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Folgen der Coronakrise Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland fürchtet um seine Existenz

Corona-Schnelltest: Tübingen lockt Menschen zum Shoppen in die Innenstadt
Sehen Sie im Video: In Tübingen darf wieder geshoppt werden – Voraussetzung ist ein negativer Schnelltest.




Einkaufen im Laden? In Corona-Zeiten? Ohne Voranmeldung? In Tübingen ist das jetzt möglich bzw. nötig - Voraussetzung für's Einkaufen ist ein negativ verlaufener Corona-Schnelltest direkt vorm Gang in den Laden, damit gibt's dann - im Idealfall nach weniger als 30 Minuten - das Tübinger Tagesticket. Sozusagen, die Lizenz zum Shoppen. Die Stadt am Neckar hatte sich zuletzt über vergleichsweise niedrige Inzidenzwerte freuen können. Um die - auch angesichts der vom RKI konstatierten bundesweiten dritten Welle - nicht zu gefährden, erließ Oberbürgermeister Boris Palmer jüngst eine Allgemeinverfügung zur Testpflicht. Und wie kommt's an? "Ich denke, ich finde es super toll. Es kostet gar nichts, es war schnell. Also, ich glaube, das müssen wir machen, überall in der ganzen Welt." "Ich finde es eigentlich eine Voraussetzung dafür, dass hier jeder sich lustig in den Läden herum trollt, dass die Läden quasi in 14 Tagen nicht alle wieder dicht machen." Die Testpflicht gilt nur für die Läden und Betriebe, die bei einem erneuten Lockdown wieder schließen müssten, wie Geschäfte für Bekleidung oder Haushaltswaren. Lebensmittelmärkte, Drogerien und Buchläden sind von der Testpflicht ausgenommen, so auch der Laden von Ramona Sahm. Dennoch: "Ich finde es gut, dass wir pragmatisch sind, und dass wir was tun. Das ist das, was nach wie vor in ganz Deutschland fehlt. Man redet, redet, redet, aber die Tübinger, die tun's." Bei aller Begeisterung für die Idee hat sie allerdings Sorge, dass sich diese Ausnahme, die für ihren Laden gilt, nicht herumspricht und ihre Kunden aus Angst vor einem Test wegbleiben könnten. Friseure und KosmetikerInnen hingegen müssen sich das negative Testergebnis bzw. das Tagesticket zeigen lassen. Und: Auch wer ebendieses vorweisen kann, muss in den Betrieben und Geschäften trotzdem Abstand halten und eine Maske tragen. Sicher ist sicher, findet man hier in Tübingen.
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Viele deutsche Firmen kämpfen nach Angaben des Ifo-Instituts mit wachsenden Existenzängsten. Besonders hart sind die Folgen der Corona-Pandemie in der Tourismus-Branche und der Gastronomie zu spüren. Doch es gibt auch Gewinner.

Die Existenzängste der Unternehmen in Deutschland sind in der anhaltenden Pandemie wieder leicht gestiegen. Im Februar stuften 18,7 Prozent der Unternehmen in einer Ifo-Konjunkturumfrage ihre Existenz als gefährdet ein, wie das Münchner Forschungsinstitut am Donnerstag mitteilte. Im Schnitt aller Branchen fürchtet demnach fast jedes fünfte Unternehmen um die Existenz. Das sind wieder mehr als im vergangenen November (17,6 Prozent), aber weniger als gegen Ende des ersten Corona-Lockdowns im Mai 2020 (21,8 Prozent).

Tourismus und Gastronomie am stärksten betroffen

Insgesamt bietet die deutsche Wirtschaft ein uneinheitliches Bild. Die stärksten Konjunkturängste verzeichnete das Institut im Februar im Tourismusbereich. Der Umfrage zufolge waren knapp 84 Prozent der Reisedienstleister in ihrer Existenz gefährdet. Bei den Hotels in Deutschland betrug der Anteil rund 82 Prozent, in der Gastronomie seien es über siebzig Prozent. Im Einzelhandel haben sich laut Ifo 34,5 Prozent der Firmen gefährdet gesehen, in der Dienstleistungsbranche 26,3 der Unternehmen. "Insbesondere Unternehmen mit Liquiditätsproblemen fürchten um ihre Zukunft", sagte Ifo-Konjunkturforscher Klaus Wohlrabe.

Der Durchschnittswert beinhaltet auch die von der Krise nicht oder nur geringfügig getroffenen Wirtschaftszweige. In der Autoindustrie waren den Angaben zufolge nur gut zwei Prozent der befragten Unternehmen durch die Coronakrise wirtschaftlich gefährdet. Auch Rechts- und Steuerberater sind weiterhin gut ausgelastet. 

Wenig überraschend: Die geringsten Existenzsorgen hat derzeit die Pharmabranche, in der sich nur 0,9 Prozent der Unternehmen bedroht sehen. "Vergleichsweise entspannt" seien insgesamt auch das Bauhauptgewerbe mit einem Anteil von 3,6 Prozent sowie die deutsche Industrie mit 7,5 Prozent, erklärten die Forscher.

Die Frage nach der Existenzangst war Teil der regelmäßigen Ifo-Konjunkturumfrage in der deutschen Wirtschaft. Ihre neue Prognose wollen die Münchner Ökonomen in der kommenden Woche veröffentlichen.

les / DPA / AFP

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