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Alltag im Job: Mittagessen fällt für jeden Dritten aus

Der Stress wächst, die Arbeitsbelastung auch: Immer mehr Deutsche verzichten deshalb auf die Mittagspause. Andere gönnen sich gerade Mal ein paar Minuten.

Von Sabine Meinert

Schnelle Mahlzeit vorm Bildschirm: für immer mehr Deutsche Alltag

Schnelle Mahlzeit vorm Bildschirm: für immer mehr Deutsche Alltag

Nur schnell nebenbei einen Happen - leider oft die Realität an deutschen Arbeitsplätzen: Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland macht nur 15 Minuten oder sogar gar keine Mittagspause - keine Zeit, keine Möglichkeit, keine Motivation. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Umfrage des Karriereportals Monster, die die Angaben von mehr als 10.000 Arbeitnehmern weltweit zu ihren Essensgewohnheiten bei der Arbeit zusammenfasst. Noch vor fünf Jahren waren es rund fünf Prozentpunkte weniger.

Jeder Dritte von Ihnen verzichtet tatsächlich vollständig und futtert allenfalls direkt am Schreibtisch ein Sandwich. Etwa jeder Fünfte traut sich zumindest für eine Viertelstunde in die Mittagspause. Ein Drittel der Befragten nimmt sich mindestens 30 Minuten Zeit und nur 18 Prozent gönnen sich demnach eine ganze Stunde, um den Druck der Arbeit und den Hunger abzubauen.

Häufig geht das Durcharbeiten darauf zurück, dass Mitarbeiter ihre Unverzichtbarkeit am Arbeitsplatz unterstreichen wollen, befürchtet Elke Guhl, Vice President Marketing Central Europe bei Monster. "Der Wunsch, besonders engagiert zu wirken, kann ein Grund dafür sein, dass Arbeitnehmer ihre Mittagspause ausfallen lassen."

Warum der Pausenverzicht auch unter Zeitdruck ein Fehler ist

Guhl verweist zudem darauf, dass Job und Freizeit sich durch Smartphones und Co. immer mehr vermischen, die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben wird immer unschärfer. "Technologische Forschritte machen es möglich, immer und überall Zugriff auf Arbeitsunterlagen zu haben. Studien belegen jedoch, dass regelmäßige Pausen die Produktivität und Leistung steigern und Burnout vorbeugen."

Am ehesten scheinen das noch Sekretärinnen verinnerlicht zu haben. Sie gelten als die Berufsgruppe, die dem Stress und hohen Aktenbergen nur selten entfliehen können. Jede zweite ist gezwungen, mit einem hastig reingewürgten Brötchen am Schreibtisch auszukommen. Zwölf Prozent verzichten regelmäßig darauf, in der Pause abzuschalten und sich entspannt zu sättigen. Doch die Assistentinnen gehören zu den sportlichsten Arbeitnehmern: 79 Prozent machen ein- oder sogar mehrmals pro Woche Sport und regenerieren so, was in verpassten Mittagspausen an Kraft verloren ging.

Im Ausland oft mehr Ruhe zur Mittagszeit

Doch an die Spätfolgen von gecancelten Mittagessen, denken die meisten Arbeitnehmer nicht. Zumindest hierzulande. In Schweden oder Mexiko dagegen lässt nur jeder Zehnte die Pause weg. In Frankreich und Spanien sind es schon mehr, jedoch halten hier auch noch relativ viele - wohl traditionell geprägt - an einer ausgedehnten Pause von gut einer Stunde fest (32 bzw. 23 Prozent). In Großbritannien dagegen scheint der Zeitdruck am größten. Immerhin 45 Prozent streichen dort den Gang zur Kantine oder essen während der Arbeit.

Wer sich seine Gesundheit erhalten will, muss selbst etwas tun, raten Experten. Einfach zu managen zum Beispiel: feste Essenszeiten einplanen, sich für die Pause mit Kollegen verabreden und ganz bewusst auch mal ein paar Schritte vor die Tür tun, um sich zu erholen.

Elke Guhl macht zudem deutlich: "Anstatt durch lange Präsenzzeiten am Arbeitsplatz sollte man sein Engagement durch das Erreichen von Produktivitätszielen zeigen, die man gemeinsam mit dem Vorgesetzten festlegt."

FTD