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Frauengehälter: Gebt uns, was uns zusteht!

Frauen in Deutschland erhalten im Schnitt 22 Prozent weniger Lohn als Männer - für die gleiche Arbeit. Dieses Gefälle verdammt viele Frauen dazu, zu Hause zu bleiben statt zu arbeiten. Ein erstes Mittel gegen diese Unverschämtheit ist ein größeres Selbstbewusstsein: Frauen müssen bei ihren Gehaltsverhandlungen die gleiche Härte an den Tag legen wie ihre männlichen Kollegen.

Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Da haben wir es wieder: Frauen verdienen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer. Zweiundzwanzig Prozent! Damit gehören wir in Europa zu den Schlusslichtern. Nur in Estland, der Slowakei und Zypern ist der Abstand noch größer. Fast ein Viertel weniger Bares auf dem Konto zu haben ist keine Bagatelle, sondern eine Riesen-Sauerei.

Aber leider nichts Neues. Seit Jahren kritisiert EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla die Situation der deutschen Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Zwar arbeiten bei uns 66 Prozent der Frauen - aber vor allem in Teilzeit. Rechnet man ihre Erwerbsbeteiligung auf volle Stellen um, sind nur noch 46 Prozent berufstätig.

Gerechte Bezahlung würde Frauen motivieren, mehr zu arbeiten

Die meisten Frauen arbeiten um die 20 Stunden pro Woche. Mehr ist für die meisten nicht möglich, weil gute und flexible Kinderbetreuung fehlt und sich bei Steuerklasse Fünf der zusätzliche Stress finanziell nicht lohnt. Eine gerechte Bezahlung könnte die Frauen motivieren, mehr zu arbeiten. Das würde nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch die Sozial- und Steuerkassen füllen.

Was muss sich ändern? Zum einen das System: In Branchen, in denen viele Männer arbeiten, wie in der Chemieindustrie, werden höhere Löhne gezahlt als in der Pflege, wo vor allem Frauen die Alten und die Kranken waschen. Verantwortung für Maschinen zählt mehr als die für Menschen. Das dürfen wir nicht einfach mehr so klaglos hinnehmen.

Warum so schüchtern?

Zum anderen müssen die Frauen sich selbst um ihr Gehalt kümmern. Hand aufs Herz, wann haben Sie das letzte Mal verhandelt? Noch nie? Dann sind Sie in bester Gesellschaft: Für Frauen ist eine Gehaltsverhandlung ungefähr so verlockend wie ein Zahnarztbesuch, fand eine amerikanische Wissenschaftlerin heraus. Aua! Männer sehen die Verhandlung mit dem Chef eher als eine Art Boxkampf, ein Spiel, das sie gewinnen wollen. Dabei wissen Frauen doch auch sonst, wo es die besten Schnäppchen gibt und wie sie Männer dazu bringen, das zu tun, was sie wollen. Warum im Job so schüchtern?

Weil wir Erfüllung wollen statt Erfolg. Wenn Frauen gefragt werden, sagen die meisten, dass ihnen das Geld nicht so wichtig sei. Aber müssen wir so dumm sein, uns ausnutzen zu lassen? Nein. Vergessen Sie den Poesiealbenspruch "Sei freundlich und bescheiden, dann kann dich jeder leiden". Im Job gilt: sich so teuer wie möglich verkaufen! Kriegen Sie raus, was der Kollege im Büro gegenüber verdient, der haargenau die gleichen Aufgaben erledigt. Heben Sie den Finger, wenn es um neue Positionen geht. Und dann gehen Sie zum Chef und reden mit ihm über Ihr Gehalt. Bisher denken viele: "Der Boss wird schon merken, dass ich meine Sache gut und zuverlässig mache und mir mehr geben, wenn er es für richtig hält." Wird er aber nicht. Darum muss Frau verhandeln, feilschen und notfalls auch kämpfen.

Sonst wird der EU-Sozialminister noch in 50 Jahren den Deutschen ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

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