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AUSBILDUNG: Viel zu starr

Ganz so schlecht wie in Sachen Schulbildung sieht es bei der Berufsbildung hierzulande nicht aus. Dennoch: Reformen sind überfällig, so das Ergebnis einer neuen Studie.

Das deutsche Ausbildungssystem ist viel zu starr, gewährleistet aber nach wie vor einen hohen Standard: So schätzten 2000 Fachleute aus Betrieben, Schulen und Gewerkschaften die Leistung des deutschen Berufsschulsystems ein. Das geht aus einer Studie hervor, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn vorgestellt hat.

Leistungsschwächere mehr fördern

Die Experten fordern unter anderem eine stärkere Förderung von leistungsschwachen Jugendlichen und Migranten sowie eine praxisbezogene Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte an Berufsschulen. 11,9 Prozent aller Jugendlichen bleiben ohne Ausbildungsabschluss. »Diese Zahl ist viel zu hoch«, sagte Walter Brosi, Leiter des mit der Studie befassten Forschungsbereichs.

Während es für Jugendliche mit Abitur inzwischen eine Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten gebe, seien leistungsschwache Jugendliche vernachlässigt worden. Darüber, wie sie gefördert werden können, herrscht der Studie zufolge Uneinigkeit: Die Arbeitgeber fordern die Entwicklung spezieller Ausbildungsmöglichkeiten für leistungsschwache Jugendliche, die Gewerkschaften lehnen einen solchen Sonderweg ab.

Eingliederungskurse für Migranten

Deutlich mehr Migranten als deutsche Jugendliche bleiben nach der Schule ohne Ausbildungsabschluss. Bei den deutschen Jugendlichen sind es acht Prozent je Jahrgang, bei den Migranten hingegen bis zu 40 Prozent. Die Experten verlangten als Gegenmaßnahme die Entwicklung von Eingliederungskursen für Migranten, bei denen sprachliche und berufliche Qualifizierung parallel laufen. Zugleich solle nach Möglichkeiten gesucht werden, die Mehrsprachigkeit der Migranten zu nutzen.

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