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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum Boris Becker für mich immer ein Held bleibt

1985 gewann ein rotblonder Junge mit 17 Jahren Wimbledon. Für Schlagzeilen sorgt Boris Becker auch heute noch, auch wenn sie wenig mit Sport zu tun haben. Für Frank Behrendt, einen seiner damaligen Fans, kein Grund, jetzt über den Leimener herzuziehen. Im Gegenteil.

Nach dem Wimbledonsieg versuchte auch Frank Behrendts Fahrradverleih ein bisschen von Boris Beckers Popularität zu profitieren

Nach dem Wimbledonsieg versuchte auch Frank Behrendts Fahrradverleih ein bisschen von Boris Beckers Popularität zu profitieren

An den Sommer 1985 kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich diente als Nachschubbuchführer bei der Bundeswehr in Stade und es war nicht meine glücklichste Zeit. Ich konnte es an den Freitagen kaum erwarten, am Nachmittag zu meinem Stubenkollegen in seinen tiefergelegten Golf GTI zu steigen, um von ihm auf seinem Weg nach Cuxhaven vor dem Otterndorfer "Café Brüning" am Kirchplatz abgesetzt zu werden.

An einem Sonntag saß unsere gesamte Familie daheim mitfiebernd vor dem Fernseher. Keiner von uns hatte bisher mit Tennis irgendetwas am Hut gehabt geschweige denn gespielt. Wir ruderten, schauten Fußball, fertig. Aber dieser unbeschwerte Bursche im weißen Dress mit seinem Racket faszinierte nicht nur uns. In seinen Erstrunden-Spielen musste der ungesetzte Youngster vor stehenden Zuschauern auf Außenplätzen auflaufen. Er blieb cool und schlug einen nach dem anderen. Im Finale fertigte Boris dann Kevin Curren mit 3:1 Sätzen ab. Ekstase, Hymnen, Schlagzeilen, kollektive nationale Verliebtheit.  Leimen war plötzlich ein Wallfahrtsort. 

Für unseren heimischen Fahrradverleih nutzten wir die Popularität des neuen Helden direkt aus: "Boris Becker kommt nach Otterndorf" schrieben wir auf ein Schild, das wir an einem kleinen roten Fahrrad befestigten. Ganz klein stand unter den fetten Lettern: "Wenn er hört, dass wir Fahrräder schon ab 2 Mark vermieten." 

Auch später verfolgte ich die Karriere des jüngsten Wimbledon-Siegers, ebenso seine Aktivitäten abseits des Courts. Er machte Fehler, wie wir alle. Er ist schließlich ein Mensch, auch wenn er zuvor von vielen als Überirdischer gesehen wurde. In den letzten Monaten, Wochen und Tagen wurde wieder allerhand geschrieben, auch diverse hämische und böse Kommentare waren dabei. Boris schlug zurück, nicht immer so elegant wie einst auf dem Platz, aber wer will es ihm verdenken.

Als mein Sohn kürzlich in der Schule mit einem Kumpel ein Referat über die Geschichte des Tennissports halten musste, googelten die Jungs allerhand zusammen. Sie stießen natürlich auch auf Boris Becker. "Kennst Du den?" wurde ich gefragt. Ich zeigte den Jungs auf Youtube einen Clip seines legendären ersten Triumphes auf dem heiligen grünen Londoner Rasen.

Am Ende reckt der junge König den goldenen Pokal in den Himmel. Und lachte, das Lachen eines großen Jungen, der selbst überrascht war von dem, was er da erreicht hatte. Boris war damals ein großer Kämpfer und ist es heute noch. Er fiel bei seinen Matches nie, er hechtete. Und stand immer wieder auf. Er wird es auch künftig tun. Auch dafür gebührt ihm unser Respekt. 

Boris Becker Lilly Becker