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Währungswechsel: Die Euro-Premiere auf dem Steuerformular

Aus der Fülle der aktuellen Änderungen ist eine für den Steuerzahler besonders auffällig: Die Steuererklärung für 2002 wird erstmals in Euro erstellt.

Kaum etwas ist so unbeständig wie das deutsche Steuerrecht. Jahr für Jahr ersinnt der Fiskus Neuerungen, die den Bundesbürgern und nicht zuletzt auch den Finanzbeamten erklärt werden müssen. Aus der Fülle der aktuellen Änderungen ist eine für den Steuerzahler und den Sachbearbeiter im Finanzamt besonders auffällig: Die Steuererklärung für 2002 wird erstmals in Euro erstellt.

Nach der

Währungsumstellung von Mark auf Euro und einer Übergangsfrist ist seit dem 1. Januar 2002 auch die Besteuerung ganz auf die neue europäische Währung umgestellt. Zwar ist der Abschied von der Mark vielen Deutschen schwer gefallen und ließ viele über den vermeintlichen "Teuro" schimpfen. Doch abgesehen davon, dass sich durch den Euro beim Ausfüllen der Formulare im Prinzip wenig ändert, kommen die Steuerzahler bei der Steuererklärung in Euro nach Meinung von Fachleuten finanziell vergleichsweise gut davon. "Da ist die Umstellung geringer als die Veränderungen bei den Preisen in der Gastronomie", sagt Josef Sauerwald, Präsident des Bundesverbandes der Steuerberater in Köln.

Dass der

Steuerzahler vom Euro auf dem Steuerformular durchaus profitieren kann, verdankt er auch dem "Steuer-Euro-Glättungsgesetz". Da der Fiskus die Umstellung auf den Euro nicht dazu nutzen durfte, indirekt die Steuern zu erhöhen, sollten krumme Summen bei der rechnerischen Ermittlung von Freibeträgen, Pausch- und Höchstbeträgen in Euro gerundet werden. Zur Umrechnung von Mark in Euro legten die Finanzexperten einen Wert von 1,95583 Mark für einen Euro zu Grunde. Das Gesetz glättete dann, wenn das Umrechnungsergebnis krumm war und unsinnig erschien. "In den meisten Fällen wurde zu Gunsten der Steuerzahler auf- oder abgerundet", sagt Steuerberater Sauerwald.

Auch Günter

Schneider, Geschäftsführer des Berliner Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BdL), sieht Verbesserungen durch den Wechsel von der Mark zum Euro. "Großzügig war der Fiskus etwa beim Arbeitnehmer-Pauschbetrag", nennt Schneider ein Beispiel dafür, dass der ansonsten für sein eisernes Sparen bekannte Bundesfinanzminister Hans Eichel bei der Euro-Umstellung auf dem Steuerformular bisweilen Fünfe gerade sein ließ.

Rein rechnerisch hätte der Pauschbetrag für Arbeitnehmer von 2.000 Mark auf 1.023 Euro umgestellt werden müssen. Tatsächlich aber gilt nun ein Betrag von 1.044 Euro. Zudem lobt Schneider, dass die monatliche Freigrenze von 50 Mark für kostenlose Sachbezüge der Arbeitnehmer auf 50 Euro angehoben und damit fast verdoppelt worden ist. Günstiger für die Steuerzahler ist darüber hinaus der Sparerfreibetrag, der für Alleinstehende auf 1.550 Euro (bisher 3.000 Mark) und für Ehepaare auf 3.100 Euro (bislang 6.000 Mark) festgelegt wurde.

Nicht bei

allen Änderungen für das erste Steuerformular in Euro aber war der Fiskus derart großzügig. So kritisiert etwa der BdL, dass der Pauschbetrag für private Sonderausgaben wie Schulgeld, Weiterbildungsmaßnahmen oder auch Kosten für den Steuerberater nicht von 108 Mark auf 55 Euro umgerechnet worden ist, sondern auf 36 Euro festgelegt und somit um rund ein Drittel gekürzt wurde.

Der Bund

der Steuerzahler (BdSt/Wiesbaden) sieht Korrekturbedarf auch bei der nun geltenden Entfernungspauschale ab dem elften Kilometer. Entgegen der Rundungsregeln seien hier für die bislang gewährten 80 Pfennige pro Kilometer statt 41 Cent nur 40 Cent und damit etwa 78 Pfennige festgesetzt worden. Ein Dorn im Auge ist dem BdSt vor allem aber, dass sich mit der Einführung des Euros im Steuerrecht an der Form der Vordrucke für die Steuererklärung nichts Wesentliches geändert hat. "Die Umstellung auf die Euro-Steuerformulare wäre eine einmalige Chance gewesen, die Vordrucke verständlicher zu machen", sagt Hans-Joachim Vanscheidt, Leiter der Steuerabteilung im BdSt-Präsidium.

Nun sei

aber die Bezeichnung Mark einfach durch die Bezeichnung Euro ersetzt worden, die Unverständlichkeit hingegen bleibe. "Für viele Steuerzahler sind die Formulare weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln", befürchtet Vanscheidt.

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