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Sexuelle Belästigung: Knastis bekommen Pizza-Belohnung - wenn sie nicht vor Anwältinnen masturbieren

Wer 30 Tage nicht vor den weiblichen Angestellten onaniert, bekommt eine Pizza. Diese absurde Maßnahme dachte sich ein Sheriff in den USA aus - und verschlimmerte das Problem so noch. Jetzt klagen die Angestellten.

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Die Debatte um sexuelle Belästigung ist nach den Skandalen um Harvey Weinstein und Kevin Spacey und die "Me too"-Bewegung in vollem Gange. Der Comedian Louis C.K. musste zugeben, mehrfach ungefragt vor Frauen masturbiert zu haben. Für eine Gruppe von Frauen aus dem Cook County in den ist das trauriger Alltag. Die örtlichen Knastis befriedigen sich vor den Anwältinnen und Gerichtsangestellten regelmäßig selbst - und ihrem Arbeitgeber fallen nur absurdeste Maßnahmen ein.

Gleich "Hunderte von Frauen" sollen betroffen sein, berichtet der US-Sender ABC. Von den 400 Angestellten im "Public Defender", der Behörde des öffentlichen Strafverteidigers, seien tatsächlich 60 Prozent weiblich. Glaubt man ihren Schilderungen, gleicht ihr Arbeitsalltag dort der Hölle. Täglich würden sie von den Angeklagten bespuckt, aufs Übelste beschimpft und körperlich angegriffen. Ein besonders häufiges Problem sei, dass sich die Männer entblößten und vor den Frauen zu masturbieren begännen.

Die Behörde versagt

Nun haben die Frauen eine Sammelklage eingereicht. Die Vorfälle sollen sich demnach in den Zellen sämtlicher Gerichtsgebäude im County im Bundesstaat Illinois abspielen, auch im County-Gefängnis käme es regelmäßig dazu. Die Verantwortung für die schrecklichen Zustände geben die Frauen der Leiterin der Behörde sowie dem örtlichen Sheriff. Der Vorwurf: Sie sollen sich verschworen haben, die täglichen Übergriffe unter den Tisch zu kehren.

Seit mehr als zwei Jahren soll sich die Lage langsam immer weiter verschlimmert haben, so die Klageschrift. Die Leiterin Amy Campanelli und Sheriff Tom Dart hätten die ganze Zeit davon gewusst und "wissentlich zugelassen, dass die Übergriffe weitergehen." Zudem hätten sie immer wieder Maßnahmen, die sich als effektiv erwiesen, wieder gestrichen.

Pizza als Belohnung

Dart soll die Gefangenen etwa zeitweise mit speziellen Einteilern eingekleidet haben, die es schwierig machten, an den Penis zu fassen. Nachdem einige Gefangene die Anzüge in einer Mikrowelle verbrannten, wurde das in Bezug auf die Übergriffe erfolgreiche Programm beendet. Eine routinemäßige Fesselung der Knastis "senkte das Auftreten von Masturbation und Entblößungen erheblich", so die Klageschrift. Campanelli lies die Praxis aber schnell wieder verbieten, ohne sie durch eine funktionierende Lösung zu ersetzen. Eine ebenfalls erfolgreiche Aufstockung des Wachpersonals wurde aus Kostengründen beendet.

Stattdessen soll zu absurden Maßnahmen gegriffen worden sein. Dart habe eingeführt, dass Gefangene, die 30 Tage weder vor Frauen masturbierten noch sexuell übergriffig wurden, mit einer Pizza belohnt wurden. Der Haken an der Sache: Die Belohnung gab es nur für solche Gefangene, über die es vorher Beschwerden gab. Weil viele andere aber auch Pizza wollten, fingen sie überhaupt erst mit einem solchen Verhalten an - und die Zahl der Vorfälle stieg, so die Klageschrift. Auf Anfrage des Fernsehsenders erklärte eine Sprecherin des Sheriff-Büros allerdings, ein solches Pizza-Programm habe es nie gegeben.

Arbeiten ohne Sex-Attacken

Die Forderungen der Angestellten erscheinen angesichts der Zustände moderat. In der Klageschrift fordern sie "eine einstweilige Verfügung, die die Übergriffe beendet, um endlich sicher und effizient ihren Beruf ausüben zu können", zitiert der TV-Sender. Ihre Klientinnen würden sich sehr bemühen, die Belange der Angeklagten zu vertreten, erklärten die mit der Sammelklage betrauten Anwälte in einem Statement. "Sie haben das Recht, diesen wichtigen und ohnehin schwierigen Job in einem Umfeld auszuüben, das frei von sexuellen Übergriffen ist."

Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt eine Erklärung von Lester Finkle, dem Personalchef der Behörde. Man habe schon seit zwei Jahren versucht, den Frauen zu helfen, den Gegenmaßnahmen seien allerdings enge rechtliche Grenzen gesetzt. "Wir können aber keine Gesetzgebung unterstützen, die deutlich die Strafen solcher übergriffiger Gefangener erhöht oder sie gar unmenschlichen Praktiken aussetzt", erklärte Finkle. Die größte Sorge der Behörde sei die Sicherheit der Angestellten.

mma