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Eigentümerfirmen: Lukrative Familienbande

Unternehmen in den Händen anonymer Aktionäre, geführt von gewinnsüchtigen Managern, die nur von Quartalsbericht zu Quartalsbericht denken? Ein Gegenmodell zu diesem Bild des Kapitalismus sind familiengeführte Firmen.

Jüngeren Studien zufolge stehen eigentümergeführte Firmen besser da, weil sich die Familien stärker mit der Firma verbunden fühlen und die langfristige Wertsteigerung im Blick haben. Ganz ohne Gefahren ist das Modell allerdings nicht. Mehr als 75 Prozent aller Firmen im deutschsprachigen Raum werden von Familien geführt. Es sind überwiegend kleine oder mittelständische Betriebe. Die HypoVereinsbank (HVB) hat die Aktien-Entwicklung der 50 größten von knapp 150 börsennotierten Familienunternehmen in Deutschland untersucht. Darunter sind Firmen wie BMW, Altana und Henkel, aber vor allem auch viele kleinere wie der IT-Produzent Maxdata aus dem nordrhein-westfälischen Marl. Voraussetzung war, dass die Familie mindestens 25 Prozent der Aktien hält und eine wichtige Rolle im Vorstand oder Aufsichtsrat spielt. Im Ergebnis haben diese Firmen von 1990 bis Mitte 2004 den DAX durchschnittlich um 6,8 Prozentpunkte übertroffen.

Ähnliches zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Ernst & Young und der Universität St. Gallen über die Schweizer Börse. Auch dort entwickelten sich die Aktienkurse der familiengeführten Firmen überdurchschnittlich gut. Nach Berechnungen des "Handelsblatts" überholen Familienunternehmen sogar die börsennotierten Konzerne. Im vergangenen Jahr steigerten die 50 größten Privatunternehmen in Europa ihren Umsatz um durchschnittlich 11,1 Prozent. Die 50 im Dow-Jones-Euro-Stoxx notierten Konzerne wuchsen nur um 4,5 Prozent.

Grund für den Erfolg der Familienunternehmen ist den Studien zufolge die grundsätzliche Übereinstimmung zwischen den persönlichen Zielen des Eigentümers und den Zielen der Firma. So seien im Durchschnitt 69 Prozent des Familienvermögens in der Firma investiert, heißt es in der Schweizer Untersuchung. "Die langfristige Unternehmensstrategie muss diesem Umstand Rechnung tragen und darf die Investitionen und damit einen großen Teil des Familienvermögens nicht gefährden." Die Unternehmer würden also eine weniger risikoreiche Strategie fahren, weil sie selbst davon profitierten, sagt HVB-Analyst Peter-Thilo Hasler, Autor der deutschen Untersuchung. Weil sie oft bereits als Kinder mit der Firma aufwüchsen, kennten sie sich außerdem besser auf den jeweiligen Märkten aus. "Die Gründermanager können sich besser mit dem Unternehmen identifizieren als die Manager-Manager", sagt Hasler.

Loyalität der Gründerfamilien höher

Nach Einschätzung der Experten ist auch die Loyalität der Gründerfamilie zur Firma höher. "Manager werden für einen bestimmten Zeitraum für eine bestimmte Arbeit bezahlt. Sie können sich auch bei einem Konkurrenten bewerben. Das wäre in Familienunternehmen undenkbar", sagt Knut Lange, Professor am Institut für Familienunternehmen der privaten Universität Witten/Herdecke.

Familienunternehmer fühlten sich zudem eng mit der Region verbunden, sagt Lange. Das spielt seiner Ansicht nach auch eine Rolle bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen. Ein Familienunternehmer investiere eher in die Produktion am Heimatstandort, auch wenn es in Osteuropa billiger sei. "Familienunternehmen sind wesentlich stärker regional verwurzelt."

Gefahrenquelle Familienkrach

In der Struktur der Familienunternehmen liegen aber auch Gefahren, die zum Scheitern führen können. Krach im Clan kann zum Beispiel die Zersplitterung oder das Ende einer Firma bedeuten. Das Keksimperium der Bahlsen-Familien etwa wurde Ende der neunziger Jahre nach Kontroversen unter den Verwandten aufgeteilt. Solche Fälle berücktsichtigen die Studien nicht.

Die Nachfolge bringt ebenfalls Probleme. "Die Familie ist gezwungen, in jeder Generation einen Unternehmer auf die Welt zu bringen", sagt Lange. Der Kreis der potenziellen Nachfolger sei daher klein, bei der Auswahl komme es häufig zum Streit. Laut Prognose des Instituts für Mittelstandforschung stellt sich die Frage jährlich bei etwa 71.000 meist kleinen oder mittelständischen Betrieben, von denen pro Jahr rund 5900 mangels Nachfolger schließen müssen.

Nicola Wanner/DPA / DPA