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Business Angels: Erste Hilfe von den "Geschäfts-Engeln"

Laut einer aktuellen Studie hat sich der Markt für informelles Beteiligungskapital 2003 trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds ausgesprochen positiv entwickelt.

Der Markt für informelles Beteiligungskapital hat sich 2003 trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds ausgesprochen positiv entwickelt. Dies ist ein Schlüsselergebnis einer aktuellen Studie, die der Verband "Business Angels Netzwerk Deutschland e.V." (BAND), vorgestellt hat. Sie basiert auf einer Umfrage, an der über die Hälfte (51 Prozent) der rund 40 regionalen Business Angels-Netzwerke teilgenommen hat.

Insgesamt gibt es in Deutschland momentan mehr als 1.000 "Geschäfts-Engel", die in regionalen Verbänden (Netzwerken) organisiert sind. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 40 Prozent gegenüber der letzten Untersuchung des Spitzenverbandes aus dem Jahr 2001.

Unter einem Business Angel wird ein Privatinvestor verstanden, der ein aufstrebendes Unternehmen sowohl mit Kapital als auch mit Know-how, Engagement und Zugang zu seinen persönlichen Geschäftskontakten unterstützt. Dadurch erhalten Firmen schon in frühen Gründungsphasen, in der Risikokapitalgesellschaften und Banken meist noch kein Interesse zeigen, finanziellen Beistand von einem erfahrenen Manager.

"Jetzt gilt es, den Markt zu penetrieren"

Der "Durchschnitts-Engel" ist 51 Jahre alt, männlich und hat langjährige Berufserfahrung hinter sich. "Ein Business Angel hat zwei Flügel. Einer besteht aus der Kapitalbeteiligung, der zweite aus der persönlichen Unterstützung durch Know-how und Kontakte", betont Dr. Ute Günther, Vorstand des Business Angels Netzwerk. Dem gegenüber stehen jährlich rund 11.700 Unternehmen, die gezielt nach einem Business Angel suchen.

Über die Hälfte (60 Prozent) der heutigen Business Angel-Organisationen in Deutschland sind in der Boomphase 1999/2000 gegründet worden. Bemerkenswert: Auch nach dem Ende des Hype kommen jedes Jahr rund zehn Prozent Neugründungen hinzu. Initiatoren sind in erster Linie die Industrie- und Handelskammern, gefolgt von öffentlichen Trägern wie Wirtschaftsministerien und Existenzgründerinitiativen. Immerhin ein knappes Viertel (22 Prozent) der regionalen Organisationen sind von Privatpersonen beziehungsweise von Unternehmen der Privatwirtschaft gegründet worden. 87 Prozent der Business Angel-Netze grenzen sich eindeutig von Mentorengruppen und Gründerprojekten ab.

"Der Markt für informelles Beteiligungskapital hat seinen Selbstfindungsprozess in Deutschland weitgehend abgeschlossen. Die Mehrzahl der Beteiligten - Privatpersonen und Firmen - hat ein klares Bild von der Funktion des Business Angels. Jetzt gilt es, den Markt zu penetrieren und noch mehr Privatinvestoren und aufstrebende Unternehmer zum Mitmachen zu bewegen", sagt Dr. Roland Kirchhof, Vorstand des Business Angels Netzwerk.

Im Durchschnitt gibt es nach einer Woche ein Feedback

Die Mehrzahl der regionalen Netzwerke (65 Prozent) geben Unternehmen auf Kapitalsuche in so genannten Matching-Veranstaltungen Gelegenheit, sich einer Gruppe von potenziellen Kapitalgebern vorzustellen. In 35 Prozent der Fälle treffen Firma und Investor im Einzelgespräch aufeinander. Durchschnittlich werden 44 Prozent der Unternehmen, die sich bewerben, genauer unter die Lupe genommen. 12 Prozent bekommen die Chance zur Präsentation vor den "Geschäfts-Engeln". Die Mehrzahl der Business Angels-Netzwerke ist offen für kapitalsuchende Unternehmen aller Branchen, lediglich 11 Prozent sind auf bestimmte Fachgebiete wie beispielsweise Informationstechnologie oder Life Science fokussiert.

30 Prozent der Business Angel-Netzwerke verlangen einen Businessplan, um sich ein genaues Bild zu machen, 29 Prozent begnügen sich mit einer Executive Summary. Wer ein gutes Geschäftskonzept hat, kann sich trotz regionaler Organisation der Business Angels in Deutschland erfolgversprechend bei einem Netzwerk außerhalb des eigenen Wirtschaftsgebietes bewerben. Nicht einmal ein Drittel (30 Prozent) der Netzwerke sind ausschließlich auf Firmen aus der eigenen Region festgelegt; die Mehrheit steht auch Unternehmen aus anderen Landesteilen positiv gegenüber. Der Zeitraum für die Firmenanalyse (Screening) hat sich seit der letzten Umfrage des Spitzenverbandes der Business Angels von elf auf acht Tage verkürzt, nennt BAND eine weitere erfreuliche Entwicklung. Im Durchschnitt erfährt das Unternehmen also nach einer Woche, ob es zur Präsentation zugelassen wird.

"Trotz des Niedergangs der New Economy zwischen 2001 und 2003 hat es die Szene der Business Angels in Deutschland im gleichen Zeitraum geschafft, nicht nur bestehen zu bleiben, sondern die Professionalität und die Expansion zu stärken", resümiert BAND-Vorstand Dr. Roland Kirchhof.

BAND hat das Ziel, die Business Angels-Kultur in Deutschland zu fördern und den informellen Beteiligungskapitalmarkt aufzubauen. Der Verein versteht sich als Sprecher der Business Angels Netzwerke gegenüber Politik und Öffentlichkeit und als Vertreter der Interessen der Business Angels. Getragen wird er von Business Angels Netzwerken sowie öffentlichen und privaten Mitgliedern und Sponsoren.

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