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"Hire or Fire": Absurde Karriereshow floppt

TV-Mogul John de Mol ging mit seiner Karriereshow "Hire or Fire" auf ProSieben mächtig baden. Trotz des Flops hält RTL an seinen Plänen für "Big Boss" fest.

"Unser Konzept ist ganz anders", sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. Mit Bayer Leverkusens Ex-Manager Reiner Calmund gebe es einen Moderator, den jeder kenne. Außerdem gehe es um Berufe, mit denen die Zuschauer etwas anfangen könnten. RTL hat zwar ein Quotenziel, das "Big Boss" erreichen soll, es wird aber nicht im Vorhinein genannt.

ProSieben hatte "Hire or Fire" am Dienstagabend nach nur einer Sendung mit sofortiger Wirkung wieder eingestellt. Als Grund nannte der Münchner Privatsender die geringe Zuschauerquote von sechs Prozent in der werberelevanten Gruppe von 14 bis 49 Jahren. "Das ist, gelinde gesagt, desaströs", schrieb die "Berliner Zeitung".

"Wenn das Interesse der Zuschauer an diesem Thema derart gering ist und sie wenig Lust haben einzuschalten, muss man der Wahrheit ins Auge sehen und Größe beweisen", sagte de Mol. "Deshalb finde ich die gemeinsame Entscheidung von ProSieben und mir nur konsequent. Wer floppt, fliegt eben." Unter diesem Motto stand auch die Premiere der TV-Show am Montagabend.

5.000 Bewerber wollten in die Show

In der ersten Folge musste Kandidat Anthony die Show verlassen. Dabei hatte er vor seiner Teilnahme bei "Hire or Fire" eigens seinen Job als Manager bei einem Fernsehsender gekündigt. Anthony war einer von zwei Teamleitern, die mit ihrer jeweiligen Gruppe ihre Kreativität unter Beweis stellen mussten. Insgesamt hatten sich mehr als 5.000 Frauen und Männer für die Show beworben.

Als erste Aufgabe sollten die zehn Kandidaten in zwei Teams der Presse eine Schlagzeile liefern. Anthonys Team versuchte es mit einer Autoputzaktion mit freizügig gekleideten Frauen. Das Geld sollte den Terroropfern von Beslan zu Gute kommen. Das Konkurrenz-Team schaffte es, Schlagersänger Jürgen Drews dazu zu bewegen, Geld an Arbeitslose zu verteilen.

"Ganz geschmackssicher waren beide Aktionen nicht, dafür aber irgendwie inhaltsleer, zeitgeistnah und zynisch", urteilte die "Netzeitung". Und "Spiegel Online" fragte: "Aber will man John de Mol sehen, diesen Rudi Carrell des TV-Marketings? De Mol, der noch nicht mal die Traute hatte, den Kostümbildner zu feuern, der ihm gleich für die erste Sendung ein grauenhaftes Sakko angedreht hat?"

ProSieben reagiert auf "Big Boss"-Start

In der geplanten Reihe wollte Fernsehproduzent John de Mol unter zehn Kandidaten Ausschau nach einem Kreativdirektor für eine TV-Produktionsfirma halten. RTL geht mit seiner Sendung "Big Boss" am 26. Oktober an den Start. Bei diesen Plänen bleibe es, sagte Eickmeyer. ProSieben kündigte hingegen an, den Start der Schönheitssendung "The Swan" auf den 9. November um 21.45 Uhr zu verschieben. "The Swan" sollte wie "Big Boss" am 26. Oktober um 20.15 Uhr starten und in direkter Konkurrenz zu der Karriere-Sendung laufen.

Entertainer Thomas Gottschalk kritisierte, dass in den neuen Shows wie "Hire or Fire" künstliche Situationen geschaffen würden, die das reale Leben nicht biete. "In Amerika ist es kein Problem, einen Donald Trump als erfolgreichen Unternehmer im TV zu präsentieren und um ihn eine Show zu stricken. Solche Shows werden einfach von deutschen Sendern eingekauft, als neue Errungenschaft angepriesen."

Zielgruppe hat sich aufgelöst

Filmproduzent und Medienexperte Lutz Hachmeister kritisierte, "Hire or Fire" habe sich zu sehr auf das Medium Fernsehen bezogen und das Publikum ausgeschlossen. "Die Show fand in einer artifiziellen Umgebung statt", sagte Hachmeister. "Vor fünf Jahren beim Boom am Neuen Markt hätte sie vielleicht noch funktioniert. Die Zielgruppe, die für die Sendung in Frage gekommen wäre, hat sich mittlerweile aufgelöst."