euro pro Aktie

Viacom hat von Großaktionären, darunter Time Warner und Universal Music, bereits 75,8 Prozent der Anteile an der Viva Media AG gekauft, bestätigte Rhoedy. "Wir wollen 100 Prozent besitzen und haben deshalb ein Übernahmeangebot gemacht." Viacom bietet 12,65 Euro je Viva-Aktie. Bei dem Kauf handle es sich um die größte Akquisition, die Viacom jemals getätigt habe. In Medienberichten war ein Preis von knapp 310 Millionen Euro für das Paket genannt worden. Der Viva-Vorstand unterstützt vorbehaltlich einer Überprüfung der formalen Angebotsunterlage die Transaktion.

Die Viva Media AG betreibt den Musiksender Viva und erstellt und verkauft mit der Tochter Brainpool Fernsehproduktionen wie "TV Total" mit dem Entertainer Stefan Raab oder "Ladykracher". Zudem produziert das Unternehmen auch die neue Late-Night-Show auf Sat.1 mit Anke Engelke.

Vergangene Woche sickerten bereits erste Gerüchte von der geplanten Übernahme aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Vor kurzem hatte die Saban Capital Group von ProSiebenSat.1-Mehrheitseigner Haim Saban bereits Interesse am Kauf des Kölner Medienkonzerns gezeigt. Der Deal muss von den Kartellbehörden noch genehmigt werden. Die Übernahme von Viva durch Viacom gilt allerdings in der Branche als nicht unproblematisch. Da der US-Konzern auch MTV kontrolliert, würde er nach der Viva-Übernahme den deutschen Musikfernseh-Markt fast konkurrenzlos beherrschen.

Viva immer noch in den roten Zahlen

Viva war durch die Werbeflaute und die Strukturkrise der Musikindustrie zuletzt in die roten Zahlen gerutscht. Für 2003 wies das Unternehmen einen Verlust von 42 Millionen Euro aus. Auch im ersten Quartal 2004 schaffte der Konzern noch nicht den Sprung aus der Verlustzone. Der Sender war 1993 in Konkurrenz zu MTV an den Start gegangen und erreicht mittlerweile 32 Millionen Haushalte.

mit Agenturen / DPA