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Ratgeber Soll ich jetzt Gold kaufen?


Konto räumen, Bargeld horten oder auf Edelmetalle setzen? Der stern gibt Antworten auf die 25 wichtigsten Fragen zur Finanzkrise.
Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

1.Wie sicher ist mein Geld bei einer deutschen Bank?

So sicher wie in kaum einem anderen Land der Welt. Die Guthaben sind in der Regel weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus geschützt. Zudem hat sich das deutsche Finanzsystem in den vergangenen Jahrzehnten als außergewöhnlich stabil erwiesen. Angeschlagene Banken wurden meist von anderen Instituten übernommen, wie zuletzt etwa die SachsenLB von der Landesbank Baden-Württemberg. Oder die Eigentümer haben Geld nachgeschossen, so wie vor wenigen Wochen die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die die IKB mit Milliarden stützte. Pleitegegangen sind nur kleinere Privatbanken wie BFI oder Reithinger, deren Anleger allerdings nur zum Teil entschädigt wurden.

2. Gibt es bei der Sicherheit der Anlagen Unterschiede zwischen privaten Banken, Volksbanken und Sparkassen?

Kaum. Seit 1998 sind alle Kreditinstitute in der EU Mitglied in der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung und müssen Beiträge in einen Topf einzahlen. Im Pleitefall erhalten die Kunden daraus 90 Prozent ihrer Einlagen zurück, maximal 20.000 Euro. Bei den deutschen Privatbanken gibt es zusätzlich den Einlagensicherungsfonds, der 1976 nach der Pleite der Herstatt-Bank gegründet wurde. Der Fonds sichert die Kundeneinlagen faktisch zu 100 Prozent ab. Achtung: Die Teilnahme ist freiwillig, rund 220 Institute machen mit. Einige wenige kleine Banken sind nicht Mitglied. Auskunft darüber gibt es am Bankschalter oder im Internet unter www.bankenverband.de/ einlagensicherung. Die Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken haben ihre eigenen Sicherungseinrichtungen und stehen zudem in Krisenfällen füreinander ein. Auch hier sind die Kundengelder zu 100 Prozent geschützt.

3. Bis zu welcher Höhe ist mein Guthaben in Deutschland gesichert?

Bei einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank ist die Absicherung praktisch unbegrenzt! Ähnlich sieht es bei privaten Banken aus, die dem Einlagensicherungsfonds angehören. Zwar ist der Schutz auf 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank beschränkt. Im Falle der Deutschen Bank liegt die Sicherungsgrenze aber immerhin bei 7,6 Milliarden Euro - je Kunde. Selbst bei einer kleinen Bank mit zehn Millionen Euro haftendem Eigenkapital sind je Kunde über drei Millionen Euro geschützt.

4. Ausländische Banken bieten häufig höhere Zinsen. Ist mein Geld dort genauso sicher?

Nein. Diese Institute gehören überwiegend nur der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung an. Hier sind die Kundengelder nur zu 90 Prozent und bis höchstens 20.000 Euro geschützt. Der Sparer bliebe also bei einer Pleite auf mindestens zehn Prozent Verlust sitzen.

5. Wie sicher sind Guthaben bei deutschen Töchtern ausländischer Banken?

Genauso sicher wie bei originär deutschen Banken: Knapp 60 Töchter ausländischer Institute, von der ABN Amro über die Citibank und die SEB bis hin zur Ziraat Bank International, sind Mitglied im deutschen Einlagensicherungsfonds.

