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Energetische Gebäudesanierung: Fordern statt Fördern

Hausbesitzer müssen sich auf neue Auflagen einstellen: Die Dämmung des Eigenheims soll einem Zeitungsbericht zufolge Pflicht werden, alte Heizkessel sollen ausgetauscht und durch ökologischere Modelle ersetzt werden - auf eigene Kosten.

Von Peter Neitzsch

Schlecht gedämmte Häuser sind Energiefresser und bieten ein riesiges Einsparpotential. Die Bundesregierung will deshalb die energetische Sanierung zu einem Eckpfeiler der Energiewende machen: Bis 2050 soll der Energieverbrauch in Gebäuden um 80 Prozent sinken. Doch das Projekt kommt kaum voran: "Die Bürger kaufen eher neue Küchen oder lassen das Bad renovieren", klagt der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler.

Viele Hausbesitzer sind skeptisch, ob sich die teure Sanierung rechnet: 2011 wurden nur 0,8 bis 0,9 Prozent der Häuser saniert. Weit weniger als das Soll. Der Versuch, die ungeliebte Sanierung über Steuererleichterungen attraktiver zu machen, scheiterte Anfang Februar vorerst im Bundesrat. Auch für zinsgünstige Renovierungskredite will die Regierung, weniger Geld ausgeben als ursprünglich geplant.

Jetzt will das Umweltministerium einem Pressebericht zufolge das Problem durch Auflagen lösen: Hausbesitzer sollen stärker in die Pflicht genommen werden, um die Klimaziele und die nötigen Einsparungen für die Energiewende zu erreichen. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf ein Papier des Umweltministeriums berichtet, sollen die Auflagen bei der Dämmung von Wänden, Dächern und Fenstern, die bereits für Neubauten und öffentliche Gebäude gelten, auch auf ältere Privathäuser ausgeweitet werden.

Für Hausbesitzer könnte es teuer werden

Konkret bedeutet das: Im Falle größerer Renovierungsarbeiten könnten auch Besitzer privater Eigenheime zu weitreichenden Dämmungsmaßnahmen verpflichtet werden. Erwogen wird dem Bericht zufolge auch eine schrittweise Verschärfung der Abgasnormen für bestehende Heizkessel, so dass mehr alte Anlagen ausgetauscht werden müssten. An diesen Austausch sollen demnach ebenfalls umfangreiche Auflagen zur Gebäudedämmung geknüpft werden.

Zudem sollen die Gebäudeeigentümer beim Austausch des zentralen Wärmeerzeugers oder Heizkessels verpflichtet werden, einen Anteil ihres Wärme- oder Kälteenergiebedarfs von zunächst zehn Prozent durch erneuerbare Energien zu decken. Dies könne beispielsweise durch den Zukauf von Ökogas geschehen.

"Die Grenze des Leistbaren bereits erreicht"

Eine Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) betonte, in dem zitierten "Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz" würden keinerlei Festlegungen getroffen. Es sei noch völlig unklar, wie und zu welchem Zeitpunkt das seit 2009 geltende Wärmegesetz reformiert werden soll. Die Immobilienbranche kritisierte die Gedankenspiele des Ministeriums scharf: "Mit den hohen Anforderungen der Energieeinsparverordnung an die Energieeffizienz von Wohngebäuden ist die Grenze des Leistbaren bereits erreicht", erklärte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Immobilienwirtschaft, Axel Gedaschko.

Sollten die Pläne des Ministeriums umgesetzt werden, könnte dies für viele Hausbesitzer teuer werden: "Bei vielen alten Häusern ist quasi noch nichts gedämmt", sagt der Geschäftsführer des Immobilieneignerverbands "Haus und Grund", Stefan Walter, stern.de. Auf eine Wertsteigerung der Immobilie durch die Sanierung könne man nicht überall hoffen. "In vielen Regionen haben wir schrumpfende Wohnungsmärkte, da bekommen sie ihre Investitionskosten beim Verkauf nicht wieder herein."

Von Peter Neitzsch (mit AFP/DPA)