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ARBEITSVERMITTLUNG: Fernsehzuschauer vergeben Jobs

Der Privatsender Neun Live macht die Jobvermittlung zur Show und will eine Arbeitsvermittlungsshow starten. Zuschauer bestimmen telefonisch, wer aus einer Gruppe von Arbeitslosen einen ausgeschriebenen Job bekommt.

Der Münchner Privatsender Neun Live plant eine Show, in der die Zuschauer telefonisch bestimmen sollen, wer aus einer Gruppe von Arbeitslosen einen ausgeschriebenen Job bekommt. Als »Mitmach-Sender« finanziert sich Neun Live vor allem über 49 Cent teure Anrufe vorwiegend bei Gewinnspielen. In einem Interview in der »Financial Times Deutschland« hatte die Senderchefin Christiane zu Salm gesagt, es müsse auch noch andere Gründe geben, warum Leute bei einem Fernsehsender anrufen wollen, außer, dass sie gerade mal 100 Euro gewinnen könnten.

Heftige Proteste hat dieses Vorhaben beim Sozialverband VdK und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ausgelöst. »Arbeitsvermittlung ist eine seriöse Angelegenheit«, sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger. »Wer Arbeitslose zu Schauzwecken missbraucht, spielt auf schamlose und menschenverachtende Weise mit den Ängsten und Hoffnungen von Menschen.« Weiter kritisierte Hirrlinger: »Wer die Einschaltquoten auf Kosten Arbeitsloser erhöhen will, muss sich fragen lassen, ob er am richtigen Platz sitzt.«

Marcus Wolter, Programmdirektor bei Neun Live, verteidigte das Angebot mit den Worten: »Es wird so viel geredet, wir tun was. Es lohne sich schon, wenn nur ein Job pro Woche vergeben werde. Wenn es gut laufe, seien auch tägliche Vermittlungen denkbar.«

Zum Format der Sendung erklärte Wolter, die einstündige Sendung solle jeweils am Sonntagmittag laufen. Vorgesehen ist, dass Arbeitgeber freie Stellen mit unbefristetem Vertrag anbieten und Interessenten sich beim Sender melden. Neun Live wählt dann jeweils zwei konkurrierende Bewerber aus, die in der Show vorgestellt werden und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen. Aber auch praktische Tipps sollen die Arbeitssuchenden erhalten - zum Beispiel für eine Bewerbung. Allerdings steht nach Angaben des Programmdirektors das genaue Konzept noch nicht fest.