6. Für welche Anlageformen genau steht die Einlagensicherung gerade?

Geschützt sind Gelder auf dem Girokonto, Termin- und Sparanlagen sowie Sparbriefe, die auf den Namen des Kunden laufen. Dieser Schutz gilt in der Regel nicht für Anleihen oder Zerti- fikate, die eine Bank herausgegeben hat (Inhaberschuldverschreibungen). Im Falle des Konkurses der Bank müsste der Kunde seine Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

7. Was genau dürfen die Banken eigentlich mit dem ihnen anvertrauten Geld machen - und was nicht?

Stark vereinfacht: Erlaubt ist alles, was die Verpflichtungen gegenüber den Kunden nicht gefährdet. Kernaufgabe von Banken ist es, Geld ihrer Anleger in Kredite für andere Kunden umzuwandeln. Typischerweise sind die Zinsen für Kredite höher als für Einlagen. Von dieser Zinsdifferenz lebt die Bank. Da die Laufzeitwünsche von Sparern und Kreditnehmern nicht exakt übereinstimmen und auch mal ein Schuldner ausfallen kann, braucht die Bank ein ausreichendes Eigenkapital als Risikopuffer. Wie hoch das Eigenkapital jeweils mindestens sein muss, ist staatlich vorgeschrieben. Mit einem Teil dieses Kapitals spekuliert die Bank auch auf eigene Rechnung, etwa mit Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffen. Ist dieser Eigenhandel erfolgreich, macht die Bank zusätzlichen Gewinn. Geht die Spekulation schief, lassen die Verluste das Eigenkapital schrumpfen und damit auch den Spielraum für die Kreditvergabe.

8. Wie sicher sind Guthaben bei Bausparkassen?

So sicher wie bei anderen Banken und Sparkassen - siehe Antwort zu Frage 1.

9. Wie sicher sind Geldmarktfonds?

Klassische Geldmarktfonds sind von der Finanzkrise nicht betroffen. Probleme haben jedoch diejenigen Fonds, die neben den normalen Zinspapieren auch sogenannte forderungsbesicherte Wertpapiere, im Fachjargon ABS (Asset Backed Securities), gekauft haben, um die Rendite aufzubessern. Da in diesen ABS-Papieren auch weiterverkaufte Hypothekenkredite von unsicheren Schuldnern stecken können, sind sie im Wert stark gefallen. Die Folge: Fonds mit ABS-Anteil bescheren den Fondssparern seit der US-Immobilienkrise Verluste.

10. Wie sicher sind Rentenfonds?

In der Regel investieren Rentenfonds in Pfandbriefe, Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Diese Anlagen sind von der Finanzmarktkrise kaum betroffen. Allerdings hat sich die Einstufung („Rating“) einiger Anleihegläubiger als zu optimistisch erwiesen. Es gibt auch Rentenfonds, die ABS-Papiere gekauft haben. Weil diese derzeit nur zu Ramschpreisen oder gar nicht verkauft werden können, haben einige Fondsgesellschaften die Rückgabe der Anteile eingestellt. Anleger solcher Fonds kommen also zurzeit nicht an ihr Geld. Wenn sich der Markt beruhigt, wird der Handel wieder aufgenommen, womöglich aber zu niedrigeren Werten.

11. Sind auch Immobilienfonds von der Krise betroffen?

Bisher haben fast ausschließlich Eigenheime in den USA an Wert verloren. Korrekturen sind auch in anderen überhitzten Märkten wie Großbritannien oder Spanien möglich. Immobilienfonds investieren allerdings in der Regel in Bürohäuser und Gewerbeobjekte. Mieten und Bewertungen würden dann unter Druck geraten, wenn der Preisverfall am Wohnungsmarkt zu einer deutlichen Konjunkturabschwächung in Amerika führen sollte.

12. Was passiert mit den Wertpapieren in meinem Depot, falls meine Bank pleitegeht?

Sämtliche Aktien sowie Anleihen, die nicht von der Pleite-Bank selbst stammen, wären nicht betroffen. Wertpapiere werden von der Bank nur treuhänderisch verwaltet und verwahrt, zählen also nicht zur Konkursmasse. Sollte die Aufsichtsbehörde ein Finanzinstitut schließen, kann ein Kunde sein Depot auf ein anderes übertragen. Das gilt auch für sämtliche Investmentfonds-Anteile. Sie bilden Sondervermögen, die von der Depotbank nur verwahrt werden. Auch wenn Fondsgesellschaften und/oder ihre Mutterkonzerne pleitegingen, bleiben die Fonds-Anteile Eigentum der Kunden, also vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters vollständig geschützt.

