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Job: Die Gefahr im Homeoffice - weil wir nicht mehr abschalten können

Statt Feierabend zu machen, nehmen wir die Arbeit mit nach Hause. Und im Homeoffice arbeiten wir bis spät in die Nacht. Wer seine Arbeit mit nach Hause nimmt, wird schneller krank. So schützt man sich vor Selbstausbeutung.

Homeoffice kann krank machen

Arbeit statt Feierabend macht krank

Getty Images

Der Acht-Stunden-Tag ist tot - so scheint es. Morgens ins Büro schlappen, mittags etwas essen und pünktlich um 17 Uhr den Stift fallen lassen, funktioniert nur noch bedingt. Das liegt zum einen an neuen Herausforderungen für Firmen: Mal muss abends unbedingt noch ein Projekt fertig werden. Dann bleibt man eben länger. Im Gegenzug fordern Mitarbeiter heute flexible Arbeitszeiten. Pflegebedürftige Eltern, kranke Kinder in der Kita oder der Handwerker, der irgendwann zwischen acht Uhr morgens und nachmittags 16 Uhr auftauchen will, lassen den Wunsch nach freier Arbeitszeit laut werden.

Zu Hause Arbeiten kann krank machen

Doch die moderne Arbeitswelt hat ihre Tücken. Wer nachmittags seinen Schreibtisch räumt, um sein Kind aus der Kita zu holen - und einfach danach zu Hause weiterarbeitet -, riskiert schneller krank zu werden, fanden nun Wissenschaftler der Uni Zürich heraus. Psychologen befragten rund 2000 Mitarbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihren Arbeitszeiten. Das Ergebnis: Wer regelmäßig Arbeit mit nach Hause nimmt, kann schlechter abschalten, klagt häufiger über Erschöpfung und über fehlende Entspannung, berichtet das Karrierenetzwerk "Xing".

Homeoffice: Ruhephase und Abgrenzung

Das Problem für Beschäftigte ist Abgrenzung. Wann arbeite ich, wann habe ich Feierabend? Wenn die Grenzen verwischen, bleiben sie im Arbeitsmodus - damit fehlen Ruhephasen. "Erholung und Abschalten sind nur möglich, wenn man sich voll und ganz mit anderen Dingen beschäftigen kann und nicht ständig wieder an die Arbeit erinnert wird", sagt die Studienleiterin Adriane Wepfer laut "Xing". "Auf diese Art kann man sich am nächsten Tag oder nach dem Wochenende wieder mit neuem Elan seinen beruflichen Aufgaben widmen." 

Homeoffice kann einsam machen

Auch Dhruv Khullar, Arzt am Massachusetts General Hospital, hatte bereits auf die Probleme beim Homeoffice hingewiesen. Sein Verdacht: Wer zu Hause arbeitet, vereinsamt - und das kann krank machen. "Einsamkeit hat einen komplizierten Effekt auf die Sterblichkeit. Die Auswirkungen sind genauso stark oder nur etwas weniger stark wie bei Fettleibigkeit und beim Rauchen", so Khullar. "Menschen arbeiten immer stärker isoliert - und das rund die Hälfte ihres Tages. Das ist eine verpasste Chance, um miteinander zu interagieren. Ich glaube, dass wir im Laufe der Zeit negative Auswirkungen durch die Heimarbeit, das Allein-Arbeiten, das digitale Arbeiten auf die Gesundheit der Menschen erleben werden."

Homeoffice darf nicht mit ständiger Erreichbarkeit und Arbeit rund um die Uhr einhergehen. So sollte abends das Diensthandy ausgeschaltet werden, empfiehlt "Xing". Mitarbeiter sollten die Abendstunden bewusst auf Entspannung setzen, Zeit mit der Familie verbringen oder Sport treiben. Und: Bei Anzeichen von Überlastungen sollte man reagieren. 

Joballtag neu strukturieren

Statt den ganzen Tag in Meetings zu verbringen und die Arbeit dann abends zu erledigen, sollten Sie den Tag umstrukturieren. Sprechen Sie mir ihrem Vorgesetzten und bitten Sie darum, die Termine ausfallen lassen zu dürfen. Prüfen sie außerdem ihre Alltagsroutinen: Wo lauern Zeitfresser? Entwickeln Sie neue Abläufe, delegieren Sie Aufgaben. Adriane Wepfer empfiehlt außerdem, Beruf und Freizeit im Homeoffice zeitlich voneinander zu trennen. "Ungünstig ist es, ständig zwischen beruflichen Aufgaben und Freizeit hin und her zu wechseln. Auf diese Weise können Sie sich keinem Bereich richtig widmen."

Mann liegt müde auf einem Computer
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