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Krise als Chance Jobcoach: Fünf Tipps, wie Sie mit Veränderungen weiter kommen

Veränderung als Chance begreifen - leichter gesagt, als getan
Veränderung als Chance begreifen - leichter gesagt, als getan
© Getty Images
"Ja, gerne, ich bin dabei" – diese Worte benutzt kaum jemand, wenn es um Veränderungen geht! Jobcoach Ulrike Winzer gibt Tipps, wie Sie Ihre Fähigkeiten zum Umgang mit Veränderungen in Gang bringen!

Einerseits wollen wir bei so vielen Dingen im Leben, dass sie sich ändern. "Das müsste mal jemand angehen …" ist gerade in Unternehmen ein beliebter Satz. Doch wenn wir dann selbst von Veränderung betroffen sind, dann wollen wir am liebsten sagen: "Schönen Dank, ohne mich." Gerade jetzt zu Corona Zeiten erleben wir, wie Veränderung massiv geschieht. Und plötzlich zeigt sich an so manchen Stellen, dass wir veränderungsfähiger sind, als wir dachten. Wer hätte vor einem halben Jahr einen so starken Boom im Thema Home-Office vorausgesehen. Dabei sind Veränderungen eigentlich das Natürlichste auf der Welt. Das ganze Leben, die Natur, alles ist in steter Veränderung. Nur wir Menschen klammern uns gerne an den Status Quo.

Das Klammern tritt besonders dann zutage, wenn diese Veränderungen von außen kommen. Ob es nun Veränderungen in Unternehmen sind oder im privaten Umfeld – Veränderungen, die wir nicht selbst initiiert haben, sind gerade in Deutschland mit ausgeprägter Angst verbunden. Gerade jetzt scheint das Coronavirus noch durch das stärkere Virus Angst übertroffen zu werden. Denn die Angst hat sich schon seit Jahren unbemerkt und immer mehr in uns festgefressen. Wir sehen eher das Schlechte und Bedrohliche, statt des Positiven und der Chance. Wir fühlen uns hilflos und machtlos und sehen nicht, wie unser Leben weitergehen kann – ohne Verlust. Und der Verlust der eigenen Komfortzone kann sehr bedrohlich sein. Was passiert, wenn wir falsche Entscheidungen treffen, den falschen Weg einschlagen, alles schlechter statt besser wird?

Ulrike Winzer
Ulrike Winzer ist Beraterin, Rednerin und gefragte Wirtschaftsexpertin. Sie berät Menschen und Unternehmen zu den Themen Veränderung, Personal und Karriere. In ihrem Podcast "Change - Einfach. Machen." gibt sie Impulse und Tipps, wie Veränderung in der Arbeitswelt und im Leben gelingt. 

Es war doch alles so sicher

Mit der Unsicherheit einer neuen Situation fühlen wir auch körperlich den Verlust von Kontrolle. Und den versuchen wir zunächst einmal zu kompensieren, zum Beispiel wie gerade in Corona-Zeiten durch den Kauf von Toilettenpapier. Das gibt zumindest ein wenig das Gefühl von Sicherheit zurück. Ganz nüchtern betrachtet wäre sicherlich der Kauf von Wasser sinnvoller gewesen, doch es geht ja nicht wirklich um Engpässe. Das Gefühl von Machtlosigkeit wird übertüncht.

Wenn Veränderungen sehr bedrohlich auf uns wirken, dann bewerten wir sie gerne als Krise. Der Schriftsteller Max Frisch sagte dazu: "Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen."

Das liest sich so leicht, erscheint aber schwer.

Veränderungsfähigkeit aufbauen

Was also können wir tun, was kann jeder Einzelne tun, um den generellen Katastrophen-Beigeschmack von Veränderungen zu vertreiben und positiv nach vorne zu blicken? Corona wird vorbei gehen, doch die nächste Veränderung wird kommen – ob als Virus, als Unternehmensveränderung, als digitale Technologiewelle oder einfach im privaten Leben. Deshalb ist es schlau, nicht nur Körperhygiene und Körperfitness sondern auch Mentalhygiene und Mentalfitness aufzubauen. Das heißt: Auch die innere Einstellung kann Antikörper bilden und fit für Veränderungen werden.

