HOME

StartUp-Werkstatt: Generation Hoffnung

Wen würden Jugendliche im Herbst zum Kanzler wählen? Wie wichtig ist ihnen Arbeit? Was halten sie vom Turbo-Kapitalismus? Das hat der stern die Sieger der Startup-Werkstatt gefragt - Deutschlands größtes Gründerplanspiel für Schüler, das erneut einen Teilnehmerrekord verzeichnete.

Team "Fita"

"Das Problem liegt im System"

Sind Unternehmer für euch Heuschrecken?
Leonard: Wir sind alle Heuschrecken! Herr Ackermann von der Deutschen Bank hat richtig gehandelt. Das Problem liegt im System: Die Deutsche Bank muss mehr Profit machen, um ihren Unternehmenswert zu steigern und Anleger anzulocken. Deshalb lehne ich den Aktienmarkt ab.
Sebastian: Wenn einem die Firma nicht mehr selbst gehört, wird man zum Spielball der großen Finanzdienstleister und kann nicht mehr selbst entscheiden.
Leonard: Wir finden, ein Ziel von Unternehmen sollte Nachhaltigkeit sein: Wenn wir kurzfristig hohe Profite haben, ist das schön und gut, aber wenn wir langfristig dabei kaputtgehen, nützt das wenig.

Team "Bikeoxide"

"Alle gleich"

Wen wählt ihr bei der Bundestagswahl am 18. September - Merkel oder Schröder?

Maximilian: Von meiner Einstellung her würde ich eigentlich SPD wählen. Aber momentan ist die mit den Grünen nicht mehr regierungsfähig. Und es ist wichtig, dass wir eine starke Regierung bekommen, die etwas verändern kann.
Fabian: Das Problem ist: Die Politiker schauen immer schon auf die nächste Wahl. Ich als Kanzler würde auch keine Reformen machen, die meinem Ruf schaden. Ich finde es schwierig, jemanden zu wählen, weil im Prinzip alle das Gleiche machen.
Clemens: Ich bin eher CDUler. Mein Wunsch ist eine große Koalition, weil es die einzige Möglichkeit ist, dass die Politik regierungsfähig wird. Bei einer Direktwahl würde ich eher Schröder wählen, weil er ein besseres Auftreten hat als Angela Merkel.

Team "Morpheus"

"Verantwortung übernehmen"

Das Soziale an der Marktwirtschaft - bedeutet euch das was?
Thomas: Wer etwas hat, der muss auch Verantwortung für andere übernehmen. Der Kapitalismus sollte nicht so weit gehen wie in manchen Unternehmen, wo entlassen wird, obwohl Gewinne erwirtschaftet werden. Aber ich kann auch verstehen, dass die Aktionäre immer mehr Gewinne fordern und die Firmen dadurch immer mehr unter Druck gesetzt werden.

Hat die StartUp-Werkstatt euer Wirtschaftsverständnis verändert?

Tobias V.: In jedem Fall, unser Horizont hat sich erweitert: Wir wissen nicht nur, was eine Break-even-Analyse ist, wir haben auch Teamfähigkeit gelernt und Einblick in die Wirtschaft bekommen, den man sonst nur durch Praktika erhält. Ich hatte vorher überlegt, in die Biochemie zu gehen, jetzt denke ich, dass ich in der Wirtschaft arbeiten möchte.

Team "Bananacrew"

"Sehr ehrgeizig"

Könnt ihr euch vorstellen, ein Unternehmen zu gründen?

Laura: Ich bin sehr ehrgeizig und sehe mich eher als Chefin. Ich könnte mir gut vorstellen, selbstständig zu sein.
Katja: Sicher wäre es nicht schlecht, geregelte Arbeitszeiten zu haben. Mein Vater ist selbstständig. Ich sehe bei ihm, dass er auch spätabends und am Wochenende arbeiten muss. Aber er sagt, es sei ein gutes Gefühl, wenn man sich seine Arbeit selbst einteilen kann. Und manchmal gefällt einem vielleicht nicht, was man von oben für eine Aufgabe bekommt. Wie lange werdet ihr mal arbeiten?
Laura: Ich hoffe, dass ich einen Arbeitsplatz finde oder mir schaffe, bei dem ich so viel Spaß habe, dass die Arbeit mein Lebensinhalt wird. Ich glaube nicht, dass ich früher als mit 65 aufhören möchte zu arbeiten.
Katja: Ich würde gern Beruf und Familie kombinieren. Auf einen Beruf zu verzichten - das kann ich mir nicht vorstellen.

