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Prozess wegen Sexvideo: Facebook-Milliardär und Hulk Hogan wollen US-Klatschseite vernichten

Die US-Klatschseite "Gawker" muss Hulk Hogan 140 Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen, weil sie Teile eines Sexvideos von ihm veröffentlicht hatte. Bei der Finanzierung des Prozesses bekam der Ex-Wrestler prominente Hilfe.

Der US-Milliardär mit deutschen Wurzeln Peter Thiel (l.) und der Ex-Wrestler Hulk Hogan

Der US-Milliardär mit deutschen Wurzeln Peter Thiel (l.) finanzierte mit rund 10 Millionen US-Dollar den Prozess des Ex-Wrestlers Hulk Hogan gegen das US-Klatschportal "Gawker"

Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel, 48, hat heimlich die existenzbedrohende Klage des Ex-Wrestlers Hulk Hogan, 62, gegen das Klatsch-Blog "Gawker" finanziell unterstützt. Thiel sagte in einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Interview der "New York Times", er habe rund zehn Millionen Dollar (neun Mio Euro) für Anwaltskosten gezahlt.

Hogan, dessen echter Name Terry Bollea ist, bekam nach seiner Klage gegen die Veröffentlichung von Fragmenten eines heimlich gedrehten Sex-Videos insgesamt 140 Millionen Dollar zugesprochen. Die Website will das Urteil noch in einem Berufungsverfahren kippen, musste aber bereits rund 50 Millionen Dollar hinterlegen. Um das zu finanzieren, war "Gawker" gezwungen, einen Anteil an den Milliardär Viktor Vekselberg zu verkaufen.

Thiel und "Gawker" haben eine Vorgeschichte: Ein Bericht des zum Netzwerk gehörenden Blogs "Valleywag" im Jahr 2007 hatte enthüllt, dass er homosexuell ist. Er selbst äußerte sich erst 2009 dazu und verglich "Valleywag" in einem Interview mit der Terror-Organisation Al-Kaida. Thiel sagte der "New York Times", die "Gawker"-Blogs wie "Valleyvag" hätten "Leben von Leuten ohne Grund ruiniert".

Peter Thiel unterstützt "Opfer" von "Gawker"

Er habe ein Team von Anwälten finanziert, um "Opfer" von "Gawkers" Berichterstattung zu finden und bei Klagen zu unterstützen. "Es geht weniger um Rache als um konkrete Abschreckung", sagte Thiel der "New York Times". Das "Valleywag"-Blog wurde inzwischen schon zum zweiten Mal eingestellt.

"Gawker" scheiterte unterdessen mit dem Versuch, noch in erster Instanz eine Neuauflage des Verfahrens zu erreichen. Die Richterin in Florida lehnte einen entsprechenden Antrag ab und bestätigte auch die Millionen-Summe. In dem Verfahren kann aber noch Berufung eingelegt werden. "Gawker" machte geltend, dass wichtige Beweismittel zu Unrecht nicht zugelassen worden seien und dies die Entscheidung der Geschworenen beeinflusst habe. Im Verfahren selbst hatte das Blog argumentiert, dass Hogan sein Sex-Leben selbst in die Öffentlichkeit gezerrt habe und die Veröffentlichung des Videos deshalb zu einer rechtmäßigen Berichterstattung gehört und seine Privatsphäre nicht verletzt habe. Es ist unklar, wie Thiels Eingeständnis das anstehende Berufungsverfahren beeinflussen könnte.

Video von 2007 zeigte Hulk Hogan beim Sex

Thiel machte sein Geld zunächst als ein Mitgründer des Bezahldienstes PayPal und dann als sehr früher Facebook-Investor. Der Milliardär, der in Deutschland geboren wurde und in Kalifornien aufwuchs, sitzt auch im Verwaltungsrat von Facebook. Die erste Enthüllung des Magazins "Forbes", er habe hinter Hogans Klage gestanden, hatte in den USA Debatten über den Einfluss reicher Bürger auf die Pressefreiheit angestoßen.

Das rund 30-minütige Sexvideo soll aus dem Jahr 2007 stammen und zeigt den ehemaligen Sportler beim Sex mit der damaligen Frau seines einst besten Freundes. Laut Hogans Aussage vor Gericht hatte ihn der Freund zum Sex mit seiner Frau ermutigt. Vom Video sei ihm damals nichts bekannt gewesen. "Gawker" zeigte 2012 Auszüge im Netz.

Nach Einschätzung amerikanischer Experten könnte das Urteil die künftige Berichterstattung über das Privatleben von reichen Prominenten nachhaltig beeinflussen und eine abschreckende Wirkung auf die Medien haben.

Peter Thiel Unterstützer von Donald Trump

"Ich unterstütze andere Menschen, denen "Gawker" Schaden zufügte und sich routinemäßig darauf verließ, dass ihre weniger vermögenden Opfer sich selbst bei klaren Verstößen nicht rechtlich wehren könnten", sagte Thiel dem "Wall Street Journal". "Ich unterstütze kein rechtliches Vorgehen gegen irgendeine andere Organisation."

Thiel spendete zugleich Geld an die Organisation Committee to Protect Journalists, die sich für Pressefreiheit einsetzt, will dass aber nicht als Gegensatz verstanden wissen. "Ich glaube nicht, dass Journalismus bedeutet, massiv in die Privatsphäre von Menschen einzugreifen", wird er von der "New York Times" zitiert. "Ich respektiere Journalisten und glaube nicht, dass diese durch eine Klage gegen 'Gawker' bedroht sind."  

Zuletzt sorgte er auch als Unterstützer für den umstrittenen republikanischen Präsidentschaftsanwärter Donald Trump für Aufsehen. 

fin/Andrej Sokolow / DPA