13. Ist es jetzt ratsam, größere Summen Bargeld zu Hause zu horten?

Nein. Hohe Geldbeträge sind zu Hause weit unsicherer aufgehoben als auf dem Sparkonto: Der Kriminalstatistik zufolge gab es im vergangenen Jahr rund 310.000 Einbrüche, davon mehr als 100.000 in Wohnungen. Und: Bargeld verliert durch die Preissteigerung ständig an Wert - zuletzt um rund zwei Prozent pro Jahr.

14. Welche Folgen hat die Finanzkrise für Aktienbesitzer?

Inhaber von Bankaktien müssen mit weiteren Kursabschlägen und sinkenden Dividenden rechnen. Denn selbst wenn eine Bank keine Verluste im US-Immobilienkreditmarkt gemacht hat, dürfte das zuletzt einträgliche Geschäft mit Großkrediten zurückgehen. Weniger Sorgen müssen sich Aktionäre in anderen Branchen machen. Die Weltkonjunktur ist nach wie vor intakt. Die Gewinnerwartungen der Unternehmen sind – anders als etwa im Jahr 2000 - nicht vollkommen überzogen. Selbst eine Abschwächung der Konjunktur, etwa wegen höherer Kreditzinsen für Firmen, rechtfertigt keinen Totalausverkauf bei Aktien. Gänzlich ausgeschlossen ist der freilich nie. Gewinnt die Psychologie in Form von Panik die Oberhand, kommt es zum Crash. Ein Trost: Aktienkurse haben sich nach jedem Kurssturz in den vergangenen 150 Jahren wieder erholt. Meistens in weniger als zehn Jahren.

15. Welche Aktienmärkte sind besonders gefährdet?

Jene, die schon vor Bekanntwerden der US-Kreditkrise vergleichsweise überteuert waren - und es bis heute sind. Dazu zählen vor allem die chinesische, japanische und teilweise auch die indische Börse. Nicht gerade günstig sind zudem amerikanische Aktien, vor allem Technologie-Werte.

16. Sind Staatspapiere sicherer als Sparguthaben?

Das hängt von den Staaten ab, die Anleihen anbieten. Argentinische Staatsanleihen beispielsweise, die auch von deutschen Banken verkauft wurden, haben drei Viertel ihres Wertes verloren. Deutsche Bundeswertpapiere hingegen, also etwa Bundesanleihen oder Bundesschatzbriefe, sind der Inbegriff von Sicherheit. Für Zins und Rückzahlung steht die Bundesrepublik gerade. Bevor der deutsche Staat zahlungsunfähig werden würde, dürften bereits die allermeisten anderen Länder bankrott sein, Banken ohnehin. Insofern kann man sagen, dass Bundespapiere sicherer sind als Sparguthaben.

17. Trifft die Finanzkrise auch die verbreitetste Altersvorsorge der Deutschen - die Lebensversicherung?

So gut wie gar nicht. Lebensversicherungen legen Kundengelder extrem langfristig, gesetzlich vorgeschrieben und staatlich überwacht, überwiegend in europäische Anleihen an. Ein kleiner Anteil wird in Aktien, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien investiert. Sollte es hier tatsächlich zu dauerhaften Wertverlusten kommen, wird das die Überschussbeteiligungen nur wenig verringern.

18. Wie sicher ist die staatlich geförderte Riester-Rente?

Sehr sicher. Theoretisch am sichersten ist Riester-Fondssparen - siehe Frage 12. Im Pleitefall der Fondsgesellschaft gehört jeder investierte Cent dem Kunden. Die Garantie, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge noch vorhanden sind, könnte nur dann nicht eingelöst werden, wenn zeitgleich alle anderen Riester-Anbieter auch pleite wären. Riester-Renten-Versicherungen sind genauso stabil wie Lebensversicherungen - siehe Frage 17. Bleiben noch Riester-Banksparverträge: Sie werden nur von Sparkassen und Volksbanken angeboten, sind also genauso geschützt wie Spareinlagen - siehe Frage 1.

