Millionenbetrug Waffen auf dem Biohof


Schöne, heile Biowelt? Nicht auf einem Allgäuer Bauernhof. Dort hat die Ravensburger Staatsanwaltschaft eine Großrazzia durchgeführt. Der Verdacht: Betrug, Untreue, Steuerhinterziehung und Drogendelikte. Der geschätzte Schaden beläuft sich auf mehr als sieben Millionen Euro. Und jetzt haben die Behörden dort auch noch Waffen gefunden.

In einer Großrazzia gegen einen Allgäuer Biohof hat die Staatsanwaltschaft Ravensburg 100 Büro- und Geschäftsräume an 35 Orten durchsucht - und dabei elf Jagdgewehre, zwei Pistolen und mehrere hundert Schuss Munition sichergestellt.

Es bestehe der Verdacht auf Betrug, Untreue und Steuerhinterziehung, teilte die Behörde mit. Die Ermittlungen seien durch eine Geldwäscheanzeige einer Bank ins Rollen gekommen. Der abgeschotteten Lebensgemeinschaft auf dem Bauernhof steht ein 54-jähriger Landwirt vor. Dieser habe ein verzweigtes Netz an Scheinfirmen aufgebaut. Der Gesamtschaden belaufe sich auf 7,2 Millionen Euro.

Der Schwerpunkt der Razzia habe auf dem Landgut im württembergischen Allgäu, einer Zweigstelle im Landkreis Biberach und auf Marktständen des Hofes im Raum München gelegen. Sechs Personen seien vorläufig festgenommen worden, gegen den Landwirt bestehe Haftbefehl.

"Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen besteht der dringende Verdacht, dass eine Personengruppe unter Führung eines 54-jährigen Betreibers eines landwirtschaftlichen Anwesens im württembergischen Allgäu mit Vermögensstraftaten mehrere Millionen Euro erbeutet hat", teilte die Behörde mit. Die Ermittlungen hätten den Verdacht gegen die Gruppe erhärtet. Allein in einem Produktionsbetrieb seien dem mutmaßlichen Drahtzieher durch Scheinarbeitsverhältnisse, fingierte Provisionszahlungen und überhöhte Rechnungsstellungen hohe Beträge zugeflossen. Die Mitgesellschafter seien um einen erheblichen Teil des Firmenkapitals betrogen worden.

Bestechungen und Scheinlohnzahlungen

Die Gruppe sei streng hierarchisch organisiert. Die überwiesenen Löhne seien von den Scheinarbeitern größtenteils an den Sektenführer zurückgegeben worden. Mehrere Millionen Euro seien zu Banken im Ausland geschafft worden. Es gebe auch Bestechungsvorwürfe. Die Behörden beschlagnahmten Vermögenswerte in Millionenhöhe.

Bei den Finanzinstituten der Nachbarländer sei das ergaunerte Geld zum Teil angelegt worden. Der St. Michaelshof befasst sich nach eigenen Angaben mit "kosmo-biodynamischem Anbau" und bietet seine Produkte unter anderem auf dem Münchner Viktualienmarkt an. Das Unternehmen war bereits 2004 ins Visier der Justiz geraten. Wegen Verstößen gegen das Arzneimittel- und Lebensmittelrecht hatte die Staatsanwaltschaft damals Anklage erhoben.

Auch Drogen gekauft und konsumiert

Daneben habe sich der Verdacht ergeben, dass innerhalb der "Lebensgemeinschaft" auf dem Hof Drogen angekauft und konsumiert worden seien, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bei der Razzia stellten die Beamten neben umfangreichen Geschäftsunterlagen 310.000 Euro Bargeld und ein Kilogramm Marihuana sicher.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, die Ermittlungen hätten aber nichts mit der jüngsten Steueraffäre zu tun, die durch Daten aus Liechtensteiner Banken ins Rollen gekommen war. Zu dem Biohof gehören auch Gewerbebetriebe, unter anderem ein Hersteller von Kunststofffolien für Verpackungen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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