Die folgenden fünf Tipps helfen dabei, mit Veränderungen anders umzugehen!

1. Akzeptieren

Akzeptieren Sie die Lage, wie sie ist. In den meisten Fällen können Sie selbst die Situation nicht verändern – es sei denn, Sie wären zum Beispiel gerade jetzt in der Lage, einen Impfstoff herzustellen. Wahrscheinlich sind Sie das nicht – genauso wenig wie ich. Alles Jammern, alles Beschweren nutzt nichts. Das wird Ihre Situation nicht verbessern – weder zu Corona-Zeiten noch bei anderen Veränderungen. Schauen Sie sich deshalb Ihre aktuelle Lage ganz nüchtern an. Wo stehen Sie wirklich? In welchen Dingen geht es Ihnen sehr gut? Wo haben Sie Chancen? Wo müssen Sie Themen anders organisieren? Wo haben Sie Möglichkeiten zum Handeln? Notieren Sie sich, was Sie feststellen. Egal, ob es nun um die aktuelle Pandemie oder um eine andere Veränderung geht: Wahrheit bringt immer Klarheit. Gerade wenn es um Veränderungen im Beruf geht, tendieren wir dazu, uns den Status Quo schöner zu reden als er ist – weil wir dann nicht handeln müssen. Wir neigen aber auch dazu, Chancen nicht zu sehen. Denn auch Chancen bieten Handlungsoptionen. Wie oft haben Sie vor Corona bei bestimmten Themen gesagt: keine Zeit! Keine Zeit für Weiterbildung. Keine Zeit, sich mit Digitalisierung zu beschäftigen. Keine Zeit, um einen Artikel zu schreiben (so wie ich gerade jetzt) und ähnliches. Ehrlich zu sich selbst sein – das ist die wichtigste Voraussetzung! 

Tipp 1: Wahrheit macht Klarheit!

2. Zielen

"Ich will, dass alles so wird wie vorher", schießt es Ihnen vielleicht jetzt durch den Kopf, doch das ist eher die Trotzreaktion eines Kindes. Denn das ist ja gerade das Ergebnis von Veränderung: dass es nicht mehr so ist wie vorher. Wenn Sie geklärt haben, wo Sie stehen, dann schauen Sie auf das, was die Veränderung für Sie in der Zukunft bedeutet! Wie soll sich Ihr Berufs-/Privatleben entwickeln? Wohin soll Ihre Reise gehen? Welche Alternativen haben Sie wirklich?

Ziehen Sie auch durchaus ungewöhnliche Alternativen in Betracht. Was wollten Sie immer schon einmal tun? Wenn Ihr Unternehmen aufgrund einer Krise Stellen abbaut und Sie sind davon betroffen, dann denken Sie über Ihre Optionen nach: Bei welchen Unternehmen können Sie sich bewerben? Was müssen Sie tun, um attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu sein? Was hilft Ihnen wirklich weiter? Wer kann Ihnen dabei helfen? Treffen Sie eine Entscheidung, die gut für Sie ist. Und behalten Sie im Kopf: Keine Entscheidung ist in Zement gemeißelt. Wenn Sie plötzlich feststellen, dass der Weg nicht stimmig für Sie ist, ändern Sie das Ziel.

Tipp 2: Ziele ermöglichen das Finden von Wegen zum Ziel!

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3. Planen

"Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch". Anders ausgedrückt: Wenn Sie beschließen, mit dem Zug von Hamburg nach Hintertupfingen zu fahren, dann laufen Sie auch nicht planlos zum Bahnhof, steigen in einen beliebigen Zug, um dann festzustellen, dass er in die falsche Richtung fährt.

Machen Sie sich einen Plan. Es hört sich so simpel an, da wir das schon so oft gehört haben. Dennoch bleiben viele hier stecken, denn ein Plan bedeutet Arbeit. Ein Plan hat etwas Verbindliches und ruft nach Handeln. Was wollen Sie tun? Was werden Sie tun? Welche Schritte sind erforderlich? In welcher Reihenfolge? Was müssen Sie unbedingt tun? Was ist eher nett, aber nicht zwingend? Priorisieren Sie und überlegen Sie, wer Ihnen helfen kann! Setzen Sie sich auch Zeitfenster, um regelmäßig zu prüfen, ob es das ist, was Sie wollen. Und machen Sie alles schriftlich - auf Papier oder digital! Wir alle planen nicht, zu versagen, doch oft versagen wir beim Planen!

