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Handel: Karstadt-Kunden vor verschlossenen Türen

Die Einzelhandelskrise bekommen nun auch die Kunden zu spüren: Während die Beschäftigten bei Betriebsversammlungen über einen drohenden Arbeitsplatzabbau diskutierten, standen viele Kunden erst einmal vor verschlossenen Türen.

Die Krise des deutschen Einzelhandels bekommen nun auch die Kunden zu spüren: Während die Beschäftigten bei Betriebsversammlungen über einen drohenden Arbeitsplatzabbau bei Deutschlands größtem Warenhauskonzern diskutierten, standen viele Kunden vor verschlossenen Türen. Fast alle 180 Kaufhäuser des KarstadtQuelle-Konzerns öffneten am Mittwoch erst verspätet ihre Türen.

15.000 Jobs in Gefahr

Nach Befürchtungen der Gewerkschaft ver.di muss nahezu ein Drittel der insgesamt 47.000 Beschäftigten um den Arbeitsplatz bangen. 15.000 Arbeitsplätze könnten bedroht sein, wenn die Kostensparmodelle der Unternehmensleitung umgesetzt würden, sagte Gertrud Tippel-Kluth vom ver.di-Bundesvorstand in Berlin.

Karstadt-Sprecher Elmar Kratz widersprach den Zahlen der Gewerkschaft. Es gebe Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmerseite über eine Senkung der Personalkosten, diese solle jedoch über flexiblerer Arbeitszeiten und den Abbau freiwilliger Leistungen erfolgen, sagte er.

Schon jetzt Personalnotstand

Zusammen mit den Betriebsräten fordert ver.di ein langfristiges Konzept zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Statt Abteilungen auszugliedern, müsse das breite Warenhaus-Sortiment erhalten bleiben. Die Beschäftigten klagen nach ver.di-Angaben schon jetzt über den Personalnotstand. Beratung und Erfüllung von Kundenwünschen seien kaum mehr möglich. Nur mit gutem Service könne man sich jedoch von Selbstbedienungsläden unterscheiden.

Seit 2002 wurden nach ver.di-Angaben bei KarstadtQuelle bereits 7.000 Stellen abgebaut. Mitte Mai war der bisherige Vorstandschef Wolfgang Urban entlassen und von Vorstand Christoph Achenbach ersetzt worden. Dem Konzern machen die Konsumflaute und die Verlust bringende Touristik-Beteiligung Thomas Cook zu schaffen.

DPA