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Streik in Hamburg: Müllchaos läßt Hanseaten kalt

Überall im Land türmt sich der Müll, auch in Hamburg. Die Hanseaten aber sehen das Chaos gelassen. Derweil gehen die Müllmänner wieder auf die Straße - allerdings nicht, um aufzuräumen.

Rund um den Altonaer Bahnhof stapeln sich die Müllsäcke. Die Fußgängerpassage sieht trostlos aus - überall fliegt Papier über die Gehsteige. Einige Hamburger Bürger geben sich trotz des Müllchaos sehr gelassen. "Ja also, schön ist so was natürlich nicht, andererseits kann ich die Leute ja auch verstehen. Aber ich finde es nicht schlimm bei uns in der Gegend mit dem Müll", sagt Ingeborg Schlichting. Sie sammelt ihre Abfälle auf dem Balkon, und ist glücklich darüber, ihn nicht an den Straßenrand stellen zu müssen. Auch die 82-jährige Dorothea Hansen steht den Müllbergen gelassen gegenüber: "Was sollen wir machen? Wir persönlich können nichts unternehmen. Das ist nun mal die Gewerkschaft, die dort streikt."

Protestzug der Müllmänner

Natürlich gibt es auch Andere, die den Streik ablehnen. "Die Viertelstunde mehr, macht den Kohl auch nicht fett", sagt Marliese Kleinke. Sie selber wurde auch aufgefordert zu streiken, hat aber abgelehnt.

Hassan Adnana, Reinigungskraft vom Altonaer Einkaufszentrum "Mercado" würde dagegen schon sehr gerne streiken. Er muss jedoch, jetzt, wo seine Kollegen von der Stadtreinigung die Arbeit niedergelegt haben, sogar vier Stunden länger am Tag ran. Er kümmert sich jetzt nicht nur um die Sauberkeit im Einkaufszentrum, sondern auch um den Gehweg und die Mülltonnen direkt vor dem "Mercado".

Ärger über die Müllberge vor ihrem Geschäft herrscht bei den Mitarbeitern des Güven-Marktes in der Ottenser Haupstraße. Der viele Müll halte ihnen die Kunden fern, sagen sie und sie würden auch nicht verstehen, wie so ein Müllchaos herrschen könne, "die Müllmänner können machen was sie wollen, aber irgendwie müssen sie halt für Ordnung sorgen", sagt einer der Angestellten.

Das tun die Müllmänner allerdings nicht, auch wenn sie wieder auf die Straßen gehen. Im Rahmen einer Streikaktionen in Hamburg ziehen am Dienstag rund 300 Müllwerker in einem Protestmarsch vom Betriebshof Schnackenburgallee in Richtung Eimsbüttel. In anderen Stadtteilen veranstalten Verdi-Mitarbeiter einen "Info-Tag" und klären Bürger an Informationsständen über ihre Streikaktion auf.

Arbeitswillige Müllmänner dürfen wieder arbeiten

Immerhin reagiert die Stadt auf die zugemüllten Straßenzüge. Michael Freytag, Stadtentwicklungssenator und Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Stadtreinigung, hat die Aussperrung von nicht gewerkschaftlich organisierten Müllmännern beendet.

Die betroffenen Müllmänner hatten während der Aussperrung weder Gehalt, noch Streikgeld erhalten. "Es geht nicht, dass Unschuldige unter dem Arbeitskampf leiden", sagte er. Allerdings liege dem Senat auch viel daran, die Situation vor den bestreikten Betriebshöfen nicht eskalieren zu lassen. Die Mitarbeiter sollten jedoch nicht als Streikbrecher eingesetzt werden.

Die arbeitswilligen Kollegen sollen keinen Müll abtransportieren, sondern Verwaltungsaufgaben und andere Arbeiten in den Höfen selbst übernehmen, sagte Freytag.

Zumindest aber die Reeperbahn soll am Mittwoch oder Donnerstag gesäubert werden, einer der am schlimmsten zugemüllten Ecken der Hansestadt. Ein Verdi-Sprecher kündigte an, die gröbsten Verunreinigungen sollen beseitigt werden. Er kritisierte zugleich Imbissbesitzer, die ihre Abfälle und Reste einfach auf die Straße kippten. Das seien strafbare Handlungen, für deren Ahndung die Ordnungskräfte zuständig seien, so der Hamburger Verdi-Landeschef Wolfgang Rose.

sch mit DPA
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