Arbeitszeit Arbeitnehmer schöpfen Urlaubsanspruch nicht aus


Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland nimmt laut einer Studie weniger Urlaubstage als ihm zustehen. Der Anspruch von im Schnitt 28 Tagen werde nur zu 26 Tagen ausgeschöpft.

Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland nimmt laut einer Studie weniger Urlaubstage als ihm zustehen. Der Anspruch von im Schnitt 28 Tagen werde nur zu 26 Tagen ausgeschöpft, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) heute mit. Vor allem Jüngere und Hochqualifizierte verkürzten den Urlaub. Dieser werde umso öfter ausgeschöpft, je größer der Betrieb ist. Grundlage sind Daten von 1999, die sich aber nicht wesentlich geändert hätten. Selbstständige nahmen demnach im Schnitt nur 14 Tage Jahresurlaub.

Da unter denjenigen, die einen verkürzten Jahresurlaub nehmen, besonders viele sind, die jünger sind, Überstunden machen und hochqualifiziert sind, kann man annehmen, dass sie die zusätzlichen Arbeitstage als Investition in ihr Humankapital beziehungsweise ihre Karriere betrachten.

In Deutschland wird mehr gearbeitet als statistisch ausgewiesen

Beamte, auch Beamte in höherer Stellung, schöpfen ihren Jahresurlaub (im Schnitt 30 Urlaubstage) nach eigenen Angaben weitgehend aus. Neben der Beschäftigungsform hat auch die Betriebsgröße einen Einfluss auf die Unterausnutzung des Urlaubsanspruchs: Mit steigender Anzahl der Beschäftigten im Betrieb wird der Tarifurlaub effektiver ausgeschöpft.

Im internationalen Vergleich steht abhängig Beschäftigten in Deutschland viel Erholungsurlaub zu. Allerdings schöpfen 30 Prozent von ihnen den tariflichen Urlaubsanspruch nicht vollständig aus. Für Beschäftigte reduziert sich das Urlaubsvolumen damit um insgesamt etwa 7 Prozent jährlich. Da dies bei der amtlichen Berechnung von Jahresarbeitsstunden unberücksichtigt bleibt, wird die tatsächlich geleistete Jahresarbeitszeit der abhängig Beschäftigten in der volkswirtschaftlichen Betrachtung unterschätzt. Denn der tarifliche Urlaubsanspruch übersteigt den tatsächlich genommenen Urlaub. Daraus folgt, dass tatsächlich mehr gearbeitet wird, als von den amtlichen Berechnungen angenommen. Da die meisten der Beschäftigten, die ihren Urlaubsanspruch nicht vollständig ausnutzen, sich diesen nicht auszahlen lassen können, führt dies tendenziell zu einer Überschätzung der Produktivität der Betriebe.


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