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Studie: Scheidung über 50 – so stark stürzen Frauen finanziell ab

Scheidungen über 50 nehmen zu – vor allem Frauen wünschen sich in diesem Lebensabschnitt wieder ihre Freiheit. Eine US-Studie enthüllt nun den hohen Preis, den sie dafür zahlen. Ihre Armutsquote im Alter ist erschreckend.

Der Ausbruch aus der Ehe in älteren Jahren führt bei vielen Frauen geradewegs in die Altersarmut.

Der Ausbruch aus der Ehe in älteren Jahren führt bei vielen Frauen geradewegs in die Altersarmut.

Getty Images

Eine Scheidung ist die größte finanzielle Katastrophe, die einem Paar zustoßen kann. Wenn man von Schicksalsschlägen wie Invalidität einmal absieht. Sie beeinflusst Wohlbefinden und Gesundheit. In Deutschland hat eine Studie im vergangenen Jahr etwa nachgewiesen, wie sich der Body-Mass-Index nach der Trennung verändert. Vor allem Männer legen deutlich Frustspeck zu.

In den USA hat das National Center for Family & Marriage Research nun herausgefunden, dass insbesondere die "Gray Divorce" – die Scheidung der Grauhaarigen über 50 Jahren ein finanzielles Desaster für die Beteiligten ist. Beunruhigend auch, weil gerade die Scheidungen im fortgeschrittenen Alter zunehmen. Hier sind es besonders die Frauen, die aus einer ungeliebten Partnerschaft ausbrechen.

Eine Scheidung ist auch ein finanzielles Erdbeben

Doch das Leben in Freiheit ist nicht umsonst. "Es ist ein düsteres Bild", so Susan Brown, Co-Direktorin des National Center for Family & Marriage Research, zu "Bloomberg". "Eine Gray Divorce zu erleben, ist ein großer finanzieller Schock", so Brown. Ihre Untersuchung stützt sich auf den Datenkorpus der amerikanischen Finanzverwaltung, mit ihm ist es Forschern möglich, die Einkommensverhältnisse von Personen und Familien über lange Zeiträume zu untersuchen, und dies anhand exakter und verlässlicher Daten, ohne dass man auf die Selbstauskünfte der Personen angewiesen ist.

Die Forscher untersuchten die Daten von 20.000 US-Bürgern, die vor 1960 geboren wurde. Susan Brown konnte die Finanzen bis zu einem Jahrzehnt nach der Scheidung verfolgen. Dass eine Scheidung wegen der Aufteilung des Besitzstandes, das Vermögen der Haushalte halbiert, ist keine Überraschung. Dazu entwickelten sie und ihre Kollegen Kriterien, die den "Lebensstandard" der Personen jenseits des reinen Geldes abbilden sollen. Das Ergebnis: Bei einer Scheidung über 50 sinkt der Lebensstandard der Frauen um 45 Prozent und der der Männer um 21 Prozent. Bei den Frauen sinkt der Standard umso mehr, je älter sie bei der Scheidung sein. Bei jüngeren geschiedenen Frauen sinkt der Wert nur um die Hälfte. Dieser Effekt ist allerdings teilweise auch damit zu erklären, dass eheliche Lebensstandard bei den Älteren höher ist. Zu beachten ist allerdings auch, dass in dieser Altersgruppe Armutsrisiko "alleinerziehende Mutter" gering ist.

Keine Besserung der Finanzen

Wirklich beunruhigt die Langzeitperspektive. "Es gibt später keine spürbare Erholung an der Vermögensfront", so Brown. "Es gibt keine nennenswerte Erholung des Lebensstandards." In dem Alter wird es schwer, die finanzielle Delle durch einen beruflichen Aufstieg oder durch einen wohlhabenden Partner wieder auszugleichen. Wissenschaftlich gesehen, ist eine Wieder-Verpartnerung der beste Ausweg aus der Misere. Brown hat aber herausgefunden, dass nur 22 Prozent der Frauen gegenüber 37 Prozent der Männer im Jahrzehnt nach der Scheidung wieder einen Partner finden. Hauptgrund für das Ungleichgewicht dürfte die längere Lebenserwartung von Frauen sein, die bei höheren Jahrgängen zu einem deutlichen Frauenüberschuss führt. Dieses statistische Phänomen wird die durch die Neigung der Männer, sich jüngere Partnerinnen zu suchen, weiter verstärkt.

Die Studie bezieht sich auf US-Daten doch in Deutschland dürften die Verhältnisse ähnlich sein, wenn nicht gar noch schlimmer. Frauen mit einem eigenen hohen Einkommen müssen eine Scheidung auch ab 50 kaum fürchten. Anders sieht es bei Frauen mit einem geringen Einkommen aus. Das deutsche Unterhaltsrecht hat sich geändert. Galt früher "einmal Chefarzt-Gattin immer Chefarzt-Gattin" müssen Geschiedene, die keine Kinder betreuen, heute schnell auf eigenen Beinen stehen. Sprich: Die Frau muss nach einer kurzen Übergangszeit mit ihrem eigenen Einkommen auskommen. Da in Deutschland zudem die Teilzeitquote bei Frauen im internationalen Vergleich extrem hoch ist, sind finanzielle Engpässe vorprogrammiert.

In den USA sieht es laut der Studie düster für die spät Geschiedenen im Alter aus. 27 Prozent der Frauen mit einer "Gray Divorce" leben ab 63 Jahren in Armut – bei Männern sind es nur 11,4 Prozent. Die Quote der Frauen ist neun Mal höher als die der Paare, die zusammengeblieben sind, hier beträgt sie drei Prozent. Der Wunsch nach Freiheit hat also einen hohen Preis.

Quellen:

KPCC BizWomenWorthy

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