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Probleme mit der Sprache: Sieben sprachliche Fettnäpfchen, die Sie bei US-Kollegen besser vermeiden sollten

Natürlich sprechen Sie Englisch - aber auch so, dass Sie alle Hürden im Berufsleben umschiffen können? Gerade wer mit US-amerikanischen Kollegen zusammenarbeitet, kann sich sprachlich schnell in missliche Situationen quatschen. 

Von Judith Geiß

Missverständnis im Büro

Rätselraten im Büro: Was meint der deutsche Kollege nur mit diesen Zeilen?

Mit der Sprache ist das ja immer so eine Sache. Denn so eindeutig, wie man etwas vermeintlich formuliert hat, muss es eben gar nicht ankommen. In der Kommunikation kann einiges schief gehen, wenn die Emails mehrdeutig formuliert wurden. Richtig kompliziert wird es aber, wenn noch eine sprachliche Barriere dazukommt - nämlich die englische Sprache. Zwar ist diese Fremdsprache heute in vielen Firmen üblich und auch in den Bewerbungen rühmen sich die Bewerber, dass sie natürlich feinstes Englisch sprechen und schreiben können. Doch in der Praxis zeigt sich: Es gibt einige Hürden, die einen schnell zum Trottel bei den Kollegen machen können. Hier kommen sieben sprachliche Fehler, die Sie besser vermeiden sollten: 

1.   Nennen Sie Ihren Vorgesetzten nicht "Chef"

Vielleicht denken Sie sich: "'Boss' zu sagen, das klingt ein bisschen zu sehr nach amerikanischem Mafia-Film". Also gehen Sie zu Ihrem Vorgesetzten und sagen "Here's the report you asked for, Chef!"

Ich kann Ihnen versprechen: Der Mann wird Sie verwundert anschauen – denn Sie haben gerade einen Chefkoch aus ihm gemacht. Als "Chef" bezeichnet man in den USA nämlich nur die Vorgesetzten in der Küche. Benutzen Sie also lieber einfach nur seinen Namen – und zwar dem Vornamen. Das ist in den USA komplett normal, auch Vorgesetzten gegenüber. 

Judith Geiß

Judith Geiß begleitet Unternehmen nach einer amerikanischen Übernahme. Auf ihrem Blog "thebridge-online.com" gibt sie Tipps, wie man eine Übernahme überlebt – und besser mit Amerikanern zusammen arbeitet.

2.   Sagen Sie in E-Mails nicht "Thank you in advance"

Als ich selbst das erste Mal mit Amerikanern zu tun hatte, gab ich mir sehr viel Mühe mit allen E-Mails. Ich wollte ja auf gar keinen Fall etwas falsch machen!

Bald lernte ich aber: Amerikaner sind viel weniger ausschweifend in Ihren E-Mails, als wir das gewöhnt sind. Sie mögen es "on the point". Und wenn man sich mit "thank you in advance" vorab bei Ihnen bedankt, fühlen Sie sich nicht etwa freundlich behandelt – sondern im Gegenteil: bedrängt.

Für sie klingt das nämlich, als wollte ihr Gegenüber sie zur Eile antreiben: "Ich sag schon mal danke, denn du lieferst ja sicher sofort – right?!"

(Noch mehr Tipps, wie Sie maximal höflich in Ihren E-Mails an amerikanische Kollegen klingen, finden Sie übrigens in diesem Blogpost

3.   Sagen Sie nicht "eventually", wenn etwas ENDLICH passieren soll

Ihnen dauert etwas viel zu lange und Sie möchten beim US-Kollegen einfordern, dass nun endlich mal geliefert werden müsse?

Dann verwenden Sie dabei bitte nicht das Wort "eventually", das für uns Deutsche vom Wortstamm her so nahe am "endlich" liegt – es heißt nämlich "schlussendlich".

Und wie würde es wohl für Sie klingen, wenn Sie die Aufforderung bekämen, "schlussendlich" die Zahlen für den Projektbericht einzureichen?

Sie würden es sicher als nicht sonderlich dringend einstufen. «Schlussendlich» ist schließlich die große Schwester von "irgendwann". 

4.   Üben Sie keine direkte Kritik

In der Zusammenarbeit mit einem US-Kollegen ist etwas gründlich schiefgelaufen? Sie haben über Dritte erfahren, dass man sich dort drüben nicht an die vereinbarte Vorgehensweise hält?

Dann sollten Sie jetzt vorsichtig sein: So kurz und knapp sich Amerikaner in E-Mails auch ausdrücken – wenn es um Kritik geht, sind sie höflichere Formulierungen gewöhnt, als wir das kennen.

Meine Empfehlung: Üben Sie die Kritik nicht so direkt, wie Sie das gern würden, sondern sagen Sie eher "I was surprised to hear…"

Schon das wird als deutliche Missbilligung beim Gegenüber ankommen.

5.   Sagen Sie nicht, Sie seien am "Gymnasium" gewesen

Vielleicht unterhalten Sie sich ja mal mit einem neuen US-Kollegen über die Schulzeit. Und Sie mühen sich, nicht einfach nur von der "School" zu reden, schließlich ist Ihr Wortschatz schon viel ausgefeilter als das! Also sagen Sie: "I graduated from a Gymnasium" – und haben dem Amerikaner damit mitgeteilt, dass Sie Ihren Abschluss in einem Fitness-Studio erlangt haben.

Die korrekte Bezeichnung wäre schlicht und ergreifend "High School". Dass es in Deutschland so viele Unterschiede zwischen den Bildungseinrichtungen gibt, ist den Amerikanern eher egal. 

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6.   Bitten Sie nicht darum, sich auf ein "Date" zu einigen, wenn Sie jemanden treffen wollen

Sie möchten einen Termin für eine Telefon-Konferenz mit einer amerikanischen Kollegin vereinbaren? Dann sagen Sie jetzt bitte nicht, man müsse jetzt mal über ein konkretes "date" sprechen. Sie meinen damit vielleicht ein Datum – die Kollegin aber wird meinen, sie sei gerade angebaggert worden!

Ein "date" ist im Amerikanischen eine Verabredung zwischen zwei Flirtenden. Sagen Sie also lieber: "Let's talk about a time".

7.   Laden Sie einen amerikanischen Kollegen nicht in die "Canteen" ein

Mittagspause beim Meeting in der US-Mutterfirma – jetzt erst mal in die Kantine! Hm, aber wo war die nochmal genau? Mal einen der amerikanischen Kollegen fragen: "Excuse me, where's the company canteen?"

Harmlose Frage – die sicher irgendetwas zwischen Stirnrunzeln und lauten Lachern auslösen wird.

Denn Sie haben den Kollegen gerade nach der Firmen-Feldflasche gefragt… 

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