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Youtube-Ärger: Die Kläger sammeln sich vor Google

Der US-Konzern Google sieht sich mit einer wachsenden Zahl von Klägern wegen Urheberrechtsverletzungen beim Videoportal Youtube konfrontiert. Nun rotten sich einige für eine Sammelklage zusammen - was extrem teuer werden kann.

Von Thomas Soltau

Momentan läuft eine Sammelklage gegen das populäre Videoportal, das weitreichende Konsequenzen haben könnte - möglicherweise bis zur Einstellung von Yotube. Der Streit dreht sich unter anderem um weit mehr als 100.000 Mitschnitte von MTV und ähnlichen Sendern. Die Google-Tochter soll diese Clips entfernen und hat vergleichbare Forderungen durch CBS und NBC in der Vergangenheit schon durch den Abschluss von Lizenzabkommen erfüllt. Jetzt haben sich weitere acht Parteien der Sammelklage angeschlossen. Das teilte die englische Fußball-Premier-League und der Musikverlag Bourne & Co mit. Darunter seien unter anderem eine US-Musik-Händlervereinigung, die finnische Fußball-Liga und der US-Autor Daniel Quinn.

Youtube hatte bereits im Mai zugesichert, auf seinen Internetseiten nicht autorisierte Video-Clips zu löschen. Einfacher gesagt als getan: Ein zuvor versprochenes System zur automatischen Sperre solcher Inhalte konnte Youtube bislang nicht installieren. Darauf warf Viacom Youtube vor, zwar mit vielen Beteiligten in der Branche über das Problem der Urheberrechte zu verhandeln, aber seinerseits "keine proaktiven Schritte" zu unternehmen, um diese Schutzrechtsverletzungen auch einzudämmen. Besonders Viacom fühlt sich durch das Video-Portal massiv bedroht. Zum Medienkonzern gehören über 130 Fernsehgesellschaften, eigene Internet-Angebote und auch die weltweit erfolgreiche Filmproduktionsgesellschaft Dreamworks. Viacom hatte Google zuvor wegen Copyright-Verstößen auf eine Summe von einer Milliarde Dollar verklagt.

Beliebte Sammelklagen

In den USA sind Sammelklagen ein gängiges Verfahren - während sie in Deutschland nicht zulässig sind. Ein Vorteil der Sammelklage soll die Erleichterung der Beweislast sein, die nicht individuell zu tragen ist. Zudem erhoffen sich Kläger eine Verfahrensbeschleunigung durch den aufgebauten Mediendruck und eine größere Rechtssicherheit. Amerikanischen Anwälten bringen Sammelklagen vor allem eins: das große Geld. Denn die Gage des Rechtsanwalts bezieht sich auf die Höhe des Streitwerts. So bleiben bei einem gewonnenen Milliardenstreit immerhin ein paar Millionen für den Rechtsanwalt übrig.

YouTube will Filme ausfiltern

Nach den juristischen Attacken verspricht der Suchmaschinenanbieter Google bis Herbst seine Online-Videoplattform Youtube mit einem Copyright-Filter ausstatten. Bei Google hofft man, dass mit Hilfe des neuen Filters die laufenden Gerichtsverfahren schnell beendet werden können. Google wehrt sich bislang gegen die Vorwürfe und verweist darauf, dass man bei Kenntnis illegaler Videos sofort handelt. Darüber hinaus streitet Google jegliches Fehlverhalten ab. Schon Anfang des Jahres hatte Youtube um möglichen Verstößen gegen das Urheberrecht vorzubeugen, die maximale Länge von hoch geladenen Videos auf zehn Minuten beschränkt. Nach einer eigenen Untersuchung des Anbieters sollen Videos jenseits zehn Minuten Spieldauer in vielen Fällen urheberrechtlich geschützt sein.

Hoffnung für deutschen Ableger

Insider haben schon länger prophezeit, dass auf Youtube die gleichen juristischen Probleme zukommen könnten, mit denen schon der Filesharer Napster in den Neunzigerjahren zu kämpfen hatte. Eigentlich ist es ein Wunder, dass die geprellten Unternehmen erst jetzt mit geballter Kraft zurückschlagen. Wegen ungeklärter Urheberrechtsfragen musste Google den internationalen Auftritt seines Online-Videoportals Youtube ohne ein deutsches Angebot starten. Youtube-Mitbegründer Chad Hurley machte unlängst "begrenzte Ressourcen" dafür verantwortlich, dass noch kein deutschsprachiges Programm existiert. Die Verhandlungen mit Verwertungsgesellschaften wie der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) sind noch nicht abgeschlossen. Aber in wenigen Wochen soll auch dieser Stein aus dem Weg geräumt sein. Bis Ende 2008 werde Youtube noch eine Pauschale an die Verlage zahlen, dann werde genau abgerechnet, so Gema-Syndikus Alexander Wolf.

In Brasilien, Frankreich, Irland, Italien, Japan, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien sind die regionalen Youtube-Plattformen bereits gestartet. Im Zusammenhang mit der internationalen Markteinführung hatte Youtube Verträge mit TV-Sendern wie der BBC, France 24 oder Deutsche Welle TV abgeschlossen. Youtube war im Februar 2005 gegründet worden und hatte sich schnell zum weltweit größten Online-Videoportal entwickelt. Im Oktober 2006 übernahm Google das Start-up-Unternehmen für 1,65 Milliarden Dollar. Google versucht, das Angebot durch Werbeeinblendungen im Umfeld der Online-Videos zu finanzieren.