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Serie: Geldanlage für alle

Vermögensaufbau: Zu pleite zum Sparen? Mit diesen Tipps kann man trotzdem Geld zurücklegen

Das Gehalt ist mickrig, die Miete hoch: Wer in der Ausbildung oder im Studium steckt oder in einem schlecht bezahlten Job arbeitet, hat nur wenig Geld zur Verfügung. Aber mit staatlicher Unterstützung und überschaubaren Beiträgen kann man trotzdem sparen.

Pleite?

So kann man Geld zurücklegen - auch wenn man eigentlich pleite ist

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Der durchschnittliche Azubi bekommt in Deutschland 854 Euro im Monat - brutto wohlgemerkt. Studenten haben im Durchschnitt rund 920 Euro monatlich zur Verfügung. Auch Geringverdiener oder Menschen in mies bezahlten Jobs müssen meist mit weniger als 1000 Euro brutto im Monat zurecht kommen. Zieht man von diesen Beträgen die Miete ab, bleibt kaum noch etwas übrig. Wie soll man da noch sparen?

Wer schon arbeitet, kann mit Extra-Geld vom Chef sparen. Die Vermögenswirksamen Leistungen, kurz VL, sind eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, teilweise werden sie durch den Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen vorgeschrieben. Die VL soll Arbeitnehmern ermöglichen, ein kleines Vermögen über mehrere Jahren zu ersparen. Pro Monat zahlt der Chef zwischen 6,95 Euro und 40 Euro. Wie viel genau das Unternehmen spendiert, ist abhängig von Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen. Jährlich sind bis zu 480 Euro Zuschuss vom Chef möglich. Zahlt das Unternehmen nicht den Höchstbetrag, dann ist es ratsam den Betrag aus eigenen Mitteln aufzustocken. Aber: Eine Verpflichtung, selbst noch Geld draufzulegen, gibt es nicht. Das kann sich aber lohnen, beispielsweise wenn man so noch eine staatliche Förderung bekommt. Und einige VL-Produkte haben Mindestsparbeträge. Eingezahlt wird über sechs Jahre, danach ruht die Geldanlage zwölf Monate. Also beträgt die Laufzeit von VL sieben Jahre. 

Vermögenswirksame Leistungen: Aktien mit Rendite - und Risiko

Wie man sparen möchte, kann man sich aussuchen. Einige schwören auf einen Bausparvertrag, andere nutzen Sparpläne mit Aktien. Die Auswahl ist groß, die Risiken variieren. So ist ein Bausparvertrag zwar super-sicher, allerdings liegen die jährlichen Zinsen wenn es gut läuft bei rund einem Prozent. Ein Aktiensparplan kann zwar deutlich mehr bringen - doch ist er eben auch riskant. So verlor der weltgrößte Aktienindex MSCI World im Jahr 2018 6,5 Prozent. Der DAX lag sogar rund 15 Prozent im Minus. Im Jahr zuvor machte der DAX ein Plus von mehr als 12 Prozent.

Geringverdiener, die als Single höchstens ein zu versteuerndes Einkommen von 17.900 Euro im Jahr verdienen (bei Paaren sind es 35.800 Euro), bekommen staatliche Zuschüsse zu den VL dazu. Die Arbeitnehmersparzulage beträgt 20 Prozent (auf maximal 400 Euro Einzahlungen pro Jahr) bei Sparverträgen und auch Aktienfonds - über die gesamte Laufzeit sind das bis zu 480 Euro. Wer einen Baukredit abbezahlen möchte oder über einen Bausparvertrag Geld anhäufen will, bekommt neun Prozent von maximal 470 Euro im Jahr dazu. Eine Förderung kann für Banksparpläne, Fondssparpläne, Beiträge in eine Lebensversicherung, die Darlehenstilgung einer selbst genutzten Immobilie oder einen Bausparvertrag erfolgen.

Lesen Sie hier: +++ So funktionieren Vermögenswirksame Leistungen - und das bringen sie wirklich +++

Doch was bringen VL? Wer jeden Monat 40 Euro spart, hat allein als Sparsumme nach sechs Einzahljahren 2880 Euro zusammen. Nun sorgen die unterschiedlichen Anlageprodukte für Erträge:

Wer sich für einen Banksparplan entscheidet, muss mit mageren Zinsen leben, bekommt dafür aber viel Sicherheit geboten. Viele Banken haben ihre Zinskonditionen für Kunden verschlechtert, berichtet die "Stiftung Warentest". Häufig krebsen die Zinsen nur rund um die 1-Prozent-Marke herum.

Ein Fondssparplan ist da ertragreicher: Laut dem Fondsverband BVI erzielten VL-Fonds in den vergangenen 50 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 7,4 Prozent. Der Verband errechnete, dass Sparer mit VL-Fonds nach sieben Jahren ein Guthaben von rund 3.900 Euro anhäufen (bei einer Jahresrendite von sieben Prozent). Die Verbraucherzentrale bietet einen Fonds-Rechner, der die Kosten der Geldanlage (Aktienfonds sind nicht gratis!) berechnet. 

Aber auch ohne Zuschüsse vom Arbeitgeber können Menschen, die eigentlich kaum Geld zum Sparen erübrigen können, mit kleinen Beträgen Geld anhäufen. Wer 30 Jahre lang nur 25 Euro pro Monat mit einem Aktien-Sparplan auf den DAX (bei durchschnittlich 7 Prozent Zinsen) spart, bekommt am Ende rund 30.000 Euro raus. 

Wann sich die Riester-Rente lohnt

Aber was tun, wenn man selbst die 25 Euro nicht erübrigen kann? Eine Möglichkeit wäre, die Ausgaben auf unnötige Zahlungen zu prüfen: Kann man zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln? Eine Familie kann, wenn sie dem Regelversorger den Rücken kehrt, rund 200 Euro im Jahr einsparen. Auch teure Girokonten sind unnötig, längst bieten Direktbanken Gratis-Konten an. Und: Wer häufig in den Dispo-Kredit rutscht, zahlt überteuerte Zinsen dafür. Zwischen sieben und 13 Prozent verlangen die Geldhäuser. Auch im Alltag lassen sich immer ein paar Euros sparen. Führen Sie ein Haushaltsbuch, um die Ausgaben im Blick zu behalten und zahlen Sie zumindest für einen Monat möglichst alles in bar. Auch so bekommt man einen guten Überblick, wohin das Geld verschwindet. 

Auch wenn die Riester-Rente insgesamt eher enttäuschend ist, lohnt sie sich für geringverdienende Familien mit Kindern. Denn mit gerade einmal fünf Euro im Monat können Sie mitmachen, dazu kommen 175 Euro pro Jahr an staatlicher Förderung und pro Kind, das nach 2007 geboren wurde, gibt es noch einmal 300 Euro. Für ältere Kinder gibt es 185 Euro. Dabei ist wichtig: Haben Sie zum Renteneintritt sehr wenig Geld angespart, können Sie sich diese Summe auf einen Schlag auszahlen lassen. Bei höheren Sparsummen (Ob nun aus der Riester- oder der Betriebsrente) wird Ihnen dieses Geld nicht vom Sozialamt angerechnet, bevor Sie die Grundrente erhalten. Kurz gesagt: Sie haben mehr Geld in der Tasche. Eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern mit einem jährlichen Einkommen von 21.000 Euro müsste jährlich 840 Euro (Vier-Prozent-Regel) in die Riester-Rente einzahlen. Durch die Förderungen bekommt sie 775 Euro vom Staat (300 Euro je Kind und einmal 175 Euro für die Mutter). Die Frau zahlt nur die Differenz, nämlich 65 Euro für das Jahr.

Lesen Sie hier weitere Teile aus der stern-Serie Geldanlage für alle:

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1. Soll ich noch Aktien kaufen?  Nur wenn Sie gute Nerven haben: Sank doch der Dax, der Index der 30 größten Unternehmen, um 14 Prozent bis Anfang November. Und nächstes Jahr drohen Brexit, ein amerikanisch-chinesischer Handelskrieg und eine Eurokrise, weil Italien mehr Schulden machen will. Schlechte Nachrichten für Firmen und Kurse. Wer dennoch Aktien kaufen will, sollte nicht auf Einzelwerte, sondern auf Fonds setzen, die mehrere Titel bündeln. Einzelne Verluste lassen sich durch Gewinne anderer Papiere ausgleichen. Günstig sind Indexfonds, die Börsenindizes wie etwa den Dax, Eurostoxx oder den Weltindex MSCI der über 1600 weltweit größten Firmen abbilden. Wer im Jahr 2000 einen MSCI-Fonds gekauft hat, freut sich heute über einen Kursgewinn von mehr als 40 Prozent – trotz diverser Börseneinbrüche.

1. Soll ich noch Aktien kaufen?

Nur wenn Sie gute Nerven haben: Sank doch der Dax, der Index der 30 größten Unternehmen, um 14 Prozent bis Anfang November. Und nächstes Jahr drohen Brexit, ein amerikanisch-chinesischer Handelskrieg und eine Eurokrise, weil Italien mehr Schulden machen will. Schlechte Nachrichten für Firmen und Kurse. Wer dennoch Aktien kaufen will, sollte nicht auf Einzelwerte, sondern auf Fonds setzen, die mehrere Titel bündeln. Einzelne Verluste lassen sich durch Gewinne anderer Papiere ausgleichen. Günstig sind Indexfonds, die Börsenindizes wie etwa den Dax, Eurostoxx oder den Weltindex MSCI der über 1600 weltweit größten Firmen abbilden. Wer im Jahr 2000 einen MSCI-Fonds gekauft hat, freut sich heute über einen Kursgewinn von mehr als 40 Prozent – trotz diverser Börseneinbrüche.

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