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Reichtum: Zwischen Jahresgehalt und Spitzensteuersatz: Ab wann bin ich reich?

Wenn wir an Reichtum denken, sind wir schnell bei der teuren Jacht, der schicke Eigentumswohnung oder Millionen Euros auf dem Konto. Dabei ist man in Deutschland schon viel früher offiziell wohlhabend - und das hat steuerlich unangenehme Folgen.

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Reichtum ist so eine Sache: Wer eine Immobilie besitzt, könnte sich reich fühlen - doch macht ein Mittelreihenhaus, das noch lange nicht abbezahlt ist, den Besitzer gleich zu einem "reichen" Menschen? Auch das monatliche Gehalt hilft wenig, um Reichtum zu beziffern. Denn wenn vom Einkommen erstmal die exorbitante Miete, die in vielen deutschen Städten fällig wird, abgezogen ist, bleibt gar nicht so viel übrig. Gilt man trotzdem als reich?

Beim Gehalt gibt es da klare Grenzen: Zur Mittelschicht gehört, wer ein mittleres Einkommen erzielt. Bei Vollzeitstellen liegt dies bei 3771 Euro brutto im Monat. Zählt man auch Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung hinzu, sinkt das Durchschnittseinkommen auf 2860 Euro brutto pro Monat. Das Durchschnittsnettoeinkommen liegt bei 1890 Euro pro Monat. Ein Blick auf die Verteilung der Einkommen zeigt: Nimmt man alle Haushalte Deutschlands und teilt sie in zwei Hälften, dann liegt das mittlere Einkommen dazwischen bei 23.900 Euro netto pro Jahr, schreibt die "Zeit". Verdient ein Haushalt 39.600 Euro jährlich nach Abzügen von Steuern und Sozialversicherungen, dann haben nur noch 20 Prozent aller Haushalte mehr Geld in der Tasche - 80 Prozent verfügen über weniger Einkommen.

Reichtum: Ab wann gilt man als reich?

Reichtum: Ab wann gilt man als reich?

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Spitzensteuersatz - auch für Grundschullehrer

Reichtum ist aber so eine Sache, spätestens wenn es um die Steuer geht. Grundschullehrer, die den Spitzensteuersatz zahlen, sind die Realität. Ein Vorstoß von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will diese Einkommen nun noch stärker zur Kasse bitten. Er spricht sich dafür aus, den Spitzensteuersatz (also für alle, die ein zu versteuerndes Einkommen ab 56.000 Euro zur Verfügung haben) nicht mehr mit 42 Prozent, sondern mit 45 Prozent ("Reichensteuer") zu versteuern. Scholz spricht von einem moderaten Anstieg für "sehr hohe" Einkommen. Rund drei Millionen Menschen zahlen den Spitzensteuersatz, Schätzungen zufolge werden bis 2021 bis zu 800.000 Menschen dazukommen.

 

Ab wann ist man reich - für den Staat?

Um zu wissen, wer wirklich reich ist, muss man die Abstufungen kennen. Und da zeigt sich: Die Mittelschicht wird groß gerechnet. Wenn man zwischen 60 und 200 Prozent des Medianeinkommens verdient, zählt man zur mittleren Einkommensschicht. Konkret bedeutet das, dass ein Single, der zwischen 985 Euro und 4095 Euro zur Verfügung hat, in diese Gruppe gehört, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Bei einer Familie mit einem Kind verfügt die Mittelschicht über eine Einkommen zwischen 1770 Euro und 7370 Euro im Monat.

Laut dem Statistischen Bundesamt gilt man als "relativ reich", wenn man 250 Prozent des Median-Einkommens verdient. Doch der Euro-Betrag ist nicht festgelegt, es gibt große regionale Unterschiede. So gilt man in Sachsen-Anhalt bereits als reich, wenn man 3500 Euro netto pro Monat (rund 6400 brutto/Monat) verdient. In Bayern muss ein Single schon 4329 Euro netto monatlich verdienen, um als reich zu gelten. In Baden-Württemberg sind es knapp 4400 Euro netto - das ist Deutschlands Spitzenwert. 

Die Bundesregierung unterscheidet in den Kategorien "arm" und "wohlhabend". Als arm gilt man, wenn man 60 Prozent oder weniger des Median-Einkommens erzielt. Ein Single müsste dann mit 1000 Euro (netto) oder weniger monatlich auskommen. Wohlhabend ist man beim doppelten Medianwert, das wären dann 3500 Euro pro Monat.

Höherer Spitzensteuersatz?

Das Problem: Der Steuersatz bildet das nicht ab. Zwar gilt die "Reichensteuer", also der höchste Steuersatz auf zu versteuerndes Einkommen (= alle Einnahmen, abzüglich Härtefälle, Freibeträge, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, etc.), erst ab einem Single-Einkommen von rund 265.000 Euro oder mehr pro Jahr. Dann liegt der Steuersatz bei 45 Prozent . Doch der Spitzensteuersatz, also die Stufe direkt darunter, wird schon ab einem Einkommen von knapp 56.000 Euro jährlich fällig. Und zwar 42 Prozent vom zu versteuernden Einkommen. Im vergangenen Jahr zahlten rund drei Millionen Menschen den Spitzensteuersatz, Schätzungen zufolge könnten bis 2021 bis zu 800.000 Menschen dazukommen.

Bis zu dem Gehalt von rund 56.000 Euro jährlich sind die Steuersätze gestaffelt: Wer zwischen 9000 und rund 14.000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr erzielt, zahlt einen Steuersatz zwischen 14 und 24 Prozent. Bis zu der Grenze von rund 56.000 jährlich klettert die Steuerlast in Etappen - dann kommt eine Art Hochplateau. Und erst mit vielen Euros Abstand dann die "Reichensteuer". Aber ist man mit 56.000 Euro pro Jahr reich? Lehrer und Sachbearbeiter verdienen nach einigen Berufsjahren so viel, auch Ingenieure, Ärzte sogar deutlich mehr - aber wirklich reich sind diese Menschen auch nicht.


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