Aufschwung Arbeitnehmern winkt kräftiges Gehaltsplus


Erstmals seit Jahren können die deutschen Arbeitnehmer 2007 wieder mit einer spürbaren Erhöhung ihrer Löhne und Gehälter rechnen. Die Metallarbeitgeber und der SPD-Chef Kurt Beck plädieren für diesen Schritt.
Von Timo Pache und Sebastian Dullien

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sagte, die Beschäftigten seiner Branche sollten im kommenden Jahr "angemessen am Zuwachs und Erfolg" der Metallunternehmen teilhaben. Mehrere Bezirksvorsitzende der IG Metall stellten kräftige Lohnforderungen auf. Die Chefin des Bezirks Küste, Jutta Blankau, bezifferte die Forderung der Gewerkschaft für nächstes Jahr in der "Welt am Sonntag" auf fünf bis sieben Prozent.

Die Verhandlungen in der Metallbranche, in der rund 3,4 Millionen Menschen arbeiten, haben Signalwirkung für die gesamte Volkswirtschaft. Die Tarifrunde beginnt im Frühjahr: Am 26. Februar will die IG Metall ihre Forderung offiziell beschließen, der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende März aus. Darüber hinaus stehen 2007 Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie und im Baugewerbe an.

Rückendeckung von der SPD

Unterstützung erhielt die IG Metall von der SPD. Deren Vorsitzender Kurt Beck sagte in der "Bild am Sonntag", angesichts der guten Konjunktur sei es "Zeit für eine Lohnpolitik, die den Arbeitnehmern angemessene Lohnerhöhungen zubilligt". Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sagte der "Bild"-Zeitung: "Es ist Zeit für Mut, die Spirale nach oben zu drehen." Die Union hielt sich dagegen zurück. "Das ist Sache der Tarifvertragsparteien. Die Politik sollte sich da raushalten", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der FTD.

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser warnte aber vor übertriebenen Forderungen. So dürfe der Tarifabschluss die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte nicht gefährden. Auch schlug er vor, statt starrer Lohnerhöhungen Mitarbeiter stärker am Gewinn ihrer Unternehmen zu beteiligen. Klar sei aber, dass die Geschäfte der Metallbranche gut liefen. Daran "wollen und sollen" die Arbeitnehmer partizipieren.

Banken rechnen mit Zuwachs

Internationale Großbanken sehen ebenfalls Spielraum für Lohnerhöhungen. "Das starke Gewinnwachstum und die Senkung der Lohnnebenkosten 2007 geben den Unternehmen Manövrierraum, höhere Löhne zu bezahlen, ohne die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden", heißt es in einer Studie der Société Générale. Die Investmentbank Goldman Sachs wies sogar auf mögliche positive gesamtwirtschaftliche Effekte hin. Die Aussicht auf steigende Gehälter und damit höhere verfügbare Einkommen sei ein Grund, warum der Privatkonsum 2007 trotz höherer Mehrwertsteuer in Deutschland anziehen werde. 2008 wachse die Wirtschaft dann um 2,4 Prozent und damit deutlich stärker als in Frankreich oder Italien.

FTD

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