Verkehr Bahn hält trotz Bedenken an baldigem Börsengang fest


Bahnchef Hartmut Mehdorn bleibt von den andauernden Bedenken in der Politik unbeeindruckt und hält an seinem Ziel eines raschen Börsengangs fest: "Wir werden ab 2005 fit dafür sein".

Wann der Bund als Eigentümer dann über eine Teilprivatisierung entscheide, liege nicht bei der Bahn. Die Kapitalmarktfähigkeit sei nach der bisherigen Sanierung aber kein leichtfertiges Ziel. "Niemand kann annehmen, dass der Vorstand das Unternehmen börsenreif meldet, wenn wir nicht den Nachweis erbringen, dass es so ist."

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

Mehdorn bekräftigte, die Bahn werde 2004 "auch ohne jegliche Hilfe des Bundes" die Trendwende in die schwarzen Zahlen schaffen. Dies ist für die Bundesregierung Voraussetzung für ein baldiges Votum über einen Börsengang, den die Bahn bereits für 2006 anstrebt. Nach dem Verkehrsausschuss hatte Ende vergangener Woche allerdings auch der Bundestag einmütig vor einer übereilten Grundsatzentscheidung gewarnt. Nötig sei zuvor der Nachweis einer "mehrjährigen positiven Gewinnentwicklung".

Der Bahnchef sagte, der Konzern wolle "Gewinne in den Jahren 2004 und 2005 testiert vorlegen". Dass die Bahn in den vergangenen Jahren ihre Ziele erreicht habe, solle Vertrauen schaffen. Die Sanierung sei auf ehrgeizige Ziele ausgerichtet, die abgearbeitet werden müssten. "Es wäre ein Fehler, noch drei Jahre Wartepause einzulegen." Die Bahn hatte 2003 ihren Betriebsverlust deutlich auf 172 Millionen Euro verringert, im ersten Quartal 2004 aber noch ein Minus von rund 82 Millionen Euro eingefahren.

Auch Gleisnetz soll Gewinn bringen

Auf dem Weg zur Börsenfähigkeit solle auch das bisher defizitäre Gleisnetz profitabel werden, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Der Fernverkehr, der trotz der Rückkehr der alten Bahncard zunächst nicht aus den roten Zahlen herausgekommen ist, erhole sich vom schlechten Start ins Jahr, sagte Mehdorn. Der Bahnchef bekräftigte, das Netz solle auch bei einer Privatisierung Teil des Konzerns bleiben. Eine vom Bundestag angeregte Prüfung anderer Modelle sei aber zu begrüßen.

Sack sagte, das Gutachten der Investmentbank Morgan Stanley im Auftrag der Bundesregierung "bestätigt den Weg, den wir eingeschlagen haben". Die bisherige Finanzplanung bis 2008, die nicht auf Grundlage eines Börsengangs basiere, werde fortgeschrieben. Die Experten hatten analysiert, die Bahn müsse ihre Sanierung erheblich forcieren und im nächsten Jahr eine neue Planung bis 2010 vorlegen.

Rückkehr zur 40-Stunde-Woche?

Mehdorn appellierte an die Gewerkschaften, in den anstehenden Tarifgesprächen zu mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Zulagen bereit zu sein. Die Bahn gehe "mit Fingerspitzengefühl, aber auch mit Erwartungen" in die Verhandlungen. Der Vorstand fordert für einen weiteren Verzicht auf Entlassungen unter anderem die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. (dpa)

DPA

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