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Währung: Euro auf Rekordflug

Der Euro steigt und steigt und steigt: Am Mittwoch knackte die Gemeinschaftswährung erstmals die 1,30-Dollar-Marke. Aber was kommt, nachdem die psychologische Marke gefallen ist?

Zuvor war bekannt geworden, dass das US-Handelsdefizit zum vierten Mal in Folge über 50 Milliarden Dollar liegt. Als wichtigster Grund für den Höhenflug gelten das riesige amerikanische Haushalts- und Außenhandelsdefizit. Binnen weniger Stunden sackte der Kurs dann aber bis zum Nachmittag (16.30 Uhr) um über einen Cent auf 1,2872 Dollar ab. Mit 51,6 Milliarden Dollar fiel das US-Handelsbilanzdefizit zwar etwas niedriger aus als von einigen Analysten erwartet. Mit Blick auf den starken Ölpreisanstieg in den vergangenen Monaten ist es aber immer noch sehr hoch.

Trichet: Wechselkurs "brutal"

Am Dienstag hatte der Euro nach Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Verschnaufpause auf seinem Höhenflug eingelegt. Trichet hatte die Wechselkursturbulenzen als "brutal" und "nicht willkommen" bezeichnet. Auch der Sprecher von EU-Währungskommissar Joaquin Almunia sagte, die hohe Volatilität der Wechselkurse sei unerwünscht.

Auf Grund des hohen Außenhandelsdefizits der USA rechnen Experten in den kommenden Wochen mit einem weiteren Ansteigen des Euro. "Bis 1,35 oder 1,40 Dollar könnte sich der Euro noch entwickeln", sagt Deutsche-Bank-Volkswirt Ulrich Beckmann unter Verweis auf die negative amerikanische Handelsbilanz. "Da gibt es riesigen Korrekturbedarf." Auch Währungsexperte Michael Schubert von der Commerzbank hält einen Kurs von 1,32 Dollar für möglich.

"Psychologische Marke" gefallen

Die Marke von 1,30 Dollar galt als psychologische Grenze: So hatte ifo-Chef Hans-Werner Sinn schon zu Jahresbeginn gewarnt, dass mit einem Kurs von 1,30 Dollar die Gefährdungsgrenze erreicht werde. Bei noch höheren Kursen werde der Export - Wechselkursabsicherungen zum Trotz - in Mitleidenschaft gezogen. Dann sei zu befürchten, dass die Exportkonjunktur zum Erliegen kommen werde.

Während Beckmann weiter mit einem festeren Euro rechnet, glaubt Schubert - angesichts im Grunde "günstiger Entwicklungen" in den USA - langfristig wieder an eine Entspannung. So waren bereits die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktzahlen aus den USA in der vergangenen Woche positiver als erwartet ausgefallen, was den Euro jedoch nicht daran hinderte, nach einem kurzen Absinken wieder deutlich zuzulegen.

Sehr volatiler Markt

Diese heftigen Kursausschläge tauchten auch am Mittwoch auf: Nach Veröffentlichung der Handelsbilanzzahlen sank der Euro-Kurs kurzzeitig ab, weil das Defizit etwas geringer ausgefallen war als von vielen erwartet, wie Schubert erläuterte. Offenbar hätten einige Marktteilnehmer dann die Gunst der Stunde genutzt, um sich mit Euro einzudecken, was den Kurs dann vorübergehend über die 1,30-Dollar-Marke trieb. "Der Markt ist sehr volatil." So sei es zwar möglich, dass sich die Entwicklung mehrere Wochen von den Fundamentaldaten abkoppele, betont Schubert. Längerfristig werde der Markt diese Daten aber nicht ignorieren können, ist er überzeugt.

Der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, rechnet unterdessen mit einem weiter steigenden Euro, warnte aber vor Überreaktionen wegen des Überschreitens der psychologisch wichtigen Marke. "Deswegen bricht nicht morgen der Handel zusammen", kommentierte Börner den neue Rekordwerte. Aber der Druck sei da, betonte er. "Und er wird noch steigen."

Mirjam Hecking, AP / AP