HOME

UNTERNEHMEN: Business nach den Hausaufgaben

Unternehmer im Pennäler-Alter sind in Deutschland keine Seltenheit. Mit ihren Geschäftideen, Produkten und unternehmerischen Strategien machen sie den »echten« Firmen Konkurrenz.

Ein steiles Umsatzwachstum ist vorprogrammiert. Wer frühzeitig bei »@vice.solutions« einsteigt, dem garantieren die Firmengründer eine »maximale Kapitalverzinsung«. Das Unternehmen könne Anteilseignern »Zuwachsraten von 40 Prozent bieten«, schwärmt ein Firmensprecher.

Auf den Kurszetteln der deutschen Börsen sucht man das Computer-Unternehmen allerdings vergeblich. Es wird von Schülern geleitet - der Anleger-Kreis rekrutiert sich aus Eltern und Schulkameraden. Die Firma »@vice.solutions« ist eine von vielen Schülerunternehmen, die in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen sind.

Miniunternehmen sind zahlreich

Allein in Bayern gibt es nach Angaben von Unternehmerverbänden rund 50 Schülerfirmen. Einige Miniunternehmen stellten erst unlängst in Nürnberg ihre Geschäftsideen, Produkte und unternehmerischen Strategien vor. Gefördert werden sie vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, die die Unternehmer schon im Pennäler-Alter mit unternehmerischem Denken vertraut machen wollen.

Fast wie im richtigen Wirtschaftsleben

Dabei funktionieren die zeitlich befristeten Aktiengesellschaften fast wie im richtigen Wirtschaftsleben. Das festgelegte Startkapital von 750 Euro holen sich die Firmengründer bei Privatanlegern, denen bei entsprechenden Gewinnen eine Dividende winkt. Für die Stundenlöhne, die meist bei bei 50 Cent liegen, müssen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden - eben wie in richtigen Unternehmen.

Kochbücher, Vogelhäuser und ein »Fun-Guide«

So stellte sich in Nürnberg ein Schüler-Unternehmen München vor, das ein selbst herausgegebenes Kochbuch verlegt. Ein Unternehmen aus Saarbrücken bietet selbst gebastelte Vogelhäuser feil. Und Schüler des Deggendorfer Robert-Koch-Gymnasiums betreiben seit längerem einen schwunghaften Handel mit einem »Fun-Guide« für Niederbayern.

Zu den angebotenen Dienstleistungen gehört etwa die Vermittlung junger Künstler, der sich das Coburger Schüler-Unternehmen »Centerentertainment« aus Coburg verschrieben hat. Die Firma »Party- SOS« aus Reichersbeuern (Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen) organisiert auf Bestellung Partys und Geburtstage.

Konkurrenz für »echte« Firmen

Ganz dem Computer widmen sich die Mitarbeiter von »@vice.solutions«. Dazu gehört das Reparieren eines PC genauso wie das Erstellen einer Homepage. Sie sind alle Schüler eines privaten Wirtschaftsgymnasiums mit Internat in Baden-Baden. »Wir waren von Anfang an begeistert«, erzählt der 17-jährige Julian Sachs. Es habe allerdings auch Probleme mit »echten« Firmen gegeben, weil die Schüler ihre Dienstleistungen günstiger anbieten können.

Potential und Professionalität

Zwei Rechnungsrevisoren und ein internes Kontrollsystem würden gewährleisten, dass immer alles mit rechten Dingen zugehe. »Ich war überrascht, welches Potenzial und welche Professionalität in den Schülern steckt«, sagte der Lehrer Uwe Geiger stolz.

Spaß steht im Vordergrund

Bei der Gruppe »CIA/Creative Interactive« von einem Gymnasium in Fürstenzell stand eher der Spaß im Vordergrund. Die Mädchen ziehen bei öffentlichen Präsentation ihres Projektes regelmäßig mit einer Tanzeinlage die Blicke der Zuschauer auf sich, um danach ihr selbst entworfenes Brettspiel zu verkaufen. Wichtig war aber auch ihnen, Einblicke ins Management zu gewinnen und Verantwortung zu übernehmen, sagte die 15 Jahre alte Vorstandsvorsitzende Julia Niedernhuber.

Was zählt, ist die Erfahrung

Nicht alle Schüler werden jedoch am Ende auch in der Wirtschaft landen. Die 16-jährige Johanna Baerend aus Prien am Chiemsee weiß schon jetzt, dass sie einmal Medizin studieren möchte. Die Erfahrungen, die sie als Vorstandschefin im Miniunternehmen mache, würden ihr aber auch dort weiterhelfen.