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Demonstration in Frankfurt: Gelddrucker in Nöten

Sie machen Unmengen von Geld - und sind dennoch existenziell bedroht. Rund 400 Gelddrucker müssen in Deutschland um ihren Job bangen. Jetzt haben sie demonstriert. Wo? Natürlich vor der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.

Von Sebastian Kemnitzer

Erst schrieben sie einen Brandbrief an Bundesbank-Chef Axel Weber, am Dienstag haben sie vor den Toren des Instituts in Frankfurt lautstark demonstriert: rund 230 Gelddrucker, die an den Standorten Berlin, München und Leipzig täglich vier Millionen Euro-Banknoten drucken. Sie fürchten, im kommenden Jahr ihre Arbeitsplätze zu verlieren.

Worum geht's? Zum ersten Mal hat die Deutsche Bundesbank die Produktion der 1,6 Milliarden Euro-Noten für den Bargeldbedarf 2011 in Deutschland international ausgeschrieben - als erstes Euroland von Gewicht. Jetzt sieht es danach aus, dass mit rund 80 Prozent der Großteil der Produktion ins Ausland wandern könnte - die wieder verstaatlichte Bundesdruckerei in Berlin würde demnach leer ausgehen, das Unternehmen Giesecke & Devrient 20 Prozent produzieren. In den kommenden Wochen entscheidet die Vergabekammer des Bundes, ob das Prozedere der Bundesbank rechtmäßig ist.

Die Gelddrucker haben wenig Verständnis für das Vorgehen der Notenbank. "Es kann nicht sein, dass bei einem staatlichen Auftrag ein staatliches Unternehmen nicht berücksichtigt wird", schimpft Detlef Bachler, Betriebsratsvorsitzender der Bundesdruckerei. "Wir haben zig Millionen Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt und stehen jetzt mit leeren Händen da." In der Bundesdruckerei in Berlin und bei Giesecke & Devrient stehen insgesamt 400 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Entscheidung im September

Die Bundesbank verteidigt die Vergabe. "Es muss auf Wirtschaftlichkeit geachtet werden", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der "Börsenzeitung". Allerdings würde die Bundesbank natürlich die Entscheidung der Vergabekammer abwarten, bevor der Auftrag endgültig vergeben wird. Vorstandsmitglied Thiele rechnet mit einer Entscheidung im September.

Andreas Fröhlich, zuständiger Tarifsekretär bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, hofft immer noch auf ein Einlenken der Bundesbank. Im Ausland würden viele Gelddruckaufträge gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sagt er. "Auch die Bundesbank hätte den Auftrag jetzt nicht europaweit ausschreiben müssen." Betriebsrat Bachler hat bereits angekündigt, sich an die Politik zu wenden, sollte die Bundesbank nicht zu einem Einlenken bereit sein. "Wenn die Banker nicht mit uns sprechen, dann wenden wir uns direkt an die Bundesregierung, an Angela Merkel", sagt Bachler.