Frieder Gabriel Aushilfsarzt in Ecuador

Später will Frieder Gabriel einmal Arzt werden. Deshalb nutzt er das Freiwillige Soziale Jahr, um sich auf seinen Wunschberuf vorzubereiten: in einer Notaufnahme im Ecuador.

Name: Frieder Gabriel
Alter: 21 Jahre
Heimatstadt: Stuttgart
Organisation: ICJA e.V. (Homepage)
Einsatzort: Quito, Ecuador

Kurz vor Sonnenaufgang klingelt mein Wecker. Nach einer kalten Dusche gibt's Frühstück. Bei meiner Gastfamilie besteht dies nur aus einer Suppe mit Hühnerfüßen - woran man sich erst mal gewöhnen muss. Ich arbeite hier als Aushilfsarzt in der Notaufnahme, der Emergencia. Jeden Morgen fahre ich dafür zwei Stunden mit dem Bus in das öffentliche Krankenhaus von Yaruqui. Wenn ich dort in meinen weißen Kittel schlüpfe, werde ich für die Patienten zum Arzt. Mein Job besteht darin, einfache Wunden, wie Verbrennungen und Bissverletzungen zu versorgen, oder Aufnahmebögen auszufüllen.

Wie ein "richtiger" Arzt

Was mir immer wieder schwerfällt, ist, mir vor den Patienten nicht anmerken zu lassen, dass meine medizinischen Kenntnisse doch sehr begrenzt sind. So kam einmal eine Frau mit einer Schnittwunde an der Hand in die Emergencia. Nachdem ich ihre Personalien aufgenommen hatte, holte ich die einzige Ärztin, die noch da war. Alle anderen waren Mittag essen oder schon weg, da sie die Nachtschicht hatten. Die Ärztin wollte dann, dass ich die Wunde selber nähe, weil ich dabei schon öfter zugschaut habe und sie noch andere Patienten versorgen musste. Da es das erste Mal war, dass ich jemanden nähen sollte, erklärte sie mir noch einmal die wichtigsten Schritte und ging. Ich brauchte zwar doppelt so lange wie die Ärztin und musste deshalb noch zwei Mal die Betäubung erneuern, war am Ende aber mit dem Ergebnis zufrieden.

Es gibt aber auch Fälle, die mir die Schwächen des öffentlichen Gesundheitssystems besonders bewusst machen - und an die ich dann noch tagelang denken muss. Einmal haben wir bei einer Neunjährigen eine Blinddarmentzündung diagnostiziert, die eigentlich operiert werden musste. In Ecuador sind zwar die meisten Behandlungen im Krankenhaus kostenlos, doch bei Operationen muss der Patient einen Teil selber zahlen. Da die Familie des Mädchens dieses Geld nicht hatte, mussten wir sie wieder nach Hause schicken, ohne sie zu operieren.

Der Nächste wartet schon

Solche Fälle kommen leider immer wieder vor. Es ist dann für mich schon schwierig, einen gewissen Abstand zu bewahren, wenn ich den Angehörigen auch noch zu erklären habe, dass sie eine Einverständniserklärung unterschreiben müssen, welche die Ärzte aus der Pflicht nimmt, weitere lebensnotwendige Maßnahemn zu ergreifen. Aber meist kann man sich gar nicht weiter Gedanken dazu machen, weil schon der nächste Patient wartet.


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