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Wirtschaft: Produktion sinkt, Arbeitslosigkeit steigt

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist auf Talfahrt: Im Zuge der Finanzkrise sank der ifo-Geschäftsklimaindex zum sechsten Mal in Folge - auf den schlechtesten Wert seit 15 Jahren. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet für 2009 mit Produktionsrückgang und Jobabbau.

In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung Umfragen zufolge weiter verschlechtert. Der ifo-Geschäftsklimaindex als wichtiger Frühindikator sank im November zum sechsten Mal in Folge von 90,2 auf 85,5 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Anfang 1993 und ein stärkerer Rückgang als von vielen Volkswirten befürchtet. Diese hatten im Durchschnitt nur ein Absinken auf 89,0 Punkte erwartet. "Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr", erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, am Montag. "Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen."

Das bestätigt die Herbst-Konjunkturumfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach erwarten von mehr als 1800 befragten Unternehmen fast 37 Prozent einen Produktionsrückgang im kommenden Jahr, während gut 24 Prozent mit besseren Geschäften rechnen. In der Folge werden 2009 fast 35 Prozent der Betriebe wohl nicht umhinkommen, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren, erklärte das Institut. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor gemeldet, jedes zweite Unternehmen plane einen Jobabbau.

Investitionen rückläufig

Auch bei den Exporten sind viele deutsche Betriebe pessismistisch. Laut IW erwarten 26 Prozent für 2009 geringere Ausfuhren als im laufenden Jahr, nur 23 Prozent halten eine Zunahme für wahrscheinlich. Allein die ostdeutschen Unternehmen seien in Sachen Exporttrend noch überwiegend zuversichtlich. Die insgesamt eingetrübten Perspektiven für das Auslandsgeschäft spiegeln sich der Umfrage zufolge auch in den Investitionsplänen wider: Für 2009 rechnen 34 Prozent der Firmen mit rückläufigen Investitionen in ihrem Betrieb, lediglich 23 Prozent werden voraussichtlich mehr investieren als 2008.

Das Institut für Wirtschaft prognostiziert mittlerweile ebenso wie andere Experten eine Rezession im kommenden Jahr. Die Experten nahmen am Montag seine Prognose für die Konjunkturentwicklung auf ein Minus von "knapp 0,5" Prozent zurück. Noch im Oktober hatte das IW ein Plus von 0,6 Prozent erwartet.

Das Ifo-Institut erklärte, besonders im verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima beträchtlich abgekühlt. Das Exportgeschäft werde sich nach Einschätzung der Unternehmen beschleunigt abschwächen. Auch im Einzelhandel und im Großhandel habe sich die Stimmung verschlechtert. "Insbesondere die Einzelhändler rechnen mit einer deutlich negativeren Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten", so Institutschef Sinn.

"Im schlimmsten Fall 130.000 Arbeitslose mehr"

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet 2009 eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um bis zu 130.000. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte der "Bild": "Unser Forschungsinstitut rechnet im schlimmsten Fall, bei einem Wachstum von minus 0,5 Prozent, mit 130.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2009." Bei einer stagnierenden Wirtschaft prognostizieren seine Experten lediglich 30.000 Arbeitslose mehr. "Wir sind gut gerüstet für den Abschwung", meinte Weise.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters