Traumjob Pilot Turbulenzen am Job-Himmel


Pilotenausbildungen waren schon immer teuer, rechneten sich aber später. Doch seit die Luftfahrt unter der Sparsamkeit von Touristen und Konzernen leidet, ist eine Anstellung nach der Ausbildung gar nicht mehr so sicher.

Mit Turbulenzen sind Berufspiloten zurzeit nicht nur am Steuerknüppel konfrontiert - die Luftfahrtkrise wirbelt auch den Arbeitsmarkt am Himmel kräftig durcheinander. Ein Hauptproblem für die Fluggesellschaften und ihre Mitarbeiter ist der schnelllebige Markt: Krisen wie Sars lassen Passagierzahlen in wenigen Wochen extrem schwanken. Die Ausbildung eines Verkehrspiloten dauert dagegen rund zweieinhalb Jahre. "Prognosen sind schwer möglich", schätzt Markus Kirschneck, Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC), die Lage ein. Nach Angaben des Verbandes sind rund 500 bis 1000 Berufspiloten in Deutschland auf Jobsuche. "Da ist aber auch eine hohe Dunkelziffer eingeschlossen", sagt der VC-Sprecher. Insgesamt gibt es rund 10 000 Verkehrsflugzeugführer in Deutschland.

Entweder Lufthansa oder freie Schulen

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt für Cockpitberufe ist in Deutschland praktisch zweigeteilt: Einerseits schult die Lufthansa in ihren Trainingszentren in Bremen und im US-Bundesstaat Arizona den eigenen Nachwuchs. Andererseits bieten auch freie Schulen die bis zu 80.000 Euro teure Ausbildung zum Verkehrspiloten an. Eine Jobgarantie gibt es für potenzielle Nachwuchskapitäne bei beiden Angeboten nicht.

Ein Vorteil der Lufthansa-Ausbildung ist die Finanzierung durch die Fluggesellschaft. Der Schüler muss die Trainingskosten nur anteilig zurückzahlen, wenn er später eingestellt wird. Dafür achtet das Unternehmen aber sehr genau darauf, wer künftig in seinen Maschinen ganz vorn sitzt. Bewerber müssen umfangreiche psychologische Tests absolvieren. Hier fallen viele Kandidaten durchs Raster.

Weiter qualifizieren und warten

"Momentan können wir unsere Schüler nicht sofort übernehmen", beschreibt Renate Hocke, Sprecherin des Lufthansa-Trainingszentrums, die Berufsaussichten. "Wir bilden aber weiter aus", stellt sie klar. Dass das Unternehmen seine Absolventen so schnell wie möglich unterbringen will, steht für Hocke außer Zweifel: "Schließlich haben wir viel Geld in die Leute investiert." Wie es bei den anderen deutschen Airlines personell weitergeht, will VC-Sprecher Kirschneck nicht vorhersagen: "Dafür müssen wir beispielsweise abwarten, wie sich die dba entwickelt." Um das Qualifikationsprofil der Piloten zu erweitern, kombiniert die Lufthansa das Flugtraining auch mit einem Ingenieurstudium. Interessierte Bewerber können auf diesem Weg einen zusätzlichen Abschluss erwerben. Angesichts moderner Technik suchen Airlines heute keine heldenhaften Flugpioniere mehr, die den Atlantik im Stil von Charles Lindbergh überqueren wollen. Die Gesellschaften verlangen neben psychischer Belastbarkeit in Extremsituationen und technischem Fachwissen eher Teamfähigkeit und Managementkompetenz.

Es trifft nicht nur Berufsanfänger

Probleme haben momentan aber nicht nur Berufsanfänger. So kündigte zum Beispiel die Swiss Mitte Juli an, rund 550 Stellen für Kapitäne und Copiloten zu streichen. Nach dem 11. September entließen auch amerikanische Gesellschaften zahlreiche Mitarbeiter. Für Piloten wird es dann besonders teuer. Sie müssen mehrere tausend Euro im Jahr zahlen, um ihre Lizenz durch Trainingsflüge zu erhalten. Außerdem erschweren zahlreiche nationale Regularien den schnellen Wechsel zwischen Arbeitgebern in verschiedenen Ländern. VC-Sprecher Kirschneck warnt aber vor Schwarzmalerei. Auch Anfang der 90er Jahre habe die Luftfahrt eine schwere Krise durchgemacht. Danach hätten die Airlines dringend Piloten gebraucht. "Das ist bei uns genauso, wie mit Prognosen für Berufschancen bei Studiengängen."

Heiko Stolzke DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker