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Sparpläne: Unzulässige Klausel kostet Sparer Millionen

Banken haben jahrelang hauseigene Sparzinsen "laut Aushang" zur Berechnung von Sparplänen herangezogen. Millionen Sparer könnten so jahrelang zu wenig Zinsen bekommen haben.

Wer eine vergleichbare Klausel im Sparvertrag mit seiner Sparkasse oder Bank findet, sollte aufhorchen: Das Geldinstitut "zahlt am Ende eines Kalenderjahres den im Jahresverlauf durch Aushang bekannt gegebenen Zins für das Kombi-Sparguthaben". Alles klar? Dass eine solche Zins-Ankündigung wenig präzise und durchschaubar ist, befand auch der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: XI ZR 140/03) - und erklärte solche Klauseln für unwirksam. Verbraucherschützer befürchten nun, dass Millionen betroffener Sparer über Jahre hinweg zu wenig Zinsen bekamen. Schlimmstenfalls mehrere Tausend Euro zu wenig.

Hauseigener Zins statt Marktzins verwendet

"Da wurde falsch abgerechnet", ist Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg überzeugt. Banken und Sparkassen hätten ihren frei bestimmten, hauseigenen Sparzins zum Maßstab der Berechnung variabler Zinsen für die Kunden gemacht - und nicht den Marktzins. Genau das stehe aber im Widerspruch zur Auffassung des BGH, der eindeutig auf eine externe Bezugsgröße des Kapitalmarkts verwiesen habe, betont auch Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Dass Kreditinstitute eine ganz eigene Hauspolitik fahren, womöglich zum Nachteil von Millionen Sparern, sei nicht in Ordnung, erklärt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Wer muss nun fürchten, zu wenig Zinsen bekommen zu haben? Das sind nach Ansicht der Verbraucherschützer all diejenigen Anleger, die langfristige Sparverträge mit variabler Grundverzinsung und zusätzlich festen Prämien, Bonuszahlungen oder Zinsaufschlägen abgeschlossen haben - und deren Verträge undurchsichtige Zinsklauseln enthalten. Dabei ist es ganz gleich, ob die Sparpläne noch bestehen oder bereits abgelaufen sind, wie Castello erläutert.

Kaum Anpassung in Hochzinsphasen

Während viele Sparer nach wie vor gar nicht wissen, wie viel Zinsen sie bislang bekamen, wurden andere schon bald nach Vertragsabschluss misstrauisch. Ihr variabler Basiszinssatz war in Niedrigzinsphasen zwar deutlich abgesenkt, in Hochzinszeiten dagegen nur dürftig nach oben angepasst, wie Gottschalk erläutert. Bei Verträgen, die in den 80er-Jahren unterschrieben wurden, könne das Zinsverluste von bis zu mehreren tausend Euro bedeuten. Bis zu 40 Prozent hätten einzelne Sparer eingebüßt, ergaben Vergleichsberechnungen des Bremer Finanzfachmanns.

Wer den Verdacht hat, benachteiligt worden zu sein, sollte sich zuerst bei einer Verbraucherzentrale melden, rät Pauli. Dort werde ausgerechnet, ob marktgerecht verzinst wurde oder nicht. Der Service koste 50 Euro. Wurden dem Sparer zu wenig Zinsen zugesprochen, könne er mit dem Überprüfungsergebnis zu Bank oder Sparkasse gehen und dort eine Neuberechnung des Vertrags samt Nachverzinsung verlangen, empfiehlt Castello. Wer ohne Vergleichsberechnung sein Glück versuche, werde schnell "abgewimmelt".

Je älter der Vertrag, desto höher die Chancen

Je länger die Laufzeit des Sparvertrags und je höher die Einzahlungen, desto größer dürfte die Chance auf Erstattung sein. Vor allem bei Verträgen aus den 80er-Jahren könnten die Nachforderungsansprüche hoch ausfallen, so die Erfahrung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Jede Beschwerde und Bitte um Neuberechnung werde auch geprüft, verspricht Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin. "Einige hundert" seien bereits eingegangen. Die Bankenverbände befürchteten aber keine Millionennachforderungen. "Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass nicht zu marktüblichen Konditionen verzinst wurde." Die vom BGH beanstandeten Klauseln werde es in Zukunft aber nicht mehr geben. Auch wenn sich die Branche wenig aufgeschlossen zeige, sollten Verbraucher auf keinen Fall aufgeben, meint Castello. "Manchmal dauert es Jahre, bis man zum Ziel kommt."

Berrit Gräber, AP / AP / DPA