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Schluss mit Papierkram: Vollautomatische Steuererklärung kommt ab 2022

Der Papierwust bei der jährlichen Steuererklärung ist aufwendig und kostet Nerven. Damit soll in ein paar Jahren Schluss sein. Eine elektronische Steuererklärung soll das Besteuerungsverfahren vereinfachen.

Eine elektronische Steuererklärung soll die Bürger entlasten.

Formulare zur Einkommensteuererklärung: 2022 sollen sie der Vergangenheit angehören. Eine elektronische Steuererklärung soll die Bürger entlasten.

Die Bundesregierung will die jährliche Steuererklärung auf ein vollautomatisches Verfahren umstellen und Bürger und Finanzämter damit massiv entlasten. Nach eineinhalbjähriger Debatte zwischen Bund und Ländern will das Bundeskabinett am Mittwoch seinen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens auf den Weg bringen. Ziel ist es, dass die Masse der unkomplizierten Steuererklärungen ab 2022 überwiegend maschinell erledigt wird. Ab dann sollen außerdem Belege wie Spendenquittungen nur noch auf Anforderung ans Finanzamt geschickt werden müssen.

Mit der Reform will die Bundesregierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen die Bürger jederzeit und papierlos mit dem Finanzamt kommunizieren können. Zum anderen sollen die Finanzbeamten von den Masseverfahren entlastet werden, um sich auf kompliziertere Fälle konzentrieren zu können. "Wir wollen die Bearbeitungszeiten verringert", hieß es in der Regierung. Bereits 2014 hatte die große Koalition mit dem Einstieg in die vorausgefüllte Steuererklärung einen ersten Schritt hin zu einem vollautomatisierten Verfahren gemacht.

Per Knopfdruck ans Finanzamt

Die Rechtsgrundlage für die Volldigitalisierung soll zum 1. Januar 2017 stehen und dann bis 2022 flächendeckend umgesetzt werden. Am Ende soll nach den Vorstellungen der Regierung ein Steuerpflichtiger seine Daten im elektronischen Steuersystem "Elster" beim Finanzamt abrufen, prüfen und in seine digitale Steuererklärung übernehmen können. Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Ist die Steuererklärung fertig, wird sie per Knopfdruck an das Finanzamt übermittelt und dort maschinell geprüft. Der Steuerbescheid kommt dann idealerweise ebenfalls digital an den Steuerpflichtigen zurück.

"Das Ziel muss am Ende sein, dass wir die Mehrzahl der Fälle automatisiert bearbeiten können", hieß es im Finanzministerium. Wenn ein Steuerpflichtiger den Wunsch habe, dass eine Fachkraft seine Steuererklärung prüfe, solle das aber jederzeit möglich sein. Außerdem soll ein "Risikofilter" dafür sorgen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Steuererklärungen von einem Menschen kontrolliert wird. In dem Fall könnten auch Belege angefordert werden, die man ebenfalls elektronisch übermitteln können soll.

Risikofilter bleibt ein Geheimnis

Bei welchen Fällen der Risikofilter anschlagen soll, wird noch überlegt - veröffentlicht werden soll er nicht. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Bürger jederzeit damit rechnen muss, dass er in eine Kontrolle gerät, was Missbrauch vorbeugen soll. Im Finanzministerium hieß es dazu: "Es ist klug, den Steuerpflichtigen zu sagen, dass es einen Risikofilter gibt - und dass sie seine Funktionsweise nicht einschätzen können."

Mit dem vollautomatischen System werden auch die Fristen für die Abgabe der Steuerklärung geändert. Wer sich vom Steuerberater beraten lässt, soll zwei Monate mehr Zeit bekommen. Statt dem 31. Dezember des Folgejahres gilt dann also Ende Februar als Stichtag. Wird die längere Frist überschritten, soll künftig allerdings eine Strafgebühr fällig werden.    

ivi / Reuters