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Arbeitsmarkt-Experte: Deutschland hat fünf Millionen Arbeitslose

Die Arbeitsmarktstatistik wird künstlich runtergerechnet. Das meint zumindest der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Joachim Möller. Demnach hätte Deutschland derzeit nicht 3,4 sondern fünf Millionen Menschen ohne Arbeit.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat der großen Koalition vorgeworfen, die Arbeitslosigkeit in Deutschland künstlich niedrig zu rechnen. Es werde bei den Arbeitslosenzahlen "in der Tat an der Statistik-Schraube gedreht", sagte der Chef des an die Bundesagentur für Arbeit angegliederten IAB, Joachim Möller, der "Süddeutschen Zeitung".

Als Beispiel nannte der Experte die sogenannte "stille Reserve" von 625.000 Menschen, die sich wegen schlechter Vermittlungschancen gar nicht erst bei den Arbeitsagenturen meldeten. Hinzu kämen etwa eine Million Menschen, die nicht als arbeitslos gezählt würden, weil sie beispielsweise als Ein-Euro-Jobber arbeiteten, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien oder staatlich gefördert frühverrentet würden.

Zähle man alles zusammen, "kommt man in Deutschland auf gut fünf Millionen Menschen, die gerne arbeiten würden", erklärte Möller. Möller kritisierte, dass wechselnde Regierungen schon seit Jahrzehnten immer wieder an der Statistik gedreht hätten. Die große Koalition etwa habe es versäumt, die Frühverrentungs- Regelungen konsequent abzuschaffen.

"Das sind Entscheidungen, die ich in der Tat nicht nachvollziehen kann", sagte er fügte aber auch gleichzeitig an: " Vollbeschäftigung ist ein realistisches Ziel, aber sie kommt natürlich nicht von selbst." Die Bildungspolitik werde ein wichtige Rolle spiele. Nach Ansicht von Möller müsse mehr für die Ausbildung junger Menschen und die Qualifizierung älterer unternommen werden.

Die neuen Arbeitsmarktdaten werden am Donnerstag veröffentlicht. Für den Monat April wies die Bundesagentur für Arbeit eine Zahle von 3,41 registrierten Arbeitslosen aus.

msg/Reuters / Reuters