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Urlaubsanspruch: Darf ich mir bei Kündigung meinen Resturlaub auszahlen lassen?

Arbeitgeber kennen diese Situation: Das Arbeitsverhältnis ist gekündigt, und die Diskussion um die Resturlaube beginnt. Kann ich mir den Resturlaub auszahlen lassen? Und wie wird das berechnet? Und wie sieht es im Falle einer fristlosen Kündigung aus? Ein Faktencheck.

Frau teilt Geldscheine aus als Symbolfoto für Urlaubsanspruch bei Kündigung

Nicht genommener Urlaub darf, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, nicht einfach so ausgezahlt werden (Symbolfoto)

Getty Images

Ein Recht auf Urlaub hat jeder Arbeitnehmer. Aber wie sieht es mit dem Urlaub im Falle einer Kündigung aus? Wie viel Anspruch habe ich und kann ich mir den restlichen Urlaub auch einfach auszahlen lassen? Im Gespräch mit dem stern gibt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Kann sich der Arbeitgeber den restlichen Urlaub auch auszahlen lassen?

Leider nicht. Zwar wollen das immer viele, aber das Gesetz schreibt ausdrücklich vor, dass der Urlaub nur dann abgegolten werden darf, wenn der Urlaub nicht mehr genommen werden kann. Womöglich, wenn der Arbeitnehmer dauerkrank ist oder es sich bei der Arbeit um ein Saisongeschäft handelt. Wenn zum Beispiel einer, der im Einzelhandel arbeitet, zum 31. Dezember ausscheidet, ihn der Chef jedoch noch für das Weihnachtsgeschäft braucht und auch danach noch für die Inventur, dann kann der Urlaub auch ausgezahlt werden.

Wie berechnet sich dann das Urlaubsgeld?

Das Urlaubsgeld berechnet sich nach dem Tagessatz, den der Angestellte bekommt. Beispiel: Jemand verdient 2250 Euro brutto im Monat bei angenommen 22,5 Arbeitstagen sind das pro Tag 100 Euro. Schwieriger wird es bei Mitarbeitern, die kein konstant gleichhohes Einkommen haben, weil sie auf Abruf arbeiten, beispielsweise in der Gastronomie. Oder Provisionsempfänger wie Außendienstmitarbeiter die während einer Messe mehr verdienen, als an anderen Tagen. Man bildet dann auch hier den hypothetischen Tagesdurchschnittssatz.

Kann der Arbeitgeber den restlichen Urlaub auch einfach streichen?

Nein, das geht nicht. Urlaub ist ein gesetzlicher Anspruch, der kann nicht einfach so gestrichen werden.

Wie verhält es sich, wenn der Arbeitnehmer bereits seinen Jahresurlaub genommen hat und dann kündigt? Muss er dann "nacharbeiten"?

Nein. Dann hat der Arbeitgeber Pech gehabt. Allerdings kann sich der neue Arbeitgeber vom alten Arbeitgeber eine Bescheinigung geben lassen, wieviel Urlaubstage genommen wurde, sodass er nicht zweimal Urlaub bekommt. Interessant ist dabei: Wenn der Mitarbeiter in der zweiten Jahreshälfte, also zum 1. Juli oder später ausscheidet, hat er grundsätzlich Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub. Scheidet er früher aus, hat er nur anteilig Anspruch darauf.

Gibt es auch Resturlaubsansprüche bei einer Fristlosen Kündigung?

Ja und das tut vielen Arbeitgebern immer sehr weh. Wenn ein Mitarbeiter gekündigt wird, weil er womöglich in die Kasse gegriffen hat, dann ist er ja von heute auf morgen arbeitslos. Trotzdem hat er das Recht, dass sein nicht genommener Resturlaub ausgezahlt wird. Allerdings: Wenn ein Mitarbeiter anschließend Arbeitslosengeld erhält, muss er den Urlaubsabgeltungsanspruch in der Regel an die Arbeitsagentur abführen.