19. Führt die Krise dazu, dass die Zinsen sinken oder steigen?

Schwer zu sagen. Die US-Notenbank hat vergangene Woche wegen der Krise ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gesenkt. Die Europäische Zentralbank hatte Tage zuvor eine angekündigte Erhöhung nicht vollzogen und ihren Satz bei vier Prozent belassen. Die Zinsen für Häuslebauer in Deutschland sind seit Juli etwas gesunken. Unternehmen dagegen müssen nun mehr zahlen, wenn sie sich Geld borgen wollen.

20. Sinken auch in Deutschland die Immobilienpreise?

Nein, Deutschland ist einer der wenigen Immobilienmärkte, auf dem es keine Überhitzung gegeben hat. Seit Jahren sind die Preise hierzulande stabil, allerdings bei regionalen Abweichungen. In den USA, Großbritannien oder Spanien dagegen entweicht jetzt die Luft aus der Blase.

21. Wird es jetzt schwieriger, eine Baufinanzierung zu bekommen?

In Deutschland nicht, denn Haus- und Wohnungskäufer haben ihre Immobilien meist nicht zu Spekulationszwecken erworben. Banken müssen nicht um ihre Kredite bangen und bei der Vergabe neuer Darlehen auf die Bremse treten. Der aus dem Ausland kommende Trend zu 100-Prozent-Finanzierungen für Käufer ohne Eigenkapital dürfte aber gestoppt sein.

22. Müssen die Steuerzahler für das Missmanagement bei öffentlichen Banken aufkommen?

Nicht mehr zwangsweise, denn die sogenannte Gewährträgerhaftung wurde von der EU gekippt. Für Sachsen, Rheinländer und Westfalen zu spät: Ende 2005 pumpte das Land Nordrhein- Westfalen knapp eine Milliarde Euro in die schon damals schlingernde WestLB. Umgelegt kostete das jeden der rund acht Millionen steuerzahlenden Arbeitnehmer in NRW etwa 125 Euro. Gut 230 Euro musste Ende 2005 jeder der 1,3 Millionen erwerbstätigen Sachsen für seine Landesbank berappen, insgesamt 300 Millionen Euro. Bei neuen Verlusten würden nun die Sparkassen und Sicherungseinrichtungen der öffentlichen Banken einspringen. Die Folgen für die Bürger sind in Euro und Cent schwer zu beziffern. Um die Verluste auszugleichen, müssten die Sparkassen entweder die Konditionen für ihre Kunden verschlechtern oder beim Sponsoring von Kultur, Vereinen und Kommunen kürzen.

23. Wird die Finanzkrise den Aufschwung in Deutschland abwürgen?

Nein, aber wahrscheinlich abschwächen. Wenn die USA infolge der Finanzkrise als Motor der Weltkonjunktur ausfallen, dann bekommen das in Deutschland über kurz oder lang auch die Exporteure von Autos oder Maschinen zu spüren. Zudem könnte ihnen auch der schwache Dollar zu schaffen machen.

24. Ist es ratsam, alle Sparguthaben aufzulösen und davon Gold zu kaufen?

Nur wer einen Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems befürchtet, sollte dies tun. Einige Banken und Vermögensverwalter empfehlen, bis zu zehn Prozent des Depots in Gold zu investieren, um für Krisenzeiten gewappnet zu sein. Motto: Wenn alles fällt, steigt der Goldpreis. In den vergangenen fünf Jahren hat er sich mehr als verdoppelt. Fans des Edelmetalls sollten aber bedenken: Gold wirft keine Zinsen ab, und die sichere Verwahrung in einem Schließfach kostet Geld. Aus Gründen der Handelbarkeit sollten Anleger gängige Münzen wie Krügerrand (Südafrika), Maple Leaf (Kanada) oder American Eagle (USA) wählen.

25. Was bedeutet die Finanzkrise für Menschen, die keine Sparguthaben, sondern nur Schulden haben?

Nicht zu früh freuen. Geht die Bank pleite, ist der Kunde damit nicht seine Schulden los. Dann stehen die Gläubiger bei der Bank Schlange und melden ihre Forderungen an. Der Insolvenzverwalter wird das ausstehende Geld bei den Schuldnern der Bank eintreiben.

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