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Spendenland USA: Erst Klopse, dann Kohle

McDonald's-Gründer Ray Kroc teilte in den 50er Jahren Buletten an Bedürftige aus, seine Witwe schenkte der Heilsarmee jüngst 1,5 Milliarden Dollar. Ohne private Spenden säße die US-Wohlfahrt auf dem Trockenen.

Als Ray Kroc in den 50er Jahren für die Heilsarmee die Essensglocke läutete, war er ein einfacher Imbiss-Besitzer in San Bernardino im Bundesstaat Kalifornien. Aus seinem Hamburger-Restaurant McDonald's brachte er Frikadellen für die Bedürftigen mit. Dass einmal das Geschäft mit den Fleischklopsen in eine Milliarden-Spende an die Heilsarmee münden würde, hätte der Begründer des inzwischen weltweiten Imbiss-Imperiums McDonald's wohl kaum gedacht.

Die jüngste 1,5-Milliarden-Dollar-Spende (1,2 Milliarden Euro) aus dem Vermögen der Witwe des McDonald's-Gründers gilt sogar in den USA als außergewöhnlich, zumal Joan Kroc, die eine Tochter und mehrere Enkel hat, auch noch zwei Friedensforschungsinstituten und einem Radiosender insgesamt 250 Millionen Dollar vermachte.

In keinem Land der Welt spenden Bürger so viel Geld für gemeinnützige Zwecke wie in Amerika. 240 Milliarden Dollar gingen 2002 nach Angaben der Spendensammler-Verbände aus privaten Geldbeuteln an Non-Profit-Organisationen - für soziale, kulturelle oder ökologische Projekte. Dahinter stehe eine historisch gewachsene Ideologie privat finanzierter Gemeinnützigkeit, sagt Professor Lester Salamon von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore.

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen

"Seit Staatsgründung haben die Amerikaner ihr Schicksal immer lieber selbst in die Hand genommen als auf die Regierung zu setzen", erklärt der Sozialwissenschaftler. Damit verbinde sich die Skepsis gegenüber dem steuer-finanzierten Wohlfahrtsstaat.

"Es wird heute von jedem erfolgreichen Unternehmer erwartet, dass er der Gesellschaft etwas zurückgibt", sagt Salamon. Nicht nur Großkonzerne wie Wal-Mart (spendete 2002 rund 136 Millionen Dollar) und Ford (113 Millionen Dollar) zeigen sich großzügig - auch junge Unternehmen aus der Internet und Computerbranche spenden fleißig.

Spendenspitzenreiter ist Bill Gates

Vorneweg war bisher Microsoft-Gründer Bill Gates: Der reichste Mann der Welt spendete in den vergangenen Jahren 25 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke. 6,1 Milliarden verschenkte der Mitgründer der Computerfirma Intel, Gordon Moore. Und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen stiftete immerhin rund 150 Millionen Dollar, so eine Studie der US-Fachzeitschrift 'Chronicle of Philanthropy'.

Weitere Großspender der vergangenen Jahren waren auch Verleger Walter Annenberg (1,4 Milliarden), Fonds-Gründer James Stowers (1,1 Milliarden), Pharma-Erbin Ruth Lilly (520 Millionen), CNN-Gründer Ted Turner (250 Millionen) und Musikunternehmer David Geffen (200 Millionen). Das meiste Geld in den USA erhielt 2002 mit 1,74 Milliarden Dollar das Rote Kreuz. Es folgen Heilsarmee, die Kinderhilfsorganisation 'Gifts In Kind International' und die Amerikanische Krebsgesellschaft.

Neben Spenden finanzieren sich die US-Wohlfahrtsverbände mit einem Gesamtetat von 550 Milliarden Dollar zu 40 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. 20 Prozent kommen vom Staat. Zehn Millionen Amerikaner, neun Prozent aller Arbeitnehmer, sind in diesem Sektor tätig. In Deutschland ist nur jeder 20. Arbeitnehmer in der privaten Wohlfahrt von Kirchen und Verbänden beschäftigt.

Leichte Einbußen ab 2002

Die vergangenen Jahre waren trotz anhaltender Spendenfreude auch von leichten Einbußen geprägt, berichtet der Fundraising-Verband 'AFP'. Jede zweite Organisation klagt in einer aktuellen Umfrage der Johns-Hopkins-Universität über "große Schwierigkeiten" beim Geld eintreiben. Bereits 2002 waren die Spenden nach jahrelangem zweistelligen Wachstum erstmals um 1,2 Prozent zurückgegangen, so der 'Chronicle of Philanthropy'. Die endgültigen Zahlen für 2003 liegen noch nicht vor.

Sorge macht den gemeinnützigen Organisationen in den USA auch die von US-Präsident George W. Bush initiierte drastische Verringerung der Erbschaftssteuer, denn die früher hohen Abgaben an den Fiskus waren für manche Spender Motiv genug, zumindest Teile des Vermögens steuerfrei zu verschenken.

Nikos Späth, DPA / DPA