Tipp 3: Pläne sind das Fundament für ein Ergebnis!

4. Emotionalisieren

Auch, wenn Sie die Veränderung nicht ändern können, Sie können ändern, wie Sie damit umgehen und wie Sie die Situation bewerten. Kümmern Sie sich um die besagte Mentalhygiene. Wir sind es so sehr gewohnt, negativ zu denken, dass wir uns kaum vorstellen können, wie sich Dinge positiv entwickeln könnten. Was ist, wenn die Veränderung nicht furchtbar wird? Was, wenn es richtig großartig wird? Was, wenn durch eine Veränderung plötzlich ganz neue Handlungsoptionen entstehen? Wenn die Chancen Schlange stehen? Machen Sie sich einmal bewusst, wie viele Herausforderungen und Veränderungen Sie in Ihrem Leben bereits gemeistert haben. Als Kind hatten wir alle eine enorme Fähigkeit zur Veränderung. Und wie oft sind wir hingefallen, bis wir endlich laufen konnten.

Wenn Sie meinen, das ist nicht vergleichbar: Doch, das ist es! Wenn wir heute auf Widerstand stoßen, Dinge nicht direkt im ersten oder zweiten Anlauf funktionieren, tendieren viele Menschen dazu, hinzuwerfen. Rufen Sie sich den unbändigen Willen aus Ihrer Kindheit zurück. Hinzu kommt: Sie sind nie alleine. Sprechen Sie mit Familie, Freunden, Kollegen – nicht nur über die Sache, sondern auch über Ihre Gefühle. Ich weiß aus meiner eigenen Vergangenheit, wie hilfreich das ist und welche unterschiedlichen Sichtweisen dadurch klar werden. Das stärkt das Vertrauen in die eigene Entscheidung.

Tipp 4: Emotionen sind der Treibstoff fürs Handeln!

5. Umsetzen

Jede Entscheidung, jeder Plan ist nichts, wenn Sie ihn nicht umsetzen. Handeln ist angesagt, auch wenn es schwerfällt. Umsetzen und handeln gibt Ihnen Ihre Macht zurück. Sie sind dann nicht mehr hilflos, sondern agieren. Und genau aus diesem Agieren entstehen plötzlich Chancen, die Sie vorher gar nicht vor Augen hatten.

Corona zeigt es mit zahlreichen Beispielen: die Bäckerei, die Kuchen in Toilettenpapierrollen-Form anbietet; der Buchladen, der Kunden per Fahrrad beliefert; die Restaurantkette, die dem Lebensmittelhandel mit Mitarbeitern aushilft… Gerade jetzt erleben wir an vielen Stellen hohen Einfallsreichtum.

Weil Veränderungen eben einen neuen Weg bedeuten, können wir so manche Chance im Vorfeld nur erahnen. Und das ist auch das Großartige daran! "Frau Winzer, Sie haben sich selbständig gemacht. Wie wunderbar. Ich kann Ihnen Kontakte in mein Netzwerk herstellen". Diese Chancen hatte ich im Vorfeld meiner Entscheidung nicht ansatzweise im Blick.

Tipp 5: Umsetzung ist Macht!

Fazit

Sie sind nicht machtlos. Sie sind nur so hilflos, wie Sie es zulassen! Ich persönlich habe ein hohes Bedürfnis, Neues kennenzulernen. Und auch schwere Situationen haben mir im Nachhinein immer zu einem gehörigen Schub an persönlicher Weiterentwicklung verholfen.

Das wünsche ich Ihnen ebenfalls. Sehen Sie Ihre Chancen und greifen Sie danach. Lassen Sie nicht zu, dass Angst und Unsicherheit Sie klein machen. Holen Sie sich Ihre Eigenmacht zurück!


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