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Zuwanderung: Ifo-Chef nennt Migration Verlustgeschäft für Deutschland

Einwanderung verursacht dem Staat mehr Kosten als Einnahmen. Zu diesem Schluss kommt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn und widerspricht damit der Darstellung einer Bertelsmann-Studie zur Zuwanderung.

Fordert mehr qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland: Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Fordert mehr qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland: Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Der Präsident des Ifo-Instituts hat einer Studie der Bertelsmann-Stiftung widersprochen, wonach Einwanderung dem deutschen Staat mehr einbringt, als sie kostet. In der Nettobilanz verursache Einwanderung dem Staat mehr Kosten durch Sozialleistungen und andere Ausgaben als sie Einnahmen durch Steuern und Sozialbeiträge bringe, schrieb Hans-Werner Sinn in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Eine neue Berechnung des Ifo-Instituts komme auf eine "fiskalische Nettobilanz je Migrant von minus 1800 Euro im Jahr".

Laut Sinn ergänzten Wissenschaftler des Ifo-Instituts die aktuelle Bertelsmann-Studie um nicht berücksichtigte Ausgaben. Die Ende November vorgestellte Studie war zu dem Schluss gekommen, dass die in Deutschland lebenden Ausländer den Sozialstaat im Jahr 2012 um 22 Milliarden Euro entlasteten. Jeder Ausländer zahlt demnach pro Jahr durchschnittlich 3300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhält. Die Studie sorgte in den Medien für Aufsehen, da sie verbreiteten Annahmen in der Bevölkerung zu den Kosten von Migration widersprach.

Sinn warf den Medien nun aber vor, die Studie falsch gelesen zu haben. Letztlich komme auch die Studie zu einem negativen Ergebnis mit einem "impliziten Finanzierungsdefizit" in Höhe von 79.100 Euro je Migrant über die gesamte Zeit, schrieb Sinn. "Angesichts dieser Verhältnisse sollte nun endlich eine ideologiefreie und nicht vom Streben nach politischer Korrektheit getriebene Debatte über die Migrationspolitik beginnen", forderte der Ifo-Präsident. Künftig sollten Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten nach Alter, Qualifikation, Gesundheit, Sprachkompetenz und Vermögen ausgewählt werden.

"32 Millionen junge Zuwanderer benötigt"

Sinn erklärte, wer die Renten dauerhaft finanzieren wolle, müsse auf qualifizierte Zuwanderung setzen und gleichzeitig Anreize schaffen, damit die Menschen in Deutschland wieder mehr Kinder bekämen. "Wollte man die Relation von Alten und Jungen und damit zugleich das relative Rentenniveau und die Beitragssätze zur Rentenversicherung auf dem heutigen Niveau stabilisieren, würden insgesamt 32 Millionen junge Zuwanderer benötigt, die meisten davon wohl aus außereuropäischen Gebieten", schrieb der Ifo-Chef. Es sei aber schwer vorstellbar, dass die deutsche Gesellschaft die nötige Kraft und Toleranz für eine solche Massenzuwanderung aufbringe. Schon jetzt sei die Bereitschaft der Bevölkerung zur Aufnahme von Flüchtlingen begrenzt, wie Pegida und andere Protestbewegungen zeigten.

Sinn forderte deshalb die deutsche Politik zu einer aktiven Bevölkerungspolitik auf, damit die Kinderzahl wieder steige. Es brauche "eine fundamentale und radikale Änderung der verzerrenden Anreizstrukturen im Steuer- und Rentenrecht zugunsten von Familien mit Kindern".

fin/AFP/DPA / DPA