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Halloween: Kürbis-Kult lässt Kassen klingeln

Ob Lichterkette mit Fledermäusen, aufblasbares Kürbiskostüm oder Hexenhut, Teelichthalter in Kürbisform und Berliner mit Fledermaus-Zuckerguss: Kaum ein Laden, der sich nicht an der Kürbishysterie beteiligt.

Der deutsche Einzelhandel erhofft sich von Halloween ein Zubrot in schlechten Zeiten. Ob Lichterkette mit Fledermäusen, Hexenhut, Teelichthalter mit Spinnen-Netz oder Geschenkband mit Monsterfratze - kaum ein Laden, der sich nicht an der Kürbishysterie beteiligt. Angesichts der lauen Konsumhaltung der Deutschen klammert sich der Handel dankbar an jeden Strohhalm, der verspricht, das Kauffeuer anzuheizen.

Beim Bäcker um die Ecke gibt es Halloween-Brot - natürlich mit Kürbiskernen. In den Tiefkühltruhen großer Lebensmittelketten tummelt sich Halloween-Eis und in den Regalen steht Schokolade in orangefarbenen Aktionsbeuteln. Auch die Spielzeug-Abteilungen hat das schauerliche Treiben längst erfasst: Masken mit Horrorfratzen spuken herum, schauerliche Kostüme und gruselige Spielzeuge sollen Kunden anlocken.

Als Urheber des deutschen Kürbis-Kults sieht sich die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie, die vor zehn Jahren mit dem Spuk loslegte: "Wir haben Halloween als einen Versuchsballon zur Ausweitung des Karnevals-Saison gestartet", berichtet der Pressesprecher des Verbandes, Dieter Tschorn. Partys mit skurrilen Verkleidungen zu Halloween, das in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert wird, sollen übergangslos zum Karneval überleiten, schildert Tschorn.

Mittlerweile wichtiger Wirtschaftsfaktor

Das Geschäft mit dem spielerischen Schauder ist bereits seit vier Jahren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, stellt Ulrike Hörchens, Pressereferentin im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, fest. Die Grusel-Begeisterung hält sie für importiert: "Halloween hat mit den amerikanischen Fernsehserien Einzug bei uns gehalten. Inzwischen gibt es einen kleinen Boom, der in Zukunft durchaus die Bedeutung des Ostergeschäfts erreichen könnte."

Der Gesamtumsatz mit Halloween-Artikeln lässt sich wegen der diffusen Sortimente und verschiedenen Wirtschaftsbranchen nur schwer schätzen. 130 Millionen Euro geben die Karneval-Experten für 2003 an. Das sei ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahr. Für 2004 rechnen sie wegen der allgemeinen Kaufzurückhaltung mit einem Wachstum von immerhin 10 Prozent.

Eigentlich ein keltisches Totenfest

Seinen Ursprung hat der Halloween-Brauch bei den Kelten, die im vierten Jahrhundert vor Christus in Mitteleuropa siedelten. Sie verabschiedeten in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November den Sommer. Man glaubte, dass in diesen Stunden der Kontakt zu den Toten leichter sei, berichten Halloween-Fans. Damit sich die Verstorbenen nicht für ein Jahr den Körper eines Lebenden aussuchten, brachte man ihnen Opfer dar. Andererseits versuchte man, die Verstorbenen der eigenen Familie anzulocken, damit sie für kurze Zeit auf die Erde zurückkehrten.

Später wurde der Brauch auf die Abschreckung böser Geister reduziert, indem man sich möglichst Furcht erregend verkleidete. Das Christentum verband die heidnischen Gebräuche mit dem Totengedenken. Der Name "Halloween" stammt aus dem 16. Jahrhundert, als die protestantische Kirche den Namen "All Hallowed Evening" (engl. hallowed = geheiligt) einführte. In Amerika wurde das Fest modernisiert und zum Wirtschaftsfaktor. Heute ziehen Kinder verkleidet und geschminkt von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu erbetteln. Dabei rufen sie "Süßes oder Streiche". Nicht nur die kleinen Plagegeister freuen sich, wenn ihnen die Hausbewohner etwas Süßes zustecken, sondern auch die Süßwarenindustrie und der Handel.

Eva Schröder/DPA / DPA
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