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Durch Hautkontakt übertragbar: Milzbrand tötet unerwartet viele Schimpansen - auch für Menschen Gefahr?

Eine spezielle Art eines Milzbrand-Erregers ließ in den vergangenen Jahren etliche Schimpansen verenden und überraschte Forscher weltweit. Jetzt könnte die Krankheit auch für den Menschen zur Gefahr werden. 

Milzbrand tötet unerwartet viele Schimpansen: Zwei Schimpansen sitzen in einem Baum in Tansania

Eine Milzbrand-Infektion bei Schimpansen gilt als sehr ungewöhnlich. Jetzt befürchten Forscher auch ein Risiko für den Menschen

Angetrieben von Wilderei und dem Wunsch nach wertvollen Tropenholz dringt der Mensch immer weiter in neue Gebiete vor. Damit wird auch der Kontakt mit neuen Krankheitserregern wahrscheinlicher. Für die Wildtiere, und insbesondere für die Schimpansen, wurde eine spezielle Art des Milzbrand-Erregers nun zu einer größeren Gefahr als bisher angenommen.  

Anders als beim klassischen Milzbrand-Erreger versterben an dieser Variante nicht nur vorrangig Huftiere wie Antilopen. Langfristig könnten die Infektionen zum Rückgang und gar zum Aussterben der Schimpansen-Population im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste beitragen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature". Hintergrund der Studie sind auch als möglich erachtete, bislang aber nicht beobachtete Infektionen beim Menschen.

Normalerweise nur Huftiere betroffen

Milzbrand (Anthrax) wird üblicherweise vom Erreger Bacillus anthracis verursacht. Im Tierreich werden Ausbrüche immer wieder in trockenen Regionen wie afrikanischen Savannen beobachtet, es trifft fast ausschließlich Huftiere. Todesfälle auch bei Schimpansen durch eine in genetischer Hinsicht atypische Variante - Bacillus cereus biovar anthracis, kurz BCBVA - wurden erstmals Anfang der 2000er Jahre beobachtet. Inzwischen ist der Erreger in mehreren afrikanischen Ländern nachgewiesen. Die Infektionsquelle ist unklar.

Für die Studie zur Frage der BCBVA-Verbreitung analysierte ein internationales Team Knochen- und Gewebeproben von Tieren, die seit Mitte der 90er Jahre im Taï-Park verendet und tiefgefroren aufbewahrt worden waren. Beteiligt waren Experten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie.

Vom Schimpansen zum Menschen?

Fast 40 Prozent der Tiere seien BCBVA zum Opfer gefallen, so das Fazit der Autoren. Darunter waren verschiedene Affenarten, Waldantilopen und ein Stachelschwein. "Normalerweise ist der Einfluss eines einzelnen Erregers selten so hoch", erklärte Studienleiter Fabian Leendertz vom RKI.

Noch höher lag die Quote bei Schimpansen: 31 von 55 untersuchten Tieren starben an dem Erreger. Infektionen bei Menschenaffen seien Indikatoren für Krankheiten, die auch dem Menschen gefährlich werden könnten, so Leendertz. Er hält den Kontakt von Menschen mit BCBVA im Umfeld des Nationalparks für "sehr wahrscheinlich", da sie Wildtiere jagten und auch Fleisch von frisch tot aufgefundenen Tieren verzehrten. Krankheiten und Todesfälle würden dort nicht untersucht.

Milzbrand wird durch Hautkontakt übertragen

Warum der Erreger in dem Park an der Elfenbeinküste so aktiv ist, wie sich die Tiere infizieren und welchen Einfluss BCBVA auf die Menschen hat, wollen die Forscher nun weiter untersuchen.

Bei Menschen in Industrienationen werden Fälle von Milzbrand - hervorgerufen vom klassischen Erreger - nach RKI-Angaben sehr selten beobachtet. Der Erreger kann durch Hautkontakt zu erkrankten oder verendeten Tieren übertragen werden, aber auch beim Kontakt mit Tierfellen, an denen Sporen des Erregers haften. Die Infektion kann tödlich verlaufen - frühzeitig erkannt, können Antibiotika helfen.
 

sve / DPA

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