HOME

REISERÜCKTRITT: Angst vor Milzbrand rechtfertigt kein Reisestorno

Auch Stornopolice greift bei Rücktritt aus Vorsicht nicht. Eine Gratis-Absage ist nur bei einer offiziellen Warnung möglich. Je früher man abspringt, desto billiger ist es.

Die »Weltmeister« im Reisen sind momentan lieber Daheimbleiber. Aus Furcht vor Milzbrand, Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen blasen immer mehr Bundesbürger ihre fest geplanten Urlaubsreisen ab. Touren durch die USA, zum Weihnachts-Shopping nach New York, zum Skifahren in die Rocky Mountains wie auch Fernreisen in islamische Länder sind den meisten zu »heiß« geworden. Wer schon gebucht hatte, dem kommt eine Absage aber oft teuer zu stehen. Je dichter die Reise bevorsteht, desto höher sind die Stornogebühren.

Angst ist kein Rücktrittsgrund

Angst, und sei sie noch so berechtigt, ist im Reiserecht kein Grund für einen kostenlosen Rückzug vom Vertrag, wie Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, klipp und klar erläutert. Bei der Münchner Fachfrau für Reiserecht häufen sich derzeit die Anrufe verunsicherter Bürger, die mit dem mulmigen Gefühl im Magen nicht mehr in die Ferien fliegen wollen. Doch ein Gratis-Storno ist nur bei »höherer Gewalt« möglich. Dazu zählen wetterbedingte Schäden infolge von Sturm, Hagel oder einem schlimmen Taifun, aber auch die konkreten Auswirkungen innerer Unruhen in einem Land.

Offizielle Warnung des Auswärtigen Amtes nötig

Terrordrohungen oder auch schon erfolgte Anschläge rechtfertigen alleine noch keine Kündigung. Maßgeblich für Touristen wie Veranstalter sind in solchen Zeiten die offiziellen Warnungen des Auswärtigen Amtes vor den Sicherheitsrisiken in bestimmten Zielgebieten. Erst wenn die Berliner Behörde beispielsweise vor Reisen nach Amerika dringend abrät, stehen die Chancen für einen kostenlosen Rücktritt gut. Das ist zurzeit aber nicht der Fall. Aktuelle Einschätzungen des Auswärtigen Amtes gibt es im Internet (siehe Weblink) oder telefonisch unter 01888-17 44 444.

Stornogebühren sind unterschiedlich hoch

Ist die Absage beschlossene Sache, können sich Kunden bei ihrem Reiseveranstalter nach der Höhe der Stornogebühren erkundigen. Sie sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich gestaffelt. Bis einen Monat vor Urlaubsantritt werden etwa 15 Prozent des Reisepreises verlangt. Ab dann wird es von Woche zu Woche teurer. Wer kurz vor der Abreise von der Buchung abspringt, büßt nahezu alles ein. Daher gilt: Je früher man eine Reise kündigt, desto billiger kommt der Rückzug. Eine Kündigung sollte per Einschrieben mit Rückschein erfolgen.

Versicherung greift nicht bei Rücktritt aus Vorsicht

Auf den Stornokosten bleibt ein Kunde auch mit einer abgeschlossenen Reiserücktrittskostenversicherung sitzen. Diese Police nützt gar nichts, wenn jemand aus reiner Vorsicht seine Urlaubspläne kippt, wie Petra von Rhein betont. Sie springt nur dann ein, wenn der Versicherte wegen Krankheit an der Reise gehindert wird oder wenn ein naher Verwandter erkrankt oder stirbt. Sonst nicht.

Kostengünstige Alternative: Umbuchen

Wer kein gültiges Attest vorlegen, sich eine kostspielige Absage aber auch nicht leisten kann, dem bleibt nur die Möglichkeit der Umbuchung. »Es gibt derzeit viele Veranstalter, vor allem die großen Unternehmen, die von sich aus ein alternatives Reiseziel anbieten und stornierungswilligen Kunden damit sehr entgegenkommen«, so die Erfahrungen der Münchner Verbraucherschützerin. Die Gebühren für diesen Service sind unterschiedlich, aber mit etwa 50 Mark pro Person deutlich billiger als ein Storno.

Andere Möglichkeit: Ersatz finden

Kunden kleiner, spezialisierter Anbieter haben dagegen meist keine Ausweichmöglichkeiten. Ihnen bleibt nur folgender Weg: Jemanden finden, wenn nötig auch per Zeitungsannonce, der keine Angst hat, die Buchung zum eigenhändig »reduzierten« Super-Sonder-Schnäppchen-Preis zu übernehmen.

Berrit Gräber