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Steueraffäre Liechtenstein: Durchlaucht ist sauer

Jetzt hat der Steuerskandal um Liechtensteiner Bankkunden auch die Kunst erreicht. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein zog eine für Mai in der Münchner Pinakothek geplante Ausstellung mit Werken aus der Fürstlichen Sammlung zurück. Wegen des deutschen Umgangs mit den Steuersündern.

Von Manuela Pfohl

Eigentlich sollte die Münchner Pinakothek ab Mai um eine Attraktion reicher sein. Das Liechtensteiner Fürstenhaus wollte sich die Ehre geben, "Wiener Malerei des Biedermeier" aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Für eine Ausstellung bis zum September. Doch jetzt erklärte seine Durchlaucht: "Die Fürstlichen Sammlungen werden solange darauf verzichten, Leihgaben nach Deutschland zur Verfügung zu stellen, solange die Anwendung rechtsstaatlicher Grundprinzipien seitens der Bundesrepublik Deutschland, was die Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein betrifft, fraglich erscheint." Auch alle anderen zugesagten Leihgaben für Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland würden zurückgezogen.

"Eine Entscheidung, die wir sehr bedauern, als persönliche Entscheidung der Fürstenfamilie aber akzeptieren", erklärt Kurator Hebert Rott für die Münchner Neue Pinakothek. Immerhin sollten bei der exklusiven Schau voraussichtlich 60 Gemälde und rund 120 Grafiken gezeigt werden. Darunter Friedrich von Amerlings berühmte Porträts der Mitglieder der Fürstenfamilie und Landschaftsmalerei des Künstlers Ferdinand Georg Waldmüller.

Rechtlich völlig undenkbar

Hintergrund der fürstlichen Verstimmung ist der Umgang des deutschen Finanzministeriums mit dem BND-Informanten, der den deutschen Steuerfahndern für fünf Millionen Euro eine bei der Liechtensteiner LGT-Bank geklaute Liste mit Kontendaten verkauft hatte. Das Ministerium zahlte. Kurz darauf begannen die Razzien gegen mutmaßliche Steuersünder, die ihr Schwarzgeld auf Liechtensteiner Konten geparkt hatten. Prominentestes Beispiel: Ex-Postchef Zumwinkel. Für den Finanzplatz des Monarchen ein Imageschaden ungeahnten Ausmaßes.

Das Fürstentum sprach von einer "deutschen Kampagne" und Seine Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein erklärte Mitte Februar: "Wir lehnen das Vorgehen der deutschen Regierung und ihrer Behörden entschieden ab. Eine derartige Vorgehensweise in Liechtenstein wäre rechtlich völlig undenkbar." Wenig später machte der Erbprinz klar, dass er es nicht bei dieser bloßen diplomatischen Anmerkung belassen will. Die Liechtensteinische Justiz werde "rechtliche Schritte überprüfen, um unsere Bürger und auch die Anleger, die uns vertrauen, vor derartigen Untersuchungsmethoden, die in Liechtenstein gesetzlich nicht gedeckt sind, zu schützen". Deutschland konterte, man werde sich von dem Fürstentum nicht vorschreiben lassen, wie man mit Steuersündern umgeht.

In der Münchner Neuen Pinakothek hofft Kurator Herbert Rott auf ein baldiges Ende der politischen Verstimmungen. Und darauf, dass die berühmte Kunst-Sammlung des Fürsten irgendwann doch noch in Bayern zu sehen sein wird. Schließlich sei Generaldirektor Reinhold Baumstark im Herzen ein Liechtensteiner. "Er lebte lange in Vaduz und kennt die Fürstenfamilie persönlich."