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Gesundheitsexperte Lauterbach: "Brutalste Mitgliederwerbung"

Wozu gibt's den Ärztestreik? Damit der Marburger Bund mehr Mitglieder bekommt! Das jedenfalls meint der SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach. Seiner Ansicht nach hapert es in den Kliniken nicht am Geld - sondern an der Qualität.

Der Ärztestreik hat dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Lauterbach, der Marburger Bund wolle nur neue Mitglieder gewinnen: "Das ist die brutalste Mitgliederwerbung einer Gewerkschaft, die ich je gesehen habe." Um dieses Ziel zu erreichen, würde der Verband die Politik erpressen - was ihm auch bereits gelungen sei. "Der Gewinner des Streiks steht schon fest, das ist der Marburger Bund." Der Gesundheitsökonom kritisierte, derzeit gebe es einen "Überbietungswettbewerb der Lobbygruppen", während die Löhne ansonsten stagnierten. "Wenn das Schule macht, können wir die Beitragssatzstabilität vergessen", warnte er.

Lauterbach zeigte Verständnis für den Unmut junger Assistenzärzte. Deren Einkommenssituation sei nicht optimal, eine maßvolle Erhöhung sei angebracht. Die Forderung, allen Klinikärzten 30 Prozent mehr zu geben, also auch gut verdienenden Chef- und Oberärzten, sei jedoch abwegig. Die deutschen Krankenhausärzte verdienten schon heute mehr als in jedem anderen Land in Europa, mit Ausnahme der Schweiz. "Was uns die Ärzte an Versorgungsqualität anbieten, ist jedoch nur europäischer Durchschnitt." An den Kliniken gebe es "kein Einkommens- sondern ein Qualitätsproblem".

100 Euro mehr pro Bürger

Würden die Klinikärzte 30 Prozent mehr Gehalt bekommen, würden die Krankenkassenbeiträge um 0,3 Prozent steigen, so Lauterbach. Bekämen die niedergelassenen Ärzte ebenfalls 30 Prozent, müssten sich die Bundesbürger auf Mehrkosten von etwa 100 Euro pro Person einrichten.

An acht deutschen Unikliniken traten Ärzte am Donnerstag in einen unbefristeten Streik. Die Ausstände sollen auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden. Die Mediziner fordern 30 Prozent mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und einen arztspezifischen Tarifvertrag.

Reuters / Reuters