Team "Después Silencio"

"Mehr Bildung"

Was war das Schwierigste bei dem Spiel?

Christian: Die zeitgerechte Abgabe. Ralph: Es kam oft vor, dass wir abends von 20 bis 24 Uhr am Computer saßen. Einmal haben wir eine Aufgabe erst um 23.57 Uhr per E-Mail abgeschickt.
Manuela: Ich kann meine Eltern jetzt viel besser verstehen. Die haben teilweise so einen Stress, dass sie abends keinen Kopf mehr haben, sich hinzusetzen und mit mir etwas durchzudiskutieren. Ich habe viele Fragen an meine Eltern wegen des Geschäfts. Das ist neu. Ich werde später vielleicht mal das Autohaus meiner Eltern übernehmen. Was würdet ihr als Bildungsminister sofort ändern?
Christian: Einen größeren Bildungsetat schaffen. Für uns als Land der Ideen kann es nicht sein, dass wir im Vergleich zu Skandinavien so wenig in Bildung investieren.

Was wollt ihr diesen Sommer machen?

Ralph: Kaffee trinken und ausruhen.

Die Sieger 2005

1. Morpheus Products (Wecken durch Vibration), Röntgen-Gymnasium, Remscheid
2. Bikeoxide (Visier für Motorradhelm, das sich bei Sonnenschein verdunkelt), Max-Planck-Gymnasium, Nürtingen
3. Pregovita Wohn- und Hausgemeinschaften (Vermittlung von WGPartnern für Senioren), BBS Rinteln - Kreishandelslehranstalt, Rinteln
4. BananaCrew (individuelle Verpackungen z. B. für Bananen), Pius-Gymnasium, Aachen
5. FiTa (Bio-Fastfood), Gymnasium Scheinfeld
6. iHelp (automatischer Notruf bei Unfällen für Pkws), Wilhelm-DörpfeldGymnasium, Wuppertal
7. SCA Senioren Computer Akademie (Computerkurse von Schülern für Senioren), Immanuel-Kant-Gymnasium, Leinfelden-Echterdingen
8. TinyElectronics (digitale Armbanduhr mit integriertem MP3-Player und Funk-Ohrhörern), Hans-Baldung-Gymnasium, Schwäbisch Gmünd
9. Después Silencio (Stehcafé, Lounge und mobile Café-Bar), Siebold-Gymnasium, Würzburg
10. AV 16plus (Vermittlung von Nebentätigkeiten für junge Menschen ab 16 Jahren), Werner-von-Siemens Gymnasium, Weißenburg

Werkstatt der Ideen

1190 Teams, rund 5000 junge Frauen und Männer zwischen 16 und 21, haben bei der sechsten Runde der StartUp-Werkstatt mitgemacht - ein neuer Rekord für Deutschlands größtes Existenzgründer-Planspiel, das vom stern, den Sparkassen, McKinsey und dem ZDF organisiert wird. (Foto: das Gewinnerteam Morpheus bei der Siegerehrung vergangene Woche in Hamburg). Kooperationspartner sind das Bundes- ministerium für Wirtschaft und Arbeit und die Versicherungen der Sparkassen. Jedes Team gründet ein fiktives Unternehmen und löst dazu neun Aufgaben. Unterstützt werden die Schüler von Mentoren aus der Wirtschaft. Die zehn Siegerteams haben Geldpreise von insgesamt 6000 Euro gewonnen. Die ersten fünf fahren zu einem Management- und Persönlichkeitstraining. Für die Spielrunde 2006 kann man sich ab Oktober anmelden.

Catrin Boldebuck / print
Themen in diesem Artikel