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Tarife: So tricksen Sie die Bahn aus

Achtung beim neuen Preissystem der Bahn: Wer nicht aufpasst, zahlt drauf. Zehn Tipps, wie Sie in Zukunft günstiger reisen.

Weihnachten ist bei der Bahn schon am dritten Advent. Pünktlich zum 15. Dezember beschert das Unternehmen seinen Kunden neue Preise. Billig, familienfreundlich und so einfach, dass jedes Kind sie versteht, sollen sie sein. Statt unzähliger Sonderangebote gibt es nur noch drei Rabattstufen (40, 25 und 10 Prozent) - abhängig davon, wie viele Tage im Voraus der Reisende bucht. Mitfahrer zahlen künftig nur die Hälfte, und Kinder bis einschließlich 14 Jahren fahren ganz umsonst mit.

  Alles kein Problem also? Mitnichten. Der erste Praxistest zeigt das Gegenteil. Seit Anfang November können die Tickets zu den neuen Konditionen gekauft werden - und Millionen Kunden sind, obwohl tatsächlich viele Reisen günstiger werden, verwirrt. Fahre ich mit der alten oder der neuen Bahncard billiger? Warum kann ich meine Karte nicht mehr kostenlos umbuchen? Helmut Lutz vom Berliner Reisebüro Kopfbahnhof erlebt die wachsende Unzufriedenheit tagtäglich. "Die Leute haben zwar mittlerweile alle die 40 Prozent Rabatt im Kopf, aber keiner kennt die Bedingungen, zu denen er sie bekommt", stellt er bei seiner Arbeit immer wieder fest. "Und wenn die Kunden merken, dass der Billigkauf für sie nicht infrage kommt, ist der Ärger groß. Viele drohen damit, aufs Auto umzusteigen." Der Unmut ist verständlich. Denn so einfach wie versprochen ist das neue System nicht. Die Bahn hat viele Tücken und Stolpersteine eingebaut. Zusammen mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat der stern das neue Preissystem analysiert. Worauf Sie achten müssen, und mit welchen Tricks Sie wirklich günstig fahren:

 

Tipp 1: Rabatt, aber richtig

40 Prozent Preisnachlass erhalten nur Reisende, die eine Hin- und Rückfahrkarte kaufen, wenn eine Samstagnacht zwischen den beiden Fahrten liegt und wenn Sie sieben Tage im Voraus buchen. 25 Prozent Rabatt gibt es für eine Hin- und Rückfahrkarte, die mindestens 3 Tage im Voraus gebucht wird. Aber Achtung: Es gibt pro Zug nur eine begrenzte Zahl an SparPlätzen. Zu Stoßzeiten wie am Freitagabend ist das Kontingent auf 10 Prozent beschränkt. Das sind - bei durchschnittlich 600 Plätzen pro Zug - gerade mal 60 Fahrkarten pro Rabattstufe. Und: Das Plan&Spar-Ticket enthält noch keine Platzreservierung, die kostet extra.

 

Tipp 2: Raus aus dem ICE

Auf vielen Strecken - insbesondere im Nah- und Mittelstreckenbereich - sind ICE-Züge kaum schneller, aber deutlich teurer als IC- oder Regionalzüge. Fragen Sie bei Ihrer Buchung gezielt nach Verbindungen ohne ICE.

Tipp 3: Kinder immer anmelden

Kinder unter 15 Jahren fahren umsonst mit, wirbt die Bahn. Das gilt aber nur, wenn sie auf der Fahrkarte eingetragen sind. Und zwar vor Fahrtantritt. Haben Sie Ihre Fahrkarte bereits gekauft und möchten nachträglich Ihre Kleinen mitnehmen, geht das nicht mehr kostenlos. Trick: Tragen Sie alle Kinder und Enkel pro forma immer mit auf der Fahrkarte ein - auch wenn Sie gar nicht mit Anhang reisen möchten. Dann gibt es keine Probleme, wenn der Nachwuchs doch mitkommen will.

 

Tipp 4: Kurze Strecken meiden

Einzelfahrten auf kurzen Strecken unterhalb von 180 Kilometern sind zum Teil deutlich teurer geworden. Erst auf längeren Distanzen hat die Bahn die Normalpreise teilweise kräftig gesenkt.

