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YouTube: Fingerabdruck für Filmchen

Kommt das Aus für Musikvideos und Mitschnitte von Fußballspielen bei YouTube? Ab Herbst sollen copyrightgeschützte Inhalte mit einem elektronischen Fingerabdruck versehen werden, um Kläger zu besänftigen.

Der Suchmaschinenanbieter Google will bis Herbst seine Online-Videoplattform YouTube im mit einem Copyright-Filter ausstatten. Das sagte laut US-Medien Google-Anwalt Philip Beck vor dem New Yorker Bezirksgericht.

Bei Google hofft man, dass mit Hilfe des neuen Filters die laufenden Gerichtsverfahren schnell zu Ende beendet werden können. Das Medienunternehmen Viacom hatte Google zuvor wegen Copyright-Verstöße auf eine Summe von einer Milliarde Dollar verklagt. Google wehrt sich bislang gegen die Vorwürfe und verweist darauf, dass man bei Kenntnis illegaler Videos sofort handelt. Darüber hinaus streitet Google jegliches Fehlverhalten ab.

Der Streit dreht sich unter anderem um weit mehr als 100.000 Mitschnitte von MTV und ähnlichen Sendern, die laut Viacom-Anwälten bereits über eine Milliarde Mal via YouTube betrachtet wurden. Die Google-Tochter soll diese Clips entfernen und hat ähnliche Forderungen durch CBS und NBC in der Vergangenheit schon durch den Abschluss von Lizenzabkommen erfüllt.

Maßnahmen sind gut - aber kommen zu spät

Die Gegenseite in diesem Verfahren - neben Viacom der Musikproduzent Bourne und die britische Fußballliga Premier League - begrüßt die Einrichtung eines Copyright-Filters. "Möglicherweise wird der neue Mechanismus ja helfen. Falls dies der Fall ist, wären wir sehr dankbar dafür", so Viacom-Anwalt Donald B. Verrilli.

Allerdings komme sie in Bezug auf die Schäden, die bereits entstanden seien, zu spät. Verrilli vermutet, es werde noch dauern, bis das Ausmaß der Copyright-Verletzungen auf YouTube erfasst sei. Google hingegen argumentiert, es plane weiter gehende Maßnahmen, als sie vom Urheberrecht Digital Millennium Copyright Act (DMCA) gefordert würden.

Elektronischer Fingerabdruck soll Copyright schützen

Man arbeite hart an der Technologie, kooperiere dabei mit verschiedenen Anbietern und wolle das System voraussichtlich im September freischalten, sagte YouTube-Anwalt Philip S. Beck. Nach seinen Angaben arbeitet der neue Filter auf der Basis von elektronischen Fingerabdrücken. Dabei werden Wasserzeichen in audiovisuelle Inhalte eingearbeitet, die auch Kompressionen oder Skalierungen überstehen sollen. Rechteinhaber würde den digitalen Fingerabdruck ihrer Videos an Google übermitteln, so dass YouTube illegale Videos herausfiltern könne. Die YouTube-Software könne anschließend innerhalb von Minuten diese Videos erkennen und löschen.

Die Zahl der Videos, die gegen Copyright-Rechte verstoßen, sollen sich halbieren, so die Hoffnung bei Google. Problem dabei: Ältere Dateien, die noch keine Wasserzeichen enthalten, werden von der Technologie nicht erkannt.

Die Video-Plattform verzeichnet nach eigenen Angaben täglich mehr als 100 Millionen Abrufe von Videos. Darunter befinden sich zahlreiche geschützte Werke, unter anderem auch vollständige Spielfilme, die in mehreren Teilstücken abrufbar sind. Bislang entfernte YouTube von Internet-Nutzern eingestellte Videos nur dann, wenn die betroffenen Unternehmen eine Löschung einforderten.

pir