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Erfolgreiche Streiks: Gehaltsplus für Lufthansa-Personal

Der Streik hat Wirkung gezeigt: Verdi und Lufthansa haben ihren Tarifstreit beigelegt. Die Gehälter für das Bodenpersonal werden in zwei Schritten um 7,4 Prozent angehoben. Der Ausstand wird ausgesetzt. Der Flugbetrieb wird sich aber erst nach einiger Zeit normalisieren. Doch droht der Lufthansa neues Ungemach von einer anderen Gewerkschaft.

Nach tagelangen Streiks und Flugausfällen haben sich die Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifabschluss für mehrere zehntausend Beschäftigte geeinigt. Der unbefristete Streik soll umgehend beendet werden, wie beide Seiten auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mitteilten. Die Lohnerhöhung hat laut Lufthansa ein Volumen von 4,2 Prozent im Jahr und gilt für 34.000 Mitarbeiter am Boden.

"Der Streik wird beendet", betonte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Der Flugbetrieb werde sich aber erst nach einiger Zeit normalisieren. "Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität unseren Kunden anzubieten." Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott sagte, dass der Ausstand mit der Frühschicht am Samstag beendet werde. Nach Lauers Worten dauert es ein bis zwei Wochen, bis von den Folgen nichts mehr zu spüren ist. Auch am Freitag, dem fünften Tag des Arbeitskampfes, werden wohl wieder rund 130 Flüge ausfallen, darunter 30 Langstreckenverbindungen.

"Kein Abschluss im schmerzfreien Bereich"

Die Lufthansa bezifferte die Kosten des Abschlusses auf rund 100 Millionen Euro im Jahr. Der Kompromiss sieht vor, dass die Gehälter rückwirkend zum 1. Juli um 5,1 Prozent steigen. Ab dem 1. Juli 2009 gibt es einen weiteren Anstieg um 2,3 Prozent. Hinzu kommt eine Einmalzahlung für 2008, die je nach Erfolg des Geschäftsbereichs bis zu 2,4 Prozent eines Jahresgehalts beträgt. Die Laufzeit des Vertrages liegt bei 21 Monaten bis Ende Februar 2010. Umgerechnet auf ein Jahr erhöhen sich die Gehälter um 4,2 Prozent.

Eigentlich soll der Abschluss auch für das Kabinenpersonal gelten. Doch hier könnte der Lufthansa neues Ungemach drohen. Denn ein großer Teil des Kabinenpersonals wird nicht von Verdi, sondern von der konkurrierenden Gewerkschaft UFO repräsentiert. Und deren Verteter bezeichnete den Abschluss als zu niedrig. "Wir wollen für die Flugbegleiter eine deutlichere Erhöhung", sagte UFO-Verhandlungsführer Joachim Müller. Der UFO-Tarifvertrag läuft jedoch noch bis zum Jahresende. Verhandlungen wird es damit wohl erst zu Beginn 2009 geben.

Lauer erklärte, der Abschluss sei in Anbetracht des Tarifkonfliktes mit mehreren Streiktagen ein Kompromiss, der allerdings das Unternehmen erheblich belaste. "Es ist sicherlich für beide Tarifpartner kein Abschluss im schmerzfreien Bereich." Die Einigung sei nur mit Blick auf die lange Laufzeit und der ergebnisbezogenen Einmalzahlungen vertretbar. Die höheren Kosten müssten über eine bessere Produktivität aufgefangen werden. Die Einbußen für das Unternehmen durch den Streik mit mehreren hundert ausgefallenen Flügen bezifferte Lauer auf "einen deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Betrag".

Gespräche "quälerisch und schwierig"

Verdi will seine Mitglieder in einer Urabstimmung über das Ergebnis entscheiden lassen. Sie soll am Mittwoch beginnen und übernächste Woche am Dienstag beendet sein. Der Einigung vorausgegangen waren informelle Gespräche zwischen Verdi und Vertretern des Unternehmens am Donnerstag. Ott sagte, er habe mit dem Lufthansa-Manager Lauer bis in den Abend hinein verhandelt. Dies sei sehr "quälerisch und schwierig" gewesen. Die Gespräche hätten mehrmals knapp vor dem Abbruch gestanden. Über das Ergebnis beriet die Tarifkommission von Verdi zunächst in der Nacht und dann am Morgen. Verdi hatte für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine ursprünglich 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr gefordert. Die Lufthansa bot 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive einer Einmalzahlung.

AP/Reuters / AP / Reuters