 

Tipp 5: Im Voraus buchen

Wer lange im Voraus plant, der spart, so das Motto der Deutschen Bahn. Also jetzt schon die Tickets für die Skiferien Ende März kaufen? Geht nicht. Die Rabatt-Fahrkarten sind frühestens drei Monate vor Reisebeginn am Schalter oder im Internet erhältlich.

 

Tipp 6: Rechtzeitig umtauschen

Können Sie eine Fahrkarte, die mit Plan& Spar (40 oder 25 Prozent) gebucht wurde, nicht nutzen, entstehen Ihnen bei der Rückgabe Stornogebühren zwischen 15 und 45 Euro. Die Tickets müssen aber spätestens am Tag vor der Hinreise zurückgegeben werden. Schon am ersten Geltungstag, also dem Tag der Hinreise bei Fahrscheinen für Hin- und Rückreise, ist eine Ticket-Rückgabe aus dem Plan&Spar-Angebot nicht mehr möglich, sondern nur noch der Umtausch in einen Normalpreis-Fahrschein, für 45 Euro Umtauschgebühr und die Differenz zum Normalpreis. Nach dem ersten Geltungstag verfallen Plan&Spar-Fahrscheine ersatzlos. Trick: Statt Ihr Ticket zurückzugeben und die hohen Stornogebühren zu bezahlen, versuchen Sie, es zu verkaufen. Zum Beispiel im Internet unter www.ticket-teilen. de. Auch wenn Mitreisende kurzfristig abspringen, können Sie hier Kurzentschlossene finden, die ersatzweise auf den Sparzug aufspringen.

Tipp 7: Mindestpreis 15 Euro

Auch wenn Sie alle Rabattmöglichkeiten kombinieren, irgendwann ist Schluss: Der Mindestpreis für ein Plan&Spar-Ticket beträgt immer 15 Euro.

 

Tipp 8: Mitfahrerrabatt nur vorher

Den Mitfahrerrabatt bekommen Sie nur, wenn Sie die Fahrkarte vor der Fahrt erwerben. Im Zug wird Ihnen kein Mitfahrer-Fahrschein mehr verkauft! Vergessen Sie nicht, dass auch kostenlos mitreisende Kinder auf dem Fahrschein eingetragen werden müssen. Trick: Suchen Sie sich vor der Fahrt Mitreisende im Internet unter www.ticket-teilen.de und www.kartenfuchs.de oder www.ticket-mitfahrer.de  

Tipp 9: Alte oder neue Bahncard?

Prüfen Sie vor dem Kauf der neuen Bahncard, ob Sie nicht mit der alten günstiger fahren. Das gilt vor allem für Alleinreisende, die flexibel sein müssen. Denn mehr als 50 Prozent Rabatt bekommen Sie im neuen Preissystem nur durch die Kombination vieler einzelner Nachlässe und auch nur, wenn Sie sich zeitlich genau festlegen. Mit der BahnCard50, also der alten, können Sie wie gewohnt jederzeit zum Fahrkartenschalter gehen, auch kurz vor Abfahrt des Zuges, und bekommen alle Strecken für die Hälfte des Normalpreises. Bis 14. Dezember haben sie noch Gelegenheit, sich die alte Bahncard mit einem Jahr Laufzeit zu sichern. Verreisen Sie häufig in Gruppen oder zusammen mit der eigenen Familie, können Sie mit der neuen Bahncard besser dastehen. Der Preisnachlass beträgt zwar nur 25 Prozent. Aber die Karte selbst ist billiger, und ihr Partner und ihre Kinder bekommen für nur 5 Euro eine eigene.

 

Tipp 10: Der 1.-Klasse-Trick

Für alle, die unbedingt einen ganz bestimmten Zug nehmen müssen: Wenn alle 40- und 25-Prozent-Rabatt-Plätze in der zweiten Klasse ausgebucht sind, fragen Sie, ob in der ersten Klasse noch Plätze mit den hohen Rabatten frei sind. Unterm Strich kann sich das lohnen: Dann fahren Sie in der 1. Klasse immerhin zum selben Preis, als hätten Sie einen 10-ProzentRabatt in der zweiten bekommen, und haben einen höheren Komfort.

Silke Gronwald