HOME

Geringfügig Beschäftigte: Mit oder ohne Lohnsteuerkarte?

Minijobs auf 400-Euro-Basis sind sehr beliebt - schließlich müssen die Beschäftigten keine Sozialabgaben abführen. Allerdings erwerben sie so auch keine Rentenansprüche, es gibt aber einen Ausweg.

Das Sozialversicherungsrecht kennt seit über 20 Jahren Ausnahmen von der Versicherungspflicht bei Aushilfskräften und Teilzeitbeschäftigten. Bei geringfügigen Beschäftigungen - den so genannten Minijobs oder auch 400 Euro-Jobs - übersteigt der Lohn regelmäßig nicht die 400 Euro im Monat. Schwanken die Bezüge, wird der Lohn durch Aufteilung der Jahresbezüge auf die Monate errechnet. Überschreitet ein Arbeitnehmer jedoch regelmäßig und dauerhaft die Höchstgrenze, endet somit seine geringfügige Beschäftigung automatisch.

Gelegentliche Überschreitung ist unproblematisch

Gelegentliche Überschreitungen durch unvorhersehbare Ereignisse sind aber kein Problem - daraus folgt keine Versicherungspflicht. Denn Minijobs sind grundsätzlich für den Mitarbeiter sozialversicherungsfrei. Nur der Arbeitgeber muss im Regelfall pauschale Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung abführen. Diese sind seit dem 1. Juli 2006 auf 13 und 15 Prozent gestiegen.

Bei der Rentenversicherung kann sich der Arbeitnehmer zwischen der bestehenden Versicherungsfreiheit oder aber der Option entscheiden, den Rentenversicherungsbeitrag durch eigene Zuzahlung zu erhöhen. Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, den Arbeitnehmer darauf hinzuweisen, dass er die Rentenversicherungspflicht wählen kann. Tut er dies nicht, drohen im unter Umständen Schadenersatzansprüche, wenn dem Angestellten dadurch später Einbußen bei der Rentengewährung entstehen.

Freiwillige Aufstockung möglich

Wählt der Beschäftigte die freiwillige Versicherungsvariante, stockt er durch seine Zuzahlung (derzeit 4,5 Prozent) den Rentenbeitrag auf und erhält somit höhere Ansprüche. Auch bei der Lohnsteuer hat ein Minijobber ein Wahlrecht. Er kann sich für eine Besteuerung auf Lohnsteuerkarte oder zur Abführung einer Pauschalsteuer von zwei Prozent durch den Arbeitgeber ohne Lohnsteuerkarte entscheiden.

Arbeitnehmer profitieren von der Minijobregelung, da sie keine Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abführen müssen. Sie erlangen jedoch auch keine Ansprüche. Der Gesetzgeber ging davon aus, dass Minijobs nur Zusatzjobs zu versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigungen sind oder die Minijobber (Hausfrauen oder Studenten) über so genannte Hausversicherungen mitversichert sind.

Vorsicht bei mehreren Minijobs

Doch leider sieht die Realität meist anders aus. Oft reihen Arbeitnehmer mehrere Minijobs aneinander. Doch Vorsicht: Mehrere geringfügige Beschäftigungen werden zusammengerechnet. Bei ein und demselben Arbeitgeber gelten mehrere Minijobs dann als ein Beschäftigungsverhältnis. Diese sozialversicherungsrechtliche Beurteilung geringfügiger Beschäftigungen ist im § 8 SGB IV geregelt.

von Ulf Weigelt

Der Sachbuchautor Ulf Weigelt ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Weigelt & Ziegler in Berlin-Prenzlauer Berg

Themen in